Medizinische Zwangsbehandlungen


Schwieriges Thema.

Wenn jemand psychisch krank ist und suizidal  – soll man ihn davon abhalten? Er hat ja entschieden, dass er nicht mehr leben will. Also machen lassen und hinterher aufräumen?

Wird wohl kaum jemand befürworten. Also ist nach wie vor Gesetz: Wenn jemand eine Eigengefährdung aufweist, fährt er in die Psychiatrie ein.

Harsch, aber manchmal notwendig.

Wie sieht das mit anderen Zwangsbehandlungen aus? Und hier wirds nämlich schon gar nicht so klar.

Fall:

Eltern wünschen sich ein Mädchen. Das Kind ist äußerlich ein Junge, hat aber einen Uterus. Es ist Intersexuell, Hermaphrodit, Zwitter – sucht euch was aus.

Und hier ist das Feld, wo die Zwangsbehandlung ansetzt. Die Eltern wollen ein Mädchen. Und die Äußerung des Vaters lautet: „Eigentlich gar nicht so schlecht. Wir können uns das jetzt aussuchen, und lassen den einfach direkt nach der Geburt als Mädchen operieren“.

Was tun wir eigentlich den Kindern an? Jungs werden aus nichtigen Gründen beschnitten, es existiert sogar ein Gesetz, dass es den Eltern erlaubt, die Kinder im Namen eines „liebenden“ Gottes zu foltern. Und diese Zwangs-OP, um das Geschlecht des Babies „festzulegen“… gehts noch?

Kann das alles nicht warten, bis die Kids alt genug sind? Und selbst entscheiden können? Muss man unbedingt alles in eine Form pressen?

Ganz extrem auch die Reaktionen der Umwelt auf die Tatsache, dass Intersexuelle sich doch entscheiden können. Aber sie MÜSSEN es doch nicht. Wenn sie mit dem Zwitterkörper zufrieden sind, was schert es *irgendjemanden*, ob man sich entscheiden kann?

Für alle, die verwirrt sind, weil sie nicht wissen, ob sie einem Jungen oder einem Mädchen gegenüberstehen: Die Kinder und auch die Erwachsenen haben NAMEN. Hört auf, Druck auszuüben. Wenn ich mir die Foren so durchgucke, ist das ein echtes Problem. Ehrlich Leute: Haltet den Ball flach.

Sie sind nicht Mann, noch Frau, sie sind Mensch.

Schöner Artikel dazu in der Zeit.

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Veröffentlicht am 25. Dezember 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Ufff Tantchen wenn ich mich recht entsinne ist das mit den Zwittern nicht so einfach. Je nach Ausprägung kann (muss aber nicht) es in der Pubertät zu Komplikationen kommen.

    Recht hast du das sich „Kinder“ selbst entscheiden sollten wenn sie alt genug sind. Und wenn es eine Möglichkeit gibt (Medikamentös oder wie auch immer) das zu bleiben was sie sind sollte das auf jeden Fall unterstützt werden.

    Leider gehört es zum Deutschen Verwaltungswesen das alles klar kategorisiert werden muss. Vornamen und Geschlecht inklusive.

    • Es gibt offenbar eine Ausprägung, die gefährlich ist – wenn die Nebennierenrinde zuwenig Hormone produziert, droht die Entsalzung des Körpers und dann kann das schnell sehr böse werden.

      Aber da kann man wohl medikamentös gegensteuern. Und das ist nicht nur ein deutsches Problem. Die meisten Gesellschaften sind, was das Geschlecht angeht, binär. Das heißt, die kennen nur Mann/Frau.

      Alles, was dazwischenliegt wird als „unnatürlich“ empfunden und muss sofort beseitigt werden. Und wenn geschnitten wird, meist falsch. Da gibts inzwischen eine Menge Fallbeispiele für. Leider 😦

      • Ok die Variante kannte ich nicht – ich dachte eher daran das sich männliche und weibliche hormone in ihrer Steuerfunktion beißen können wenn ggf. diejeweiligen Drüsen vorhanden sind. Es ist schwer auch in die Richtung zu recherchieren da man unter dem Berg von Pro und anti Argumenten recht wenig zur Lebensqualität der nicht operierten und fast keine Statistiken (in Richtung „Es besteht chance X an Y zu leiden“) zu Typischen „Spätfolgen“ und „Krankheiten“ findet – das oder mein Google-fu hat gelitten.

        Das Binäre geht mir Persönlich auch zu weit. Lieber wäre mir wenn man das ganz gleich aus den Akten streicht. Australien hat da einen schönen Fall (http://www.smh.com.au/nsw/sexless-in-the-city-a-gender-revolution-20100311-q1l2.html).

        Auch gab es mal ein Bestreben der EU die „Eltern“ in Amtlichen Dokumenten Geschlechtsneutral auszuweisen aber das geht mehr in die gleichgeschlechtliche Richtung – ähnliches würde ich mir allerdings für Kinder wünschen.

        • Naja, im Zweifel würde ich IMMER die Kinder entscheiden lassen, sobald die alt genug sind. Also 18. Egal worum es geht: Beschneidung, Geschlechts“anpassung“ – das ist der Körper der Kinder und die Eltern, die sich einbilden, sie könnten aus nichtigen Gründen (von medizinischen Gründen abgesehen wüsste ich keinen Grund, warum das nicht bis zum 18. Lebensjahr warten könnte) an den Kindern rumschneiden wie es ihnen gefällt, denen gehört das Sorgerecht entzogen.

          Mach mal nicht Google-fu sondern Tai-Gin-Wiki. 😉

          http://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualit%C3%A4t
          http://de.wikipedia.org/wiki/Neovagina

          • Tantchen,was meinst Du mit „im Zweifel“? Endweder man ist konsequent und hebt die Entscheidung bis zum 18ten auf oder man macht’s gleich. Wo bleibt da Raum für Zweifel?
            Aber was ist, wenn sich das Kind / der/die Jugendliche m Verlauf der Pubertät entscheidet (wobei man nicht von jedem/jeder Pubertierenden von stabilen Entscheidungen ausgehen kann)?

            • Wenn man das so absichert, dass die Entscheidung erst mit Eintritt der Volljährigkeit getroffen werden kann, ist das in Ordnung. Dann bleibt auch weniger Raum für Eltern, die mit „sanftem“ Druck die „richtige“ Entscheidung herbeiführen wollen. 😉

              Und im Zweifel darfst du hier durchaus so lesen: Ab dem „oder“ ist der Satz zu streichen. 😉

              • danke Tantchen, Du hast mich vor einer von Grübeln geprägten Nacht (bezüglich Deiner Auffassung) gerettet .. 😀
                .. nein, das Ganze ist ernst, eigentlich zu ernst, um Scherze zu machen, aber „hier stehe ich und kann nicht anders“ (Original möglicherweise von Martin Luther)

          • Persönlich denke ich auch das die Kinder und Menschen generell sein sollen was sie sein wollen (wenn es den Medizinisch geht). Und 18 ist ein gutes alter zum entscheiden ;). Das vorweg.

            Wikipedia lauf ich normalerweise in deutsch und Englisch an allerdings ist das Wiki tatsächlich ein wenig dünn gesät für die verschiedenen Varianten der Intersexualität. Ich hab mich, im Zuge der Diskussion, gefragt ob es Komplikationen wie z.b. beim Swyer-Syndrom (Osteroporose und hohe Hodenkrebs-wahrscheinlichkeit) gibt welche eine OP oder andere Behandlung möglicherweise rechtfertigen können – leider ohne viel Erfolg. Es würde helfen um mal klar sagen zu können ob, wann und welche Behandlung von Nöten ist falls überhaupt eine gebraucht wird.

            Diese Informationen wären für Eltern aber auch für Leute wie uns die einfach nur diskutieren wichtig. Gerade auch weil es den Eltern im Zweifelsfalle eine neutrale Quelle gibt die nicht ein ggf. vorbelasteter Doktor, Pfarrer oder Gesetzgeber ist der auf eine „Gesellschaftliche“ Konformität hin drängt.

            Da hat die Beschneidungs-debatte viel mehr gebracht da die Infos aus den diversen Forschungen recht schnell in den Anhalter … ich mein die Wikipedia eingeflossen sind.

            Ich glaub ich werd wieder zu sehr offtopic.

            Was Foren oder das RL an geht. Ich hab ein paar TG und TS Freunde, Menschen und Fussel die ich sehr liebe. Mir ist das äußere Geschlecht daher egal geworden und ich wähle die Attribuierung ach den Wünschen der jeweiligen Person.

            Wovon man sich fern halten sollte ist die „shi/hir“ (als alternative Pronomen) Diskussion in Englischen communities, das gibt zu oft einen Shitstorm.

  2. Ich will nicht behaupten mich da super auszukennen, aber wenn man ein Geschlecht festlegen will, sollte das schon so früh wie möglich passieren, einfach weil in der Pupertät viele Sachen unwiederbringlich festgelegt werden, bzw. Korrektur sehr schwer wird. In den meisten Fällen wird nach der Genetik entschieden und soweit ich weis, waren 90% der Betroffenen mit der Entscheidung der Eltern/Ärzte zufrieden. Natürlich ist das nicht gut für die restlichen 10% und das System ist bei weiten nicht perfekt. aber für die 90% war es offenbar eine gute Lösung, die damit normal weiter leben können.

    Davon abgesehen fände ich es auch schöner, wenn Geschlecht in der Gesellschaft fluider wäre. Aber eine Gesellschaft zu ändern dauert sehr lange und ist sehr langwierig. Und das ist es schon ohne die üblichen Idioten und Vollpfosten plus gewisse Vereine, die denken sie hätten einen moralischen Standpunkt über allen anderen…

    • Leider ist genau das der falsche Weg. Wo hast du die 90%-Quote her?

      • Ich studiere Medizin und das Thema wurde in einer Vorlesung angesprochen, die Zahl stammt vom Prof. Er hätte wohl selbst Erfahrung auf dem Gebiet (es ist eine recht seltene Sache, aber er sieht halt einige Fälle davon an der Uniklinik) und hat auch selbst gemeint, dass es nicht ideal ist, aber momentan einfach keine richtige Lösung da ist. Er hat von ein paar Fällen erzählt und offenbar waren nur sehr wenige dabei, die ein anderes Geschlecht gewählt hätten.
        Und ja, es ist nicht ideal und der Falsche Weg, aber es ist nun mal so: Die Eltern bekommen eine Diagnose und müssen eine Entscheidung treffen: Korrektur nach DNA oder es „so lassen“, aber damit den schweren Weg entgegen der Norm der Gesellschaft gehen. Das fängt beim Namen an (im Deutschen Recht muss der Vorname eindeutig männlich oder weiblich sein) und hört bei sowas auf wie „auf welche Toilette muss mein Kind gehen“. Ich würde mal sagen 99,999999% der Eltern werden vor dieser Aufgabe zurück schrecken. Und in den allermeisten Fällen geht ja alles gut.
        Nicht ideal für den Rest. Wirklich nicht. Aber unsere Gesellschaft gibt es momentan einfach nicht her, dass anders gehandelt werden kann. (und auch medizinische Gründe… wenn nichts getan wird erhöht sich das Risiko für bestimmte Krebsarten so wie ich das mitbekommen habe… wie gesagt, ich bin kein Experte… )

    • Lochkartenstanzer

      Es ist sinnvoll, das „gGeschlecht“ nicht zu spät zu wählen, wenn möglich, sogar vor der Pubertät, weil dann einges im Sinne des Betroffenen in die Wege geleitet werden kann. Wenn ein „Mädchen“ lieber ein „Junge“ sein will, kann man da frühzeitig mit Hormonen steuern, was mit 18, wenn die sekundären Geschlchtsmerkmale sich schon ausgebildet haben, deutlich schwieriger ist udn ggf operative Eingriffe fordern. Da ist eine entscheidung im Teenager-Alter schon sinnvoller. ggf kann esd sogar schon im, kindergartenalte sinnvoll sein, das Kind das entscheiden zu lassen, so es das will (Manche wissen das schon in dem Alter sehr genau, was sie wollen.)

      Ich habe im persönlichen Bekanntenkreis jemanden, der das als Teenager entschieden hat und es ist imho gut, daß er nicht bis zur Volljährigkeit gewartet hat.

      • Genau. *Selbst* entschieden. Das setzt aber voraus dass sich derjenige voll bewußt ist, welche Tragweite seine Entscheidung hat.

        Wer auf keinen Fall entscheiden darf: *irgendwer* anders. Weder Eltern, Ärzte noch sonst wer. Der einzige, der entscheiden darf, ist der Betroffene. Denn er muss mit der Entscheidung leben.

        Ich meinte das völlig ernst, als ich sagte, dass es Eltern gibt, die das toll fanden, weil sie das Kind jetzt so operieren lassen konnten, wie sie es sich gewünscht haben. Doof nur, wenn die Wünsche der Eltern mit den tatsächlichen Gegebenheiten des Kindes nix zu tun haben und man das Kind falsch operiert hat.

        Rückgängig machen ist da oft nicht. Und dann leben die Leute buchstäblich in einem falschen Körper, der so designt wurde.

        Stell dir einfach mal vor, deine Eltern hätten für dich entschieden, dass du doch besser ein Mädchen wärst und deine Intersexualität einfach mal genommen, um dich entsprechend gestalten zu können.

        Ich glaub, für Mord hätts dann mildernde Umstände gegeben.

        • Lochkartenstanzer

          Wir sind uns ja einig, daß die Kinder selbst eintscheiden sollen, ob sie an sich rumgeschnippelt haben wollen. Was ich nur sagen wollte, ist, daß es mit 18 jahren dann „zu spät“ sein kann. Mit 3 oder 4 Jahren ist es imho allerdings auch noch zu früh. Das schwierige dürfte sein, daß „richtige“ Alter zu finden, ab dem man dem Kind zugesteht, daß selbst entscheiden zu können.

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