Tragödien


Diese unglaubliche Tragödie in den USA, wo ein Mann in einem Amoklauf 20 Kinder erschossen hat – man sitzt vor dem Newsfeed und glaubt einfach nicht, was man liest.

Zu furchtbar die Vorstellung, dass jemand, aus welchem Grund auch immer, einfach in eine Schule geht und um sich ballert. Nachdem er die Mutter erschossen hat.

Und furchtbarer momentan noch, was jetzt im Nachgang dieser Tragödie passiert.

Als erstes die Frage nach „aus welchem Grund auch immer“. Gerade die Medien sind jetzt groß darin, die fehlende Empathie von Menschen mit Asperger-Syndrom hervorzuheben. Und offenbar ist es auch wirklich so, dass diese Menschen nicht in der Lage sind, Emotionen zu erkennen. Denen fehlt da die Synapse für oder ist – je nach Stärke – zuwenig ausgebildet.

Aber darum gehen Menschen mit Asperger nicht hin und ballern wahllos Kinder um. Da war ein Auslöser, der mit dem Asperger nichts zu tun hatte. Und wenn ich mir diese bereits stellenweise zur Märtyrerin verklärte Mutter ansehe, die ja alles für ihr Kind getan hatte, das sie dann undankbarerweise erschossen hat, frage ich mich: Wozu brauchte diese Grundschullererin 2 halbautomatische Pistolen und ein Sturmgewehr im Haus?

Da lohnt sich zumindest mal die Nachfrage, was in dem Haushalt abgelaufen ist.

Auch die Klassenkameraden aus Schulzeiten. „Yo, der war anders, hatte keinen  Blickkontakt gehalten, blieb für sich und wir haben den gelassen.“

Die Realitäten von Bullying und Mobbing gerade an amerikanischen High-Schools und Colleges einigermaßen kennend, DAS soll ich glauben? Der wurde von den einzelnen Gruppierungen als „anders“ angesehen, weil er nicht mit Menschen reagieren konnte, sich mit denen unwohl fühlte und der wurde nicht gemobbt?

Das können die einem erzählen, der die Hose mit der Kneifzange anzieht. Auch hier sollte man mal genauer hinsehen. Und nur weil Menschen mit Asperger-Syndrom die Emotionen anderer nicht wahrnehmen können, heißt das übrigens nicht, dass die keine *HABEN*. Sie können nur offenbar nicht richtig mit ihnen umgehen oder gesellschaftlich anerkannt auf sie reagieren. Was gerade in Schulen natürlich zu Mobbing führt. Denn Kinder sind das intoleranteste, was es auf der Welt gibt. Wenn jemand „anders“ ist, dann merkt der das auch. Mit zunehmender Sozialisation ändert sich das häufig – aber für viele Mobbingopfer leider nicht schnell genug.

Die weitere Frage, die ich zuerst stellen wollte, aber die ich aus Gründen der Aufmerksamkeit nach hinten geschoben habe (die Vorkommnisse nur auf diesen Punkt zu reduzieren bringt leider nix, Amokläufe sind komplexer):

Die USA haben eins der liberalsten Waffengesetze der Welt. Jeder hat das Recht, Waffen zu besitzen. Das ist verfassungsmäßig garantiert. Und die NRA wacht aufmerksam darüber, dass das Gesetz nicht angetastet wird. Deren völlig bescheuerte Aussage zum Fall ist ja auch sinngemäß: „Beruhigt euch mal alle wieder, die Waffen sind nicht das Problem, sondern die Menschen, die dahinter stehen. Wenn wir noch mehr Waffen unter die Leute bringen, dann mendelt…äh gleicht sich das wieder aus.“

Wenn man dann noch weiß, dass in amerikanischen Haushalten rund 200 Millionen Waffen liegen, teilweise in Händen, die definitiv nicht wissen, wie man damit umgeht, aber hauptsache man hat eine, weiß man, woher diese Haltung kommt. Das ist ein veritables Geschäft und das möchte man sich nicht durch fiese Waffengesetze kaputtmachen lassen.

Hinzu kommt, dass gerade die NRA eine sehr mächtige Organisation ist die den halben Kongress bzw. Senat finanziert. Wenn die einem Abgeordneten, der schärfere Waffengesetze unterstützt, die finanzielle Lifeline kappen, ist der am Arsch. Der kann auch gleich zurücktreten. Entsprechend zittert jeder Politiker vor diesem Verband und seinen mafiösen Strukturen. Dass sind Verbrecher in Nadelstreifen.

Fox News unterstützt das alles natürlich willfährig, indem sie sagen, dass diese Tragödie eine Zeit zur Trauer ist und nicht für Politik.

Wann, wenn nicht jetzt, kann man sowas überhaupt diskutieren?

Jedes Jahr sterben in den USA über 30.000 Menschen an Schußverletzungen.

Es gibt die ersten, die sich fragen, wieso „die Jugend“ so aggressiv ist, vor allem „die Schwarzen“.

Liebe Amerikaner: Ihr seid doch so für die Bibel. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ihr grenzt ganze Bevölkerungsschichten aus, weil ihr sie als minderwertig erkennt. Ihr drückt eine ganze Gesellschaftliche Schicht an das Existenzminimum, nehmt ihnen Heim und die Möglichkeit, ein vernünftiges Leben führen zu können, gebt ihnen noch die Schuld dafür, weil sie ja zu doof/faul/whatever sind, gebt ihnen gleichzeitig Waffen frei Haus und ihre Kinder sperrt ihr ohne Verhandlung tagelang in den an die Schule angeschlossenen Knast, weil sie keine richtige Schuluniform getragen haben.

Und ihr WUNDERT euch noch, warum ihr jedes Jahr Zehntausende Tote durch Schußwaffen habt?

Und am Ende stehen in diesem Fall 20 tote Kinder. Und ein weinender Präsident, der machtlos ist, weil die USA die staatliche Macht längst an die Konzerne und ihre Lobbygruppen abgegeben haben.

Es gab unglaublich bereits unglaublich viele Tragödien. Und es wird noch mehr geben, denn die Antwort auf jede dieser Massaker lautet mantrahaft „mehr Waffen“ – anstatt „Entwaffnet das Land endlich“.

Und solange keiner zu Verstand kommt dort, wird dies leider nicht die letzte gewesen sein.

Die armen armen Kinder. Und deren Eltern… und alle kaltschnäuzig auf dem Altar des Rechtes auf Waffentragen geopfert. 😦

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Veröffentlicht am 15. Dezember 2012, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. ein anderer Stefan

    Die Waffen alleine sind es in der Tat nicht. Kanada hat meines Wissens vergleichbare Waffengesetze und vergleichbar viele Waffen – aber da passiert das weniger häufig (jedenfalls was wir hier so mitkriegen). Auch in europäischen Ländern gibt es mehr Waffen in Privatbesitz als man meinen möchte. Paradebeispiel ist die Schweiz, mit dem Sturmgewehr im Schrank. Das hat man dort mittlerweile abgeschafft – wegen der Selbstmordrate mit den Gewehren. In der Schweiz meint man, jemanden das (Selbst-)mordwerkzeug wegzunehmen, könnte ihn vom Selbstmord abhalten. Ob das klappt, sei dahingestellt – aber den Versuch ist es jedenfalls wert. Aber in Amerika ist das ja ein Sakrileg, denn die Verfassung und die Zusatzartikel sind ja deren Heilige Schrift – auch wenn sie nur dem Namen nach respektiert wird. Ich meine, wie bekloppt muss man sein, mit aller Macht an 200+ Jahre alten Gesetzen festzuhalten? Die Welt hat sich dann doch ein bisschen geändert…

    • *hust* als ich kenn da Leute, die halten an 3000 Jahre alten Gesetzen fest….
      Auch nich schlauer.

      • Was beides nicht besser macht.

        Zum Waffenbesitz in Europa:
        Wenn man sich anschaut, womit hierzulande solche Taten begangen werden – es sind in der Regel nicht illegale Waffen (an die kommt man dann doch nicht so einfach ran), sondern schlecht gesicherte und fehlerhaft aufbewahrte Sport- oder Jagdwaffen.
        Gelegenheit macht hier Täter.
        Und viel Gelegenheit macht tendenziell mehr Täter.
        Natürlich ist viel im Vorfeld schiefgelaufen. Nichts desto trotz erleichtern liberale Waffengesetze oder sorglose Waffenbesitzer die Durchführung einer Tat. Hat man nicht das passende „Werkzeug“, bleiben viele Fantasien vermutlich auch in diesem Bereich – zumindest was das Töten einer Vielzahl Unschuldiger betrifft.

        Wenn du mehr über die Gefühlswelt oder auch das Anderssein von Aspergerpersonen wissen willst, empfehle ich die Herzchaosmama: http://herzlichchaotisch.wordpress.com/ die aus ihrem Aspergeralltag erzählt.

        • ein anderer Stefan

          Da hst Du recht, und das wollte ich auch sagen (habe es aber total Banane ausgedrückt).
          Also nochmal: Wenn Waffen weniger leicht verfügbar sind und ein verantwortungsvoller Umgang mit den vorhandenen Waffen praktiziert wird, ist die Gefahr von Gewalt mit Schusswaffen sicher geringer. Beides ist in den USA offenbar nicht gegeben. In Kanada gbt es auch viele Schusswaffen, aber m.W. deutlich weniger Verbrechen damit. Ähnliches gilt für die meisten europäischen Länder. In D sind laut Wikipedia auch 20 bis 30 Mio Schusswaffen zivil vorhanden, also gar nicht mal so wenige. Dennoch kommt es hier im Verhältnis deutlich seltener zu Gewalttaten mit Schusswaffen als in den USA. Das meinte ich mit an den Waffen alleine liegt es auch nicht. Nun mag es sein, dass die deutschen Waffenbesitzer im Mittel verantwortungsvoller mit Ihren Waffen umgehen als die US-amerikanischen, was den potentiellen Tätern weniger Gelegenheit gibt, an eine Waffe zu kommen. Aber es ist meines Erachtens auch eine Frage der Mentalität. Wenn ich überall Feinde sehe und von den Medien (Fox News) in dieser Haltung noch bestärkt werde, bin ich auch eher bereit, Gewalt gegen von mir als feindlich angesehene Personen anzuwenden, weil ich ja damit rechne, ansonsten selber das Opfer von Gewalt zu werden. Da ist es auch egal, ob der (teils imaginierte) Feind mein Nachbar, das schwarze oder hispanische Gangmitglied oder die Bundesbehörde ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Amerikaner unter einer Art kollektivem Verfolgungswahn leiden und sich gewaltsam dagegen wehren.

  2. ein geradezu idiotisches Argument ist, zu behaupten, dass mehr Waffen mehr Sicherheit bedeuten.
    .. und das Ganze angesichts der zunehmenden Brutalisierung (bei gleichzeitiger Gewaltverherrlichung) in den öffentlichen Medien.
    ich geh‘ mal ne Runde kotzen ..!

  3. Selbst wenn der Zugriff auf Waffen enorm erschwert würde, fänden Menschen andere Möglichkeiten, um jemanden zu töten:
    http://www.n24.de/news/newsitem_6054579.html

    Diese erschreckende Tat hat mich sehr an das Dunblane-Massaker erinnert, der Täter erschoss 15 Kinder und eine Lehrerin, bevor er sich selbst tötete. Die Waffen dazu besaß er ganz legal, was recht schnell dazu führte, dass kurz nach der Tat Gesetze verabschiedet wurden, die den privaten Waffenbesitz verboten.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Dunblane_school_massacre

    • Oliver, Verbote verhindern niemals solche Taten, aber sie erschweren deren Ausführung erheblich
      und darum , nur darum kann es gehen.
      Zerstörerische Gedanken, kranke Kreaturen (sorry, aber für solche Menschen fällt mir kein anderer Begrff ein) wird es immer geben, aber die Möglichkeit, sie stante pede umzusetzen und quasi die Mittel auf dem Präsentierteller hinzulegen, ist doch wohl etwas vollkommen Anderes.

  4. „Und solange keiner zu Verstand kommt dort, wird dies leider nicht die letzte gewesen sein.“

    Es wird leider nicht reichen, wenn einer, und sei es der Präsident, zu Verstand kommt. Es wird auch nicht reichen, wenn viele zu Verstand kommen. Und es sieht nicht so aus, als ob wirklich eine größere Zal von Menschen zu Verstand käme, im Gegenteil jedes Blutbad ist ein gefundenes Fressen für die Waffengeschäfte. Nach dem Blutbad in dem Kino stieg die Zahl der Background-Checks für Waffen in Colorado um 41 %. Nach dem Attentat auf Gabby Giffords, bei dem sechs Menschen umkamen, wurden 60% mehr Waffen verkauft. Ich bin davon überzeugt, dass Obama und mit ihm viele andere sehr genau wissen, dass das Waffenrecht massiv verschärft werden müsste, nur werden sie sich nicht wirklich trauen (vielleicht bis auf Bloomberg) das öffentlich zu sagen. Aus gutem Grund, weil sie nämlich dann alle ihre anderen Projekte begraben könnten und der nächste Präsident ein Republikaner mit solider Mehrheit hinter sich wäre.

    1994, als der Brady Act das Waffenrecht verschärfte, wurden die Republikaner so sehr mobilisiert, dass sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewannen – zum ersten Mal in einem halben Jahrhundert. Die Demokraten und auch Obama haben diese Lektion gelernt.

    Und deshalb wird wieder nichts passieren, es werden wieder mehr Waffen verkauft werden. Und das populäre Märchen von der Selbstverteidigung wird wieder Konjuktur haben, obwohl es statisisch längst widerlegt ist. Zivilisten, die zurückschießen, schießen meist daneben oder auf den Falschen. Stattdessen treffen sie Unschuldige ober ballern auf Afroamerikaner, die das Autoradio ein wenig zu laut für den Geschmack eines Rednecks aufgedreht haben.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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