Welt-AIDS-Tag


Haben wir heute.

Mal ein guter Zeitpunkt, ein wenig Infos zu streuen.

Noch immer ist es so, dass Menschen, die HIV-positiv sind, von ihrer Umgebung behandelt werden, als würden sie jeden Moment sterben. Doch das ist nicht so. Nicht im geringsten, wie dieser Mann beweist. Mit Medikamenten läßt sich die Viruslast drücken. Heilen kann man HIV derzeit nicht, aber man kann die Lebensdauer und die -qualität signifikant verbessern.

HIV trifft nicht „nur“ Schwule und Prostituierte. Es kann buchstäblich jeden treffen. Ein One-Night-Stand und schwupps siehst du dich nicht nur einer Krankheit ausgesetzt, die lebensverkürzend ist, sondern die dich auch noch in den Augen aller zu einem „selbst schuld“ stempelt.

Denn nach wie vor meidet man HIV positive Menschen als hätten sie die Pest oder Cholera. Doch eine Umarmung, ein Händedruck – das steckt nicht an. So wird HIV nicht übertragen. Man kann mit den Menschen weiter zusammenarbeiten, HIV überträgt sich nicht über den Luftweg via Tröpfcheninfektion, wie es eine Grippe tut. HIV wird sogar verhältnismäßig schwer übertragen im Vergleich zu anderen Krankheiten.

Darum helfen Kondome. Sie schützen vor dem Austausch von Körperflüssigkeiten, wo das Virus in hoher Konzentration vorhanden ist. Und darum ist Beschneidung auch beim Schutz vor HIV kontraproduktiv – denn die Beschnittenen spüren mit Kondom fast nichts mehr. Darum lassen sie es weg, auch bei One-Night-Stands, so dass das Risiko erhöht ist.

Wenn ihr mit einem HIV positiven Menschen zusammenarbeitet, dann könnt ihr euch das Virus nicht holen, es sei denn, ihr macht einen direkten Bluttausch wie Winnetou und Shatterhand. Wenn ihr einen HIV-positiven Menschen kennt, könnt ihr ihn auch weiterhin umarmen, die Hand schütteln, Küsschen geben. Das alles wird euch nicht anstecken.

Wenn ihr mit einem HIV-positiven Menschen schlaft und ihr benutzt Kondome, dann wird euch das auch aller Voraussicht nach nicht anstecken. Es sei denn, das Kondom hat einen defekt.

Es besteht keinerlei Grund, diese Menschen auszugrenzen, vor ihnen Angst zu haben, sie zu behandeln als wären sie der Grund, dass die Menschheit demnächst ausstirbt. Und es besteht auch keinerlei Grund, irgendwelchen verblendeten Predigern zu glauben, die sagen, dass HiV von Gott gesandt ist, um die Sünder zu strafen. Wäre DAS der Fall, wären die meisten Evangelikalen in den USA alleine wegen Heuchelei schon HiV positiv. Hier wären es z.b. die verlogenen Macher von kreuz.net, die dann einen HiV-Freifahrtsschein haben müssten. Und ich schätze mal 80% des Bundestages. Achja und dem Idioten, der sagt, dass HIV eine „Smegma-Allergie“ ist.

Nein, „Gottgesandt“ ist das nicht. Aber bedrohlich. Die Fallzahlen steigen. Weil die Leute unvorsichtig werden. Weil sie sich auf den Augenschein verlassen. Und dem allbekannten „et het noh immer jotjegange“.

Das tut es bei HiV aber nicht. Wenn mans hat, hat mans und man wird dran sterben. Eher früher als später. Man hat, zumindest hier im Westen, noch viele Jahre vor sich, dank der Therapien, aber das Ende ist ziemlich klar.

Also Leute: Tüten schützen. Euch und euren Partner. Es betrifft nicht nur „Schwule und Nutten“ – sondern HIV ist seit Jahrzehnten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es kann jeden treffen, der sich nicht schützt. Die gesellschaftliche Position ist kein Indikator für „kann HIV haben“ oder „hat bestimmt kein HIV“.

Aber trotz der Verbreitung und der steigenden Fallzahlen besteht KEIN Grund, die Menschen auszugrenzen, sie Zwangstests zu unterwerfen oder sie anderweitig zu verfolgen. Die haben genug auf dem Teller, die brauchen nicht wirklich mehr.

Also: Selbstschutz: Ja. Ausgrenzung: Nein.

Dann  wirds auch was mit der Nächstenliebe.

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Veröffentlicht am 1. Dezember 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. gotsassaufeinemast

    Wahr und wohl gesprochen, liebes Tantchen.

  2. „Und darum ist Beschneidung auch beim Schutz vor HIV kontraproduktiv – denn die Beschnittenen spüren mit Kondom fast nichts mehr“

    Auch wenn ich Dich sehr schätze und Deine Meinung zur Zwangsbeschneidung von Kleinkindern voll und ganz teile, an dem Punkt muß ich Dir widersprechen. Ich bin selbst beschnitten und habe mich in dieser Hinsicht nie eingeschränkt gefühlt. Ich denke, daß wie bei jeder OP eine Reihe Faktoren bestimmt, wie es dem Patienten danach geht, wie z.B. Alter, Professionalität der Durchführung, Heilungsverlauf etc. Ich möchte nicht ausschließen, daß das eine Folge einer Beschneidung sein KANN, muß aber nicht. Ich weiß, hat jetzt nichts direkt mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun, aber die Behauptung „Beschnittene spüren beim Sex nichts mehr“ habe ich jetzt schon ein paar mal bei Dir gelesen und mußte mich jetzt mal dazu äußern.

    Beim Rest des Artikels hast Du aber meine volle Zustimmung.

    • Dann hast du Glück gehabt. Ganz ehrlich. Und du bist einer der wenigen, die sagen: „Ich fühle mich nicht eingeschränkt, aber ich kann verstehen, wenn es andere tun“

      Der Hauptgrund dafür liegt übrigens nicht in OP, Heilungsverlauf etc. Sondern schlichtweg darin, wieviel weggeschnitten wurde. Die radikale Zirkumzision, die nichts übrigläßt z.b. die ist für die meisten Männer am belastendsten. Soweit ich informiert bin, beschneidet z.b. Frau Deusel so, inklusive des Abschälen des inneren Vorhautblattes, eine Beschneidungsform, die selbst innerjüdisch stark umstritten ist. Sie läßt das Glans als rohe Wunde zurück.

      Hier entstehen aufgrund der relativ großflächigen Wunde auch die meisten Komplikationen wie Nachblutungen oder Entzündungen.

      Aber du hast in einem Recht – aber wenn ich den Satz richtig formuliere, empfinde ich ihn als grausam denjenigen gegenüber, die mit der Beschneidung leben können.

  3. ein anderer Stefan

    Ich habe mal die Smegma-Allergie gegooglet: Dieser Typ ist ja gemeingefährlich. Ich bin auf die Homepage der „Neuen Germanischen Medizin“ geraten – wirres, krauses Zeugs. Der gehört in die Klapsmühle, jedenfalls weit weg von allem, womit er noch mehr Menschen umbringen kann.

    • Das ganze Rattenpack dieser „NGM“ gehört geschlossen hinter Schloß und Riegel. Du glaubst nicht, welche Bedrohungsszenarien die aufbauen, damit du ihnen folgst und jegliche Behandlung deines Krebses zugunsten der „Psychotherapie“ ablehnst…

  4. Ich kann mich noch an meinen Biounterricht in der 10. Klasse erinnern, wo unsere Lehrerin behauptete, HIV könnte durch Händedruck oder ein geteiltes Glas übertragen werden. Ich habe damals vehement widersprochen, aber als Lehrerin hört man natürlich nicht auf eine 15jährige.

    Die Beschneidung soll ja tatsächlich das Übertragungsrisiko minimal schmälern. Was aber nicht nur aus dem von dir genannten Grund völlig negiert wird, sondern wahrscheinlich auch deswegen, weil viele Männer, die so etwas hören, vermutlich davon ausgehen werden, dass ÜBERHAUPT KEIN Risiko mehr besteht. Das stimmt aber natürlich nicht. Daher sind solche Vorstöße wie von der WHO (Beschneidung, um HIV zu bekämpfen) völlig kontraproduktiv und führen vermutlich zu mehr Ansteckungen, als wenn man die Vorhaut einfach dranlassen würde.
    Schützen tut nur ein Kondom. Basta.

    • Es gibt genau EINE Studie, die besagt, dass das Risiko minimiert wird. Und die ist schlichtweg gelogen.

      http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/argumente-fuer-beschneidung/beschneidung-zum-schutz-vor-aidshiv/beschneidung-und-aids.html

      Es gibt inzwischen sogar Stimmen, die sagen, dass das Risiko beschnittener Männer HÖHER ist, weil der natürliche Schutz der Eichel, die Vorhaut, fehlt.

      • Ja, das erscheint mir auch durchaus logischer. Interessant wäre mal eine Spekulation darüber, warum die WHO trotzdem so eine Scheiße von sich gibt. Das sollten doch eigentlich Experten sein.

        Hatte gerade die Woche wieder eine Diskussion mit meinen Mitbewohnern darüber. Sie sind zwar gegen Beschneidung, behaupten aber weiterhin, dass sie hygienischer sei. Dem habe ich widersprochen… und dann kam das Argument, dass ich, auch wenn ich mich VIEL mehr als sie damit beschäftigt habe (haben sie nämlich eigentlich gar nicht), wahrscheinlich nur tendenziöse Artikel darüber gelesen habe. Die halt, entgegen tollen Studien, behaupten würden, dass eine Beschneidung nicht hygienischer sei.
        Manchmal hab ich keinen Bock mehr.

        • WAS IST SO SCHLIMM AN WASSER UND SEIFE???? Es sind noch nicht mal 30 sek. die man da zum waschen braucht.

          Das ist dieses „Smegma ist eklig“-Gehabe, nur: Das ist eine normale Sekretproduktion, das ein natürliches Gleitmittel ist.

          Warum die WHO das so übrigens propagiert? Weil die Kinder-Urologen und hauptamtlichen Beschneider sonst weinen, weil ihre Einnahmen wegbrechen. Weil sie dann eben nicht mehr Geld verdienen, weil sie einerseits die Beschneidung selbst abrechnen können, sondern auch noch die 400 – 1000 Dollar pro präparierte Vorhaut abrechnen, die an die Kosmetikindustrie geht.

          Da sind mehrere unglaublich starke Lobbys am Werk, die ein sehr starkes Interesse haben, dass die Babies auch weiter ihre Vorhäute verlieren, egal zu welchem Preis. Ein paar tote Babies mehr oder weniger, was macht das schon, wenn man mit der abgetrennten Vorhaut Leben verbessern kann oder Cremes für Anti-Ageing-Produkte?

          Das sind die Kinderärzte, die Pharmaindustrie (die die für Kunsthaut braucht, das läßt sich hervorragend daraus züchten), die Kosmetikindustrie und die Kinderurologen. Da leben ganze Berufszweige von.

          Darum wird das so propagiert. Die Religionen sind da nur begleitende Schützenhilfe.

          • Ja, und es ist ja auch nicht so, als müsste man sich nicht mehr waschen, nur weil man beschnitten ist…

            Dieses „eklig“-Gehabe geht mir auch auf den Sack. Ist ja das selbe wie mit Schambehaarung. Angeblich ja auch eklig bzw. ists ohne hygienischer. Aber es hat ja wohl einen Grund, weshalb wir das haben. Die Natur ist ja nicht dämlich!
            Oder das „schön“-Argument, das auch immer wieder aufkommt. Mein Gott, Genitalien, egal ob männlich oder weiblich oder beschnitten oder nicht, würden niemals einen Schönheitswettbewerb gewinnen, also wen interessierts, meine Güte…

            WHO: Ohne Worte.

            • „Schön“, wenn ich das schon höre. Es gibt „Mütter“ die beschneiden ihre Jungs „high and tight“, weil das „schöner“ aussieht – Mütter haben gefälligst nicht die Schönheit der Geschlechtsteile ihrer Kinder zu beurteilen. Das ist sexueller Missbrauch, meine werten Damen und gehört bestraft.

              Und ich nenne hier explizit Mütter, weil Väter auf so bescheuerte Ideen nur dann kommen, wenn die Mütter dahintersitzen. Es gibt nicht viele Väter, die ihre Söhne aus ästhetischen Gründen beschneiden lassen, dass sind die Mütter.

              Und, nebenbei: Genau DIE Art der Beschneidung wird mit dem Gesetz, das gerade verabschiedet wird, wieder erlaubt.

              • Och, das würde ich aber nicht einseitig den Müttern anlasten. Ich denke zwar, dass dieser Glaube bei beiden Geschlechtern gleich verteilt ist, aber in der Diskussion diesen Sommer habe ich dieses Argument eigentlich nur von Männern gehört (vermutlich haben die Frauen, die das dachten, sich nicht getraut, das auch zu schreiben). Dann aber in der Variante „Frauen finden das schöner“. Und immer in Verbindung mit „Man kann länger und darauf stehen die Ladys“.
                Ich weiß nicht genau, wie das rechtlich ist, aber ich vermute, bei geteilten Sorgerecht müssen beide Eltern einer solchen Operation zustimmen. Zumindest kann ein Elternteil bestimmt Einspruch erheben, wenn Unstimmigkeiten bestehen. Damit sind die lieben Väter auch nicht unschuldig.

  5. und zum „natürlichen Gleitmittel“ *grummel*

    Es hat einen Grund, warum künstliche Gleitmittel inzwischen in den USA und in Israel zum normalen Einkaufsbild gehören.

  1. Pingback: 1. Dezember « gotsassaufeinemast

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