Seifenblasenhaie


Die Seifenblasenhaie vom Artikel weiter unten. Ich glaub, man kann sie mal freilassen. 😉

Kieran war begeistert. Seine Mutter hatte dem kleinen Jungen am Morgen versprochen, dass er abends in die Badewanne durfte.

Er liebte die Wannenbäder. Denn da war sein Geheimnis:

Die Seifenblasenhaie.

Jedesmal, wenn er in die Wanne stieg und seine Mutter ihn alleine ließ, denn er war ja jetzt schon ein großer Junge, dann spielte er ausgelassen mit den Seifenblasenhaien, bis das ganze Badezimmer nur so schwamm.

Die kannten alle sooo tolle Spiele. „Such den Hai“ hieß, dass man in den ganzen bunten Blubberblasen alle Haie finden musste.

Manchmal tauchten die Haie bis auf den Wannenboden und versteckten sich dort zwischen der Seife und dem Badethermometer. Da waren sie verflixt schwer zu finden und sie kicherten immer sehr laut, wenn Kieran sie nicht finden konnte, egal wie sehr er suchte.

Kieran kicherte vor lauter Freude auf sein Wannenbad. Seine Mutter, die wusste, wie gerne er badete, lächelte ihm liebevoll zu.

Und dann war es soweit. Das Wasser war eingelassen und er konnte die Seifenblasenhaie schon sehen, wie sie auf ihn warteten, die Seifenblasengesichter zu einem fröhlichen Lachen verzogen.

Sie freuten sich auf Kieran genauso wie er sich auf sie.

Als er in der Wanne war, räumte seine Mutter vorsorglich die Badezimmerteppiche weg und meinte nur lächelnd: „Versuch diesmal, nicht das Wasser bis an die Decke zu spritzen“.

Kierans große blaue Augen strahlten seine Mutter an. Vor Vergnügen kniff er sie zu kleinen Schlitzen zusammen und vor lauter Vorfreude kicherte er übermütig.

Seufzend schüttelte die Mutter den Kopf und ließ Kieran alleine. Mit seinen Freunden.

Den Seifenblasenhaien.

Kieran guckte sie erwartungsvoll an. „Und was spielen wir heute?“ Die Haie stupsten sich gegenseitig an, der kleinste von ihnen, keck und frech, faßte sich ein Herz und fragte schüchtern: „Ozean?“

Kieran quietschte glücklich. Das war sein Lieblingsspiel. Ozean hieß, dass er auf einem kleinen Floß in den Wellen trieb und die Haie versuchten, ihn zu „fressen“ – was ihn immer so an den Füßen kitzelte.

Die Haie guckten Kieran an. „Willst du mit in den richtigen Ozean?“ Kieran guckte die Seifenblasenhaie verdutzt an. Das war neu. „Könnt ihr das denn?“ Die Haie nickten mit ihrem Seifenblasengrinsen. „Aber natürlich.“

„Aber ich muss doch gleich ins Bett?“ Die Haie lächelten verschlagen. „Deine Mutter wird nichts merken. Versprochen.“ Kieran überlegte kurz, doch dann gewann die Neugier.
„JAAAAAAAAAAAAAA“ lachte er begeistert und die Haie lachten mit ihm. Sie streckten ihre Seifenblasenflossen aus und Kieran ergriff sie vorsichtig. Er wusste aus Erfahrung, dass die Seifenblasen leicht zerplatzen konnten.

Doch diesmal ergriff er richtige Flossen und keine Seifenblasen. Und um sich herum erblickte er seine Freunde, die Seifenblasenhaie, diesmal doch als richtige Haie.

Kieran bekam Angst, als er auf einmal die großen Zähne so dicht an sich sah, auf einmal wirkten seine Freunde so bedrohlich. Doch als er in die Augen seiner Freunde sah, wußte er, dass es immer noch seine Freunde waren, auch wenn sie jetzt anders aussahen.

Liebevoll umringten sie ihn und stupsten ihn. Er kletterte auf die Rückenflosse eines der Seifenblasenhaie und sah sich um. Das Wasser war grün und geheimnisvoll. Unter ihm war eine bodenlose Leere, dort guckte er lieber nicht hin.

Die Haie tauchten mit ihm zu einem Riff, Kieran lachte und kicherte, als er die vielen bunten Farben sah.

Sooo schön.

Dann tauchten die Haie mit ihm wieder auf und auf ging der  wilde Ritt durch die Wellen. Haie können nicht springen wie Delphine, aber sie sind sehr schnell, wenn sie das wollen.

Stundenlang ritten sie in den Wellen, erklommen ihre Kämme und rauschten mit atemberaubender Geschwindigkeit wieder hinab ins Wellental.

Kieran war hingerissen, dass war das schönste Bad was er je hatte. Einer der Haie stupste ihn an.
„Wir müssen zurück.“

Kieran war enttäuscht, doch er wusste, dass seine Mutter ihn vermissen würde. Er hätte für immer hierbleiben können, so glücklich war er hier im Meer.

Als er wieder in seiner warmen Wanne saß, merkte er erst, dass das Meerwasser doch sehr kalt gewesen war. Er fror ein wenig. Er sah sich um, die Augen kugelrund. Das Badezimmer sah aus, als hätte jemand einen großen Wasserschlauch reingehalten.

„Ui. Mama wird böse sein“. Kieran duckte sich. Aber die Spiele mit seinen Seifenblasenhaien machten ihm so viel Spaß, Mama würde es bestimmt verstehen?

Kieran guckte die Haie an. „Ich darf bestimmt erst wieder übermorgen baden. Ich werde euch vermissten.“ Die Haie drucksten herum.

Der Kleinste guckte etwas traurig. Kieran war verwirrt. „Was ist denn los?“

Der Größte holte tief Luft. „Kieran, wir werden nicht wiederkommen.“ Kieran war erschrocken. „Ich war ganz brav. Ich hab euch nich wehgetan, oder?“ Die Haie schüttelten entschlossen den Kopf. „Nein, mein Kleiner, das hast du nicht. Du bist ein großartiges Kind. Aber du bist jetzt auch ein großes Kind. Und große Kinder spielen nicht mehr mit Seifenblasenhaien. Das tun nur kleine Kinder. Und du kannst nicht immer ein kleines Kind bleiben.“

Kieran sah die Haie aus großen Augen an, Tränen schwammen in ihnen. „Ich hab euch lieb. Ich will nicht, dass ihr geht.“
Der größte Hai stupste Kieran ein letztes Mal an. „Sieh in dich hinein. Der Platz in deinem Herzen wo die Sonne schläft. Siehst du ihn?“ Kieran konzentrierte sich ganz feste.

„Ja, das ist der Platz wo auch das Glück wohnt.“

Der Hai nickte und lächelte Kieran liebevoll an. „Ja, mein Kleiner. Das ist der Platz wo dein Glück wohnt. Und dort werden auch wir sein. Wir verlassen dich nicht, wir können uns nur nicht mehr sehen. Aber wenn du dich ganz doll konzentrierst, dann kannst du uns hören.“

Aus den großen blauen Kinderaugen kullerte eine dicke Träne. „Müsst ihr das wirklich tun? Könnt ihr nicht noch ein bisschen bleiben?“

Die Haie schüttelten traurig ihre Köpfe. „Wir haben dich lieb, Kieran. Und darum werden wir immer bei dir sein. Aber alles hat sein Ende. Und auch deine Kinderzeit wird irgendwann enden. Doch solange du dich an die Seifenblasenhaie erinnerst, werden wir bei dir sein.“

Kieran hob die Hand und zögerte kurz. „Darf ich euch zum Abschied streicheln?“ Der kleinste Hai piepste: „Jaaaa…“ und kuschelte sich in Kierans Hand.

Die Seifenblasen zerplatzten einer nach dem anderen, doch Kieran fühlte wie der kleine Hai langsam in sein Herzchen wanderte. Dahin wo die Sonne wohnt.

Einer nach dem anderen nahmen sie Platz in seinem Herzen.

Und solange Kieran lebte würde er seine Seifenblasenhaie nicht vergessen.

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Veröffentlicht am 28. November 2012, in Tantchens Kreativanfälle. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Danke, aber kenne ich schon 😛

  2. ich kannte es noch nicht, würde es aber gern meiner kleinen Enkelin (6) erzählen

    Danke!
    Grüße
    Hajo

  3. Eine wunderschöne Geschichte.

  4. Auch beim zweiten Mal immer noch herzergreifend! 🙂

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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