Opferhaltung


Sag noch einer, das Leben hat keinen Humor. *g*

Es ist immer wieder mal die Rede davon, dass man mit den Betroffenen von Missbrauch nicht zusammenarbeiten kann – und das ist auch partiell richtig.

Es gibt welche, die haben verstanden, dass „Zusammenarbeit“ nicht bedeutet, dass man sich gegenseitig einen Wettbewerb darüber liefert, wer mehr Messer im Rücken hat. Und dann gibts die, die ihre Probleme unter anderem damit kompsensieren wollen, dass sie Aufmerksamkeit brauchen wie Kleinkinder.

„Ich bin missbraucht worden, also darf ich mir alles erlauben“ ist leider weiter verbreitet als man denkt.  Mit DER Klientel zusammenzuarbeiten ist ein veritabler Schmerz im Hintern.

Nachdem wir das etabliert haben, geh ich mal ein paar Knöpfe drücken.

Es war ja Parteitag der Grünen. Parteitage sind ein satzungsrechtliches Instrument der Parteiorganisation. Sie legen die Strukturen und Inhalte der nächsten Wahlperiode fest – manchmal auch länger.

Demzufolge hat man auf solchen Versammlungen immer recht viel auf der Agenda. Die ist ziemlich dicht gepackt.

Tjo. Und dann kam Norbert Denef.

Er war nicht als Redner angemeldet. Und was er in dem Artikel darstellt (ich gehe mal im Sinne des Urheberrechts davon aus, das er sich nicht so exponiert darstellt und ganze Zeitungsartikel kopiert, das kann verdammt teuer werden), liest sich wie das Wutgebrüll eines Dreijährigen, dem der Schnuller geklaut wurde.

Ein Parteitag ist eine Art Parteiinterna. Und die Forderung, dass nur Grüne Mitglieder Rederecht haben, ist nachvollziehbar und absolut berechtigt.

Hinzu kommt offenbar, dass die Rede von Norbert Denef vorher nicht angekündigt wurde.

Und an dieser Stelle fallen mir mehrere Sachen auf:

1. Fremdschämen ist noch untertrieben für das, was Herr Denef dort abläßt. Es ist richtig, dass Druck ausgeübt werden muss. Der Runde Tisch hat versagt, bzw. er hat genau das getan, was er sollte, nämlich das Thema Sexuellen Missbrauch hübsch wieder unter den Teppich gekehrt. Wir brauchen also Betroffene, die sich hinstellen und Krawall schlagen. Und dafür ist Norbert Denef auch grundsätzlich der richtige. Denn Krach schlagen kann er.

Solange er sich die richtigen Orte dafür aussucht (das war ne Ablehnung mit Ansage, wenn er nur 5 sek. nachgedacht und sich selbst und seine Bedeutung nicht mal wieder völlig überschätzt hätte, wäre ihm das klargewesen) und vor allem solange er das Gespür nicht dafür verliert, wann er sich unmöglich benimmt und wann die anderen.

Hier war er es.

2. Der Antrag wäre wahrscheinlich angenommen worden, wenn Herr Denef nicht alle anwesenden Parteimitglieder durch seine eklatante Missachtung der Saalordnung komplett vor den Kopf gestoßen hätte. Damit hat er sich schlimmer ein Loch ins Knie gebohrt als es jeder andere hätte tun können. Und er hat den Betroffenen einen Bärendienst erwiesen, die Verlängerung der Verjährungsfristen ist nämlich dringend notwendig.

3. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Betroffenenvertreter sich mal an die eigenen Nase packen und sich mal wieder ins Bewußtsein rufen, dass „Vertretung“ nicht von „Versicherungsvertreter“ kommt.

Nicht immer ist Kritik, die an Betroffenenverbänden geübt wird oder auch an Betroffenen selbst, eine Kritik, die von Tätern ausgeübt wird. Hört endlich auf, jede Handlung unter dem Mikroskop von „der will bestimmt kleine Kinder…“ zu betrachten. Manchmal seid ihr auch nur ganz simple Nervensägen, die sich aufgrund ihrer Betroffenheit Sonderrechte herausnehmen und dann stinkig werden, wenn sie die nicht bekommen.

Aber solange die Reaktion auf Kritik eine pauschale Verunglimpfung der Kritiker darstellt, solange können die Betroffenen, die keine Stimme haben, weil sie zu krank und zu schwer verwundet sind, um sich zu äußern und kaum die Kraft zum Leben aufbringen, geschweige denn die Kraft zu kämpfen – solange sind diese Betroffenen von ihren eigenen Verbänden verraten und verkauft.

Fragt euch doch mal, wer dafür gestimmt hat, dass die Hilfen für Betroffene auf 5000 10000 Euro gedeckelt werden und dass das auch die Therapiekosten betrifft? Guckt euch doch mal die Leute an, die das verbrochen haben.

Das waren NICHT die Täterorganisationen, liebe Kinder.

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Veröffentlicht am 19. November 2012, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. ein anderer Stefan

    Ich finde es bedauerlich, dass in den Kommentaren zu dem verlinkten Artikel gleich die Nazikeule geschwungen wird. Damit tut man der Sache auch keinen Gefallen.

    • Jupp, oder den Grünen pauschal die Übernahme durch Pädos unterstellt wird.

      Die Ablehnung geht imho wirklich allein auf das Konto von Norbert Denef, da haben die „Pädos“ nix mit zu tun.

      Cohn-Bendit ist übrigens inzwischen, falls das noch keiner mitbekommen hat, ziemlich isoliert. Der sitzt zwar noch in Brüssel – aber der Ruf ist kaputt. Der kann bislang auch heilfroh sein, dass ihn noch keiner angezeigt hat.

      Und *vielleicht* machen sich auch die Betroffenen dort mal klar, dass die meisten Täter NICHT pädophil sind. Sondern schlichtweg kleine Würstchen, die ihr persönliches Machtdefizit durch den Missbrauch ausgleichen.

      • Tantchen, hast Du da bei den „Würstchen“ sein und haben vertauscht?

        Aber im Ernst: dieses plakative (und damit auch nur zweidimensionale) Verwenden von derartigen Schlagworten (Keulen) finde ich so etwas von zum Kotzen, so viel möchte ich nicht einmal essen können.

        Danach kommt gleich das „.. ja, aber die Anderen haben/sind doch auch …“

        Kann denn heute niemand mehr Ursache von Wirkung unterscheiden und eigene Beurteilungen formulieren?
        (außer mir und – möglicherweise auch Dir – natürlich 😉 )

  2. Tantchen, irgendwie verstehe ich deinen Blogeintrag nicht so recht. Es ließt sich so als wäre Herr Denef dort unangekündigt aufgetaucht und hätte Radau gemacht.

    Im verlinkten Artikel laß es sich schon etwas anders, nämlich eher nach bürokratischen Problemen. Zitat: „Es habe sich lediglich um einen “Formfehler” der Antragsteller gehandelt, dass er nicht offiziell als Gastredner angemeldet war“. Das hat mich dann schon stutzig gemacht.

    Danach hab ich dann mal die Kommentare durchforstet und fand einen Link zu einem Youtube-Video

    Link 1 ist die besagte Szene in der Herr Denef sprechen möchte und mehr oder weniger zu Recht abgewiesen wird.
    Link 2 ist dann die Rede von Herrn Schmagold bzgl. der Verlängerung der Verjährungsfristen (das was eig. Thema war und wozu Herr Denef sich ebenfalls äußern wollte)

    Tja, was soll ich sagen, ich sehe kein „Wutgebrüll eines Dreijährigen, dem der Schnuller geklaut wurde“. Um es kurz zu fassen: Herr Schmagold hat im Vorfeld Herrn Denef gebeten an seiner Stelle den Vortrag bezüglich der Verlängerung der Verjährungfristen zu halten. Anscheinend hat Herr Schmagold aber keinen bzw. einen unzureichenden Antrag (das geht nicht aus den Videos hervor, wahrscheinlich aber keinen) gestellt, dass Herr Denef als Gastredner sprechen darf.
    Die Verwunderung seitens Herrn Denefs kann ich gut nachvollziehen, schließlich wurde er gefragt ob er dort sprechen möchte, also wurde er eingeladen.

    Am schlimmsten finde ich aber mal wieder die einseitige Berichtserstattung. Für viele ist es ein Eklat – „Missbrauchsopfer von Bühne geworfen“ – was lächerlich ist, da schließlich nicht jeder unangemeldet auf so einem Parteitag reden darf/kann. Und auf der anderen Seite wird Herr Denef in den Dreck gezogen, obwohl der noch weniger dafür kann.

    Fazit: Meiner bescheidenen Meinung nach hat Herr Schmagold totalen Mist gebaut, ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass er nicht weiß, dass man Gastredner voher anmelden muss. Andererseits hätten die Verantwortlichen auf diesem Parteitag ein Auge zu drücken und Herrn Denef einfach reden lassen können. Diese ganze Diskussion, ob er denn nun reden darf oder nicht, geht dort über 5 Minuten, dabei hätte die Rede nur 3 Minuten gedauert. Lächerlich.

    • Hm, ich hatte eig nicht vor, dass das Video so eingebettet wird. Falls du das noch ändern kannst Tantchen, wäre ich dankbar. ^^

      • Das ist doch eingebettet? *doofguck* Zumindest bei mir und der Link ist noch einmal druntergeklebt.

        Ah habs. Jo, änder ich.

        Dass Herr Schmagold massiven Bullshit gebaut hat und es hätte besser wissen müssen: Jop. Sagte ich ja auch. Und er wusste auch, dass er Mist gebaut hat – die Nervosität mit der er spricht, spricht Bände. Übrigens ist das Video auch in dem von mir verlinkten Artikel vorhanden.

        Trotzdem ändert es nix dran, dass die Grünen so gehandelt haben, wie sie es mit jedem anderen unberechtigten Redner auch gemacht hätten.

        Sie es mal so rum: Wenn die das nicht durchgezogen hätten, wäre es beim nächsten mal erheblich schwieriger gewesen, Redner, die nicht auf der Agenda stehen, von der Bühne zu kriegen. Läßt du einen durch, läßt du alle durch, und am Ende kriegste nix mehr geregelt, weil irgendwie eine Million Leute am Mikro stehen.

        Weltuntergang? Nö, aber gelebte Parteitagspraxis, wie ich mir hab sagen lassen. Denn das ist öfter als man meint, dass „Überraschungsredner“ aufschlagen und was loswerden möchten.

        Und es ändert nix an meinen Aussagen.

        • Irgendwie fehlt jetzt der eigentliche Link ^^
          Hier noch mal:

          Der 2. Link war nur als Ergänzung. Denn hier sieht bzw. hört man auch die Worte Denefs: “Ich bin als Gast hier, fühle mich aber überhaupt nicht als solcher”. Im Video sieht man auch in welchem Zusammenhang sie fallen und da sind sie völlig nachvolluiehbar. Währrend im verlinkten Artikel steht:

          „Der aus zahlreichen Talkshows bekannte Denef […] rannte jedoch noch abends wutentbrannt durch die Halle. “Ich bin als Gast hier, fühle mich aber überhaupt nicht als solcher”, schimpfte er.“

          Und diesen Punkt finde ich unverschämt, weder hat Denef (meiner Meinung nach) geschimpft, noch rannte er wutentbrannt duch die Halle. Vor allem die schreibweise „rannte jedoch noch abends“ ist totall widerlich, soll sie doch den Eindruck erwecken Denef wäre selbst stunden später (am Abend) noch dort gewesen und hätte getobt. Dabei ist es zum Zeitpunkt des Autritts schon (Zitat aus dem Video) „später Abend“.

  3. Ehrlich gesagt entzieht sich auch mir der Sinn in ihrem Artikel bzw. ich habe ein Unterscheidungs- einordnungsproblem: Was genau wollen sie mit dem Artikel ausdrücken?
    (Sorry- ja solche Kommentare sind immer blöde, weil man nie lange genug im Schwung ist und jaaattata jaaaattata… aber, naja- ich denke viele werden hier lesen ??? denken und wieder gehen ohne zu fragen…)

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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