Halbe Investigationsarbeit


Es ist ein Kreuz mit dem Journalismus. Manche sehen die Radauleuchten nicht, wenn sie ihnen die Augen verblitzen. Heute: Die Welt. Jaja, ich weiß, Springerpresse. Ist momentan aber eher wurst.

Da gibt es also einen Mann, der einem Freund K.-O.-Tropfen untergemischt hat und ihn danach vergewaltigte. Es gibt Spermaspuren und der junge Mann war bei Einlieferung ins Krankenhaus bewußtlos.

Das Problem mit diesen Tropfen: Es gibt Täter und es gibt Opfer, aber nach 8 Stunden hat der Körper die Substanz absorbiert, sie ist nicht mehr nachweisbar, es steht Aussage gegen Aussage, in dubio pro reo und die Täter kommen im Regelfall davon.

Und machen weiter.

Alleine in Bremen gibt nach diesem Artikel 15 Fälle von mutmaßlicher Vergewaltigung unter dem Einfluß von K.-O.-Tropfen, nur in 3 Fällen wurde die Substanz nachgewiesen.

Und hier endet die Information und beginnt die Suggestion. Was ist mit den anderen 12 Fällen? Sind das alles Vergewaltigungen gewesen? Man könnte ja hier ein mal genauer nachforschen, das scheint ein lohnendes Feld zu sein. Denn die Vergewaltigung unter dem Einfluß dieser Tropfen ist nach einer gewissen Zeit nicht mehr nachweisbar.

Aber dieser Fall ist etwas besonderes, in zweierlei Hinsicht.

Zum Einen: Es ist eine „schwule“  Vergewaltigung. Die Welt erwähnt an dieser Stelle nur, dass es die erste ist, die bekannt wurde. Aber ist es auch die erste die überhaupt stattfand? Wohl kaum. Es gibt schwule wie heterosexuelle Täter. Doch schwule Täter haben einen Zusatzschutz: Männer, die zugeben, vergewaltigt worden zu sein, brauchen um LÄNGEN mehr Mut als jede Frau. Wo eine Frau ein umfangreiches Netzwerk hat, das theoretisch auch für Männer gilt, sieht es in der Praxis eher so aus, dass ein Mann, der dort angibt, vergewaltigt worden zu sein, erstmal nicht ernst genommen wird.

Ein Hoch auf den Feminismus.

Zum Anderen und das ist sehr viel gravierender:

Dieser Mann, der offensichtlich nicht davor zurückschreckt, andere mit Gewalt zum Sex zu zwingen, betreibt ein privates Feriennetzwerk für Jugendreisen.

Und die Art und Weise, wie das jetzt in den Kontext gesetzt wird, ist so subtil, dass selbst ich zuerst drauf reingefallen bin:

Schwule sind KEINE Pädophilen. Das mutmaßliche Opfer des Mannes war 20 Jahre alt, volljährig, erwachsen. Es deutet derzeit nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass Frank S. in irgendeiner Form Kinder missbraucht hat oder auch nur die Intention dazu hatte.

Er war auffällig, als er noch bei den Falken arbeitete, ja. Weil er sich mehr um seine private Firma kümmerte als um seinen Job bei den Falken, für den er bezahlt wurde.

Das ist ein Interessenkonflikt aber keine pädophile Neigung.

Ein Vergewaltiger gehört in den Knast. Ohne Wenn und Aber. Aber aus den richtigen Gründen: Der Vergewaltigung eines Erwachsenen.

Der permanente Versuch, Pädos und Schwule über einen Kamm zu scheren, frei nach dem Motto: Wer Männer bumst, bumst auch kleine Kinder, ist untauglich.

Aber verdammt nochmal, war das gut gemacht. Ich bin wirklich zuerst drauf reingefallen. Erst als ich den Blogeintrag hier schrieb, bin ich mit der Nase drauf gestoßen.

Aber wenn noch einer wissen will, warum ich die Amoralität der Springerjournaille so verabscheue: Die sind gut, die haben talentierte Reporter, die aber völlig frei von moralischen Grundwerten und völlig frei von menschlichen Erwägungen handeln. Wichtig ist einzig und alleine die Skandalisierung und dafür wird  notfalls die Großmutter verkauft.

Solche Menschen will ich nicht kennen, sie sind ekelerregend.

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Veröffentlicht am 12. November 2012, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Gerade die Springerpresse zeichnet sich weder durch gute journalistische Arbeit, noch durch Kenntnis von psychologischen und rechtlichen Fragestellungen aus…

    Dennoch kann ich dir nicht ganz zustimmen. Sexualisierte Gewalt ist nicht unbedingt auf ein Geschlecht beschränkt, wobei man differenzieren muss. Die meisten Vergewaltigungen sind Beziehungstaten, die von Männern ausgeübt werden, die die Frau, die sie vergewaltigen, vorher kannten. Viele passieren im Freundeskreis oder in der Partnerschaft, was leider dazu führt, dass sich diese Art Vergewaltiger erfolgreich einreden können, dass „sie es ja gewollt“ hat.
    Was die Vergewaltiger angeht, die sich gezielt auf die Suche nach Opfern machen, so ist das noch mal ne ganz andere Baustelle. Würde die normale sexuelle Präferenz bei Vergewaltigungen eine Rolle spielen, so wären in der Tat häufiger hübsche oder sehr aufgestylte Frauen betroffen als andere, da diese auf heterosexuelle Männer anziehender wirken. Dies gilt inzwischen zweifelsfrei als widerlegt. Es gibt Serienvergewaltiger, deren Palette von 10jährigen Mädchen bis zu Omas über 80 reicht. Attraktivität ist für diese Täter überhaupt kein Auswahlkriterium.
    Und das Geschlecht? Auch nicht unbedingt. Es mag aber viele Täter geben, für die die Vergewaltigung eines Mannes gegen ihre eigenen Männlichkeitsvorstellungen geht. Da sie ja ohnehin schon große psychische Probleme haben, wollen sie sich das vielleicht nicht auch noch zusätzlich aufladen.

    Dazu kommen noch zwei Dinge:
    1. sind anale Vergewaltigungen (bei Frauen) ausgesprochen selten. Das ist leicht erklärbar. Anale Penetration ist, vor allem, wenn der oder die Penetrierte nicht „geübt“ ist, ohne Gleitmittel kaum möglich. Der Schließmuskel ist zudem wesentlich stärker als die Beckenbodenmuskulatur. Wer eine Person gewaltsam anal penetrieren will, riskiert damit, sich selbst zu verletzen, so doof es klingt.
    2. sind Frauen halt immer noch die leichteren Opfer, weil sie üblicherweise kleiner und schwächer sind. Und da Vergewaltiger dieses Typus ein feiges Pack sind, machen sie sich halt über die Opfer her, bei denen sie sich eine Chance ausrechnen.

    Damit will ich sagen: Für gewisse Subjekte, die sexuell so gestört sind, dass es bei ihnen nur unter Ausübung von Macht und Demütigung funktioniert, ist das Objekt ihrer Gewalt nebensächlich (sofern sie nicht von einem gezielten Hass gegen gewisse Bevölkerungsgruppen getrieben sind), aber da es einfacher ist, Frauen zu vergewaltigen, werden diese von Vergewaltigern dieser Art auch öfter ausgesucht.

    Ich glaube also, dass bei diesen Vergewaltigern die normalen Kategorien „homosexuell/heterosexuell“ nicht greifen. Gefängnisse sind dafür auch ein guter Beleg: Eigentlich heterosexuelle Gewalttäter haben überhaupt keine Probleme damit, ihre männlichen Mitgefangenen zu vergewaltigen. Schwul macht sie das aber noch lange nicht.

    Damit besteht durchaus ein Risiko, dass Vergewaltiger sich auch an Kindern vergehen. Die sind dann von „normalen“ Pädophilen abzugrenzen, die tatsächlich eine sexuelle Anziehung gegenüber den Kindern, die sie missbrauchen, verspüren (da es aber zumindest bei uns keine Möglichkeit gibt, diese Störung auf legale Weise auszuüben – ich glaube, ein „Gott sei Dank“ kann ich mir hier sparen, das ist offensichtlich -, sind Pädophile, die bis zur Penetration gehen, IMMER auch Vergewaltiger. Einvernehmlicher Sex hätten vermutlich die meisten lieber, das ist aber schlicht und ergreifend nicht möglich).

    Just my 2 cents.

    Was mich ärgert, ist der Seitenhieb gegen den Feminismus. Ich glaube nicht, dass der moderne Feminismus Anteil daran hat, dass männlichen Opfern weniger geglaubt wird, im Gegenteil. Ich erinnere mich an das Statement einiger Maskulisten zu einem Vorfall, der bei der Mädchenmannschaft besprochen worden ist. Da ging es um einen Typen, der davon wach geworden ist, dass zwei Frauen (!) ihn begrabschten. Einhellige Meinung der Feministinnen: Der Mann wurde Opfer sexueller Nötigung. Meinung der Maskulisten: Männer würde es ja niemals stören, auf diese Weise geweckt zu werden, „es sei denn, die Frauen waren hässlich, haha“. Es waren dann die anwesenden Frauen (darunter ich), die darauf harrten, dass Männer eben nicht so triebgesteuert sind, dass ein sexueller Übergriff gegen sie unmöglich ein Verbrechen sein kann.
    Leider kann ich dir dazu keinen Beleg liefern (dazu müsste ich den entsprechenden Blog von vorne bis hinten durchforsten), aber vielleicht glaubst du es mir einfach. Der Feminismus ist nicht an allem Schuld, was Männern Böses widerfährt.

    • interessant wie Du hier aus einer einzigen Beobachtung (das „es sei denn, die Frauen wären hässlich“) gleich auf Allgemeingültigkeit („Feminismus sorgt dafür, dass vergewaltigten Männern mehr geglaubt wird, die Maskulinisten sorgen für deas Gegenteil“) schließt.

      Wenn Du das anhand anderer Beispiele (gerne nicht nur beobachteter sondern auch schriftlicher Art untermauern könntest wäre es schön, solange bleibt das aber erstmal eine Einzelbeobachtung

      • Es mag eine Einzelbeobachtung sein, doch sie war Antwort auf eine schlichte Behauptung (sorry, Jay). Daher ist es eigentlich bemerkenswert, dass du den Gültigkeitsanspruch meines Statements anzweifelst, das ursprüngliche aber nicht.

        • und der nächste Logische Fehler „wer A kritisiert muss auch B kritisieren“

          Außerdem kann man (theoretisch) das „Ein Hoch auf den Feminismus“ auch so lesen, dass der Feminismus wenigstens für das leichtere Glauben an Frauen-Vergewaltigungen gesorgt hat.

          Dazuhin kenne ich einige FeministInnen – Maskulinisten sind mir bisher nicht begegnet. Da gab es nicht wenige FeministInnen (nicht alle!), die davon überzeugt waren, wahrer Feminismus gründe auf der Unterdrückung der Männer (zumal das Matriarchat viel toleranter und weniger gewalttätig als das Patriarchat sei). Auch nur eine Beobachtung, aber für mich kein Einzelfall Möglicherweise habe ich aber auch nur einen nicht repräsentativen Querschnitt erwischt…
          Aber wenigstens kann ich textalische Indizien anführen: such mal nach „SCUM Manifesto“ von Valerie Solanas mit wenigstens zehn Neuauflagen und zahlreichen Übersetzungen. Das Manifest kommt zum Schluss: Männer gehören ausgerottet. Gibt es auf „Maskulinisten-Seite“ vergleichbares? (Ehrlich gemeinte Frage)

  2. Zwar bin ich der Ansicht, dass http://www.wattpad.com/5372856-der-hundek%C3%B6nig lesenswerter ist, aber ich hätte beim Link mit dem Titel „Die Welt“ gerne den Artikel, zu dem der Link vermutlich hätte verweisen sollen. 😉

    @Robin Urban:
    „Meinung der Maskulisten: Männer würde es ja niemals stören, auf diese Weise geweckt zu werden, “es sei denn, die Frauen waren hässlich, haha”.“
    Gerade das „haha“ lässt mich da recht stutzig werden. Ich glaube eher, das war ein Fall von falschem, männlichem Stolz. Ich würde eher sagen, die Männer wollten in dem Fall nicht, dass ihr Geschlecht als das Schwächere, als das sexuell Verletzbare dargestellt wird. Wäre ich ganz wagemutig veranlagt, würde ich gar behaupten wollen, dass die Tatsache, dass fast nur männliche Vergewaltiger Erwähnung finden, die Machtlust des männlichen Geschlechts anstachelt, sei es noch so unterbewusst.

    Aus dieser Sicht gesehen sollte der Seitenhieb gegen die Feministen generalisiert werden, nämlich auf einen Seitenhieb gegen die Sexisten. Da wären die Feministen genauso schuldig wie die Maskulisten.

    (Ich nutze die maskuline Form für Feministen, weil ich politische Korrektheit für eine Krankheit halte und „Feministen“ sich deutlich leichter schreiben und lesen lässt als „Feministinnen“ oder, besser noch, „Feministinnen und Feministen“.)

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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