US-Wahl


Obama hat gewonnen. In dem Fall meiner Meinung nach wirklich: Gott sei Dank. Das Gespann Romney/Ryan wäre eine weltpolitische Katastrophe geworden. Buchstäblich. Die zwei hätten echt das Potenzial gehabt, die Welt in Flammen zu setzen.

Paul Ryan ist der eloquente Hardliner, der noch um einiges schlimmer ist als Romney je sein könnte. Denn Romney ist nur schusselig, unbeholfen und doof – und in seinen Überzeugungen festgefahren. Ryan ist skrupelloser und deutlich härter.

Das der nicht ins Weiße Haus eingezogen ist: Ein Segen. Es reicht schon, dass der für den Senat gewählt wurde.
Ansonsten gibts auf den Medienkanälen grad lustiges Obama-Gebashe oder Obama-Heiligsprechungen. Leute, gehts nicht ne Nummer kleiner?

Obama ist kein Heiliger. Er hat Wahlversprechen gebrochen. Das haben so ziemlich alle anderen Politiker auch gemacht. Mehrfach. Als nämlich ihre Ziele mit den Realitäten der Politik kollidierten. Und zwar heftig.

Guantanamo ist nicht zu? Das Heimatschutzministerium bekommt noch mehr Macht?

Erklärt mir mal mit einfachen Worten, wie *ein* Mann DAS ändern soll, auch wenn er der Präsident der USA ist? Der kann auch nicht einfach hingehen und sagen „das machen wir jetzt zu“.

Es sind die Grauen Eminenzen hinter den Linien, die das Korsett bestimmen, wonach sich auch der Präsident zu richten hat. Guantanamo ist von vielen in den USA gewollt, vergesst das bitte nicht. Die Leute glauben tatsächlich, dass die Leute, die dort eingesperrt sind, gefährlich sind.

Und sie haben nach den Jahren der unberechtigten Gefangenschaft wahrscheinlich sogar recht damit. Denn *jetzt* sind die gefährlich.

Obama hat eine Krankenversicherung für alle eingeführt. Was für uns normal ist, ist es dort drüben nicht annähernd. Es gibt viele Leute, für die „Obamacare“ ein Segen ist. Die endlich behandelt werden können. Es ist nachgerade abstrus, dass es dort Leute gibt, die hochverschuldet sind, weil sie die Behandlungskosten selbst tragen müssen.

Doch die Probleme in der Krankenversorgung – die explodierenden Kosten – die hat auch ein Obama nicht angehen können. Denn das ist tatsächlich offenbar Aufgabe der einzelnen Bundesstaaten.

Macht auch bitte nicht den Fehler und vergleicht Deutschland mit den USA – das passt hinten und vorne nicht. Die einzelnen Bundesstaaten haben weitgehende Autonomie, der Präsident hat nur sehr eng umrissene Befugnisse und Möglichkeiten. Die Gouverneure sind in ihren Staaten sehr viel mächtiger als es der Präsident ist.

Ein Beispiel sind z.b. die Todesstrafen. Wenn man Petitionen an den US-Präsidenten einreicht, laufen die in die falsche Richtung. Nur der Gouverneur des Staates kann begnadigen. Den interessiert die Meinung des Präsidenten mal genau gar nicht. Folgerichtig würde der Präsident dem Gouverneur auch nicht reinreden, um eine Begnadigung zu erreichen.

Die USA kann man eher mit der EU vergleichen denn mit Deutschland. Und Obama eher mit Manuel Barroso. Im Grunde genommen ist die EU eine Art USA im Frühstadium. Wenn die Entwicklung so weitergeht wird sie irgendwann so sein wie in den USA. Die Kompetenzabgabe inklusive. Es wird dann z.b. einen gemeinsamen Außenminister geben, die einzelnen Staaten der EU werden keinen Außenminister mehr haben.

An Griechenland sieht man übrigens recht gut, wie weit dies schon gediehen ist. De facto hat dort die Regierung im eigenen Land keine Macht mehr. Wenn die EU sagt „spring“ fragt die Regierung nur noch „wie hoch?“. Oh, ich schweife ab…

Wie gesagt, Obama ist kein Heiliger. Er ist ein Politiker, er hat Ziele, die er erreichen will und das unterscheidet ihn in der Tat fundamental von Mitt Romney. Denn Obama will tatsächlich das Land noch voranbringen. Mitt Romney nur dafür sorgen, dass sich für die Reichen nix ändert und die Armen die Schnauze halten. Und Paul Ryan (den ich für den nächsten Präsidentschaftskandidaten halte, wenn er keinen Fehler macht und dann gnade uns Gott) wird glücklich dabei helfen, denn Arme Menschen sind für diese zwei Versager, die an ihrem Elend selbst schuld sind.

Romney und Ryan hätten Soziopathie gesellschaftsfähig gemacht. Und bei allem, was man Obama vorwerfen kann: Ein Soziopath ist der nicht.

Sondern ein Mensch.

 

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Veröffentlicht am 7. November 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Mal abwarten. Im Moment sinds ja wohl alles noch Hochrechnungen wenn ich das richtig sehe.

    Ich wünsche auf jeden Fall Obama alles Gute. Auch wenn er seine Wahlversprechen nicht wirklich alle halten konnte so ist er um Welten besser als die Alternative.

    Ich meine so viele Anschläge Obama für unterschrieben hat da wird Romney wohl nen Hochgeschwindigkeitsdrucker anschaffen.

  2. gääähn
    wen interessiert das, was jenseits des großen Teiches WIRKLICH passiert?
    😉

    • Mich zum Beispiel weil ich Freunde im Iran hab. Wäre Mittens Präsi geworden hätte sich die Situation da unten schneller verschärft denke ich. Obama ist da viel gemäßigter und wäre wohl zurück haltender was die Unterstützung eines Israelischen Angriffs angeht. Auf jeden Fall ist seine Rhetorik friedlicher und mehr beschwichtigend.

      Andereseits ha ich auch ein paar in Freunde in den USA denen die Abkehr von Obamacare und einigen anderen Staatlich Projekten zur Verbesserung der allgemeinen Lage hart getroffen hätte.

    • Mich 😉

    • Also mich eingentlich auch …

    • Lochkartenstanzer

      /me2, auch wenn ich mit den perönlichen Bekannten in Übersee kaum noch Kontakt habe.

  3. Obama ist sicherlich die bessere Wahl, als diese ultrakonservative Mafia um Romney.
    Allerdings ist es nicht gerade die Ausgeburt der Demokratie, wenn man eigentlich nur zwischen Regen oder Traufe wählen kann.
    Kein Staat hat politische Reformen nötiger, wie die USA …

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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