Ponader


Eins vorweg: Ich mag den Mann nicht. Der bürstet mich zu sehr gegen den Strich.

Aber das, was jetzt auf ihn niederprasselt ist auch nicht in Ordnung. Fangen wir mal an, das ganze ein wenig zu sezieren.

Bernd Schlömer hat Johannes Ponader aufgefordert doch „endlich“ mal arbeiten zu gehen. Kollege Schlömer hat gut reden, der hat ja schließlich nen sicheren Beamtenjob und kann die Ressourcen dort locker nutzen, um die Piraten zu sabotieren voranzutreiben.

Doch Johannes Ponader HAT einen Fulltimejob. Er ist Geschäftsführer der Piraten, was nu wahrlich kein leichtes Brot ist. Nur: Die Piraten bezahlen ihren Vorstand nicht, dass soll alles „nebenamtlich“ oder „ehrenamtlich“ ablaufen.

Das mag idealistisch sein, allein: So bekommt man keinen Vorstand zusammen, der was taugt. Und die Chaotentruppe da, die da vor sich hin wurschtelt und neue Rekorde im Tackling aufstellt, zeigt das recht eindrucksvoll.

Wenn man möchte, dass eine Arbeit vernünftig erledigt wird, muss man die Leute so entlohnen, dass man davon leben kann. Johannes Ponader kann das nicht. Er hat keinen geregelten Lebensunterhalt – hat der Mann überhaupt irgendeinen Abschluß? Wikipedia liest sich nicht so.

Das heißt, der kann nicht mal eben irgendwo ne Bewerbung hinschicken und dann hoffen, dass er einen Job hat. So läuft das Leben nun mal nicht. Gerade heutzutage nicht. Theaterpädagogen werden nicht unbedingt im Dutzend billiger gebraucht und die arbeiten allenfalls freiberuflich. Das heißt, die haben zwischendurch immer wieder mal Leerläufe, wo die ARGE einspringen muss. Ansparen für diese Zwischenphasen ist auch nicht, weil die meisten nicht gut genug bezahlen.

Als Theaterpädagoge bist du zwar pädagogisch wertvoll (pun intended) aber gehaltstechnisch am unteren Ende der Nahrungskette.

Und dieser Theaterpädagoge muss jetzt erleben, wie die Bundesagentur für Arbeit öffentlich seinen Fall diskutiert. In Verletzung *aller* Datenschutzvorschriften. Und dann muss er erleben, dass das mal keine Sau kümmert, was da passiert.

Er verzichtet also auf ALGII – was prima passen würde, wenn die Piraten endlich den  Arsch in der Hose hätten und zugeben würden, dass man den Vorstandsjob nicht ohne Bezahlung machen kann. Du kannst im Nebenamt nicht ein derart aufreibendes Amt noch neben dem Job wuppen. Es sei denn, man heißt Bernd Schlömer, sitzt gemütlich im sicheren Job.

Johannes Ponader hats nicht wirklich leicht. Aber er *macht* es sich auch nicht leicht.

Die Beschwerden über die Teamfähigkeit bzw. deren Mangel daran glaube ich sofort. Ich durfte mit „Künstlern“ und „Pädagogen“ selbst zusammenarbeiten, leicht ist das nicht. Vor allem dann nicht, wenn diese beiden Etiketten sich in einer Person vereinigen.

Das ist dann so der ultimative Super-GAU. Diese Leute wissen genau, wo der Hase langläuft (selbst wenn sie nur die Hinterläufe sehen), wissen genau, was man machen muss, wie man es machen muss und vor allem können nur sie es machen. Sonst keiner, die anderen sind ja viel zu doof. Danke, kenne ich hinlänglich.

Hinzu kommt, dass bei allem politischen Engagement für jeden irgendwann der Zeitpunkt kommen muss, wo er sich sagt: „Ich will meinen Fleischtopf wenigstens einmal die Woche voll haben“. Und dann die Konsequenzen ziehen. Pädagoge und Künstler der er ist, wird Ponader aber genau das nicht können – zu wichtig ist er in seinen Augen für die Partei.

Dass er sie allein aufgrund seiner Präsenz einer Zerreißprobe unterzieht sieht er definitiv nicht als seine eigene Schuld an – das sind immer die anderen. Ein Sebastian Nerz, Bernd Schlömer, die ARGE…sie alle sind an seinem schlechten Image schuld.

Ich kann gut sagen, wie Ponader auf mich wirkt:

Wie eine verdammt fauler Mensch, der seinen unglaublichen Egotrip („ich bin der parlamentarische Geschäftsführer der Piratenpartei und werde in Talkshows eingeladen“) erfolgreich so verbrämen kann, dass die Leute ihm tatsächlich glauben, es gehe ihm um die Piraten. Nope Kinderchen. Ponader gehts um Ponader und sonst nix. Durch die Talkshows, wo er *nur* eingeladen wird, weil er so ein schönes Beispiel für die durchgeknallten Piraten ist und man ihn so schön vorführen kann (jedesmal wenn ich ihn sehen muss, krieg ich einen heftigen Fremdschäm-Anfall). Und Ponader freut sich über die Kohle, die ihm gezahlt wird.

Der Image-Schaden, den die Piraten dadurch erleiden wird in Kauf genommen – er braucht ja schließlich das Geld.

Leute, bezahlt eure Vorstände endlich anständig, dann kann man sich auch darüber unterhalten, das man da Leute hinbekommt, die zumindest in Ansätzen politisches Fingerspitzengefühl haben.

Aber wer nix zahlt kriegt halt auch nix. Alte Binsenweisheit.

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Veröffentlicht am 27. Oktober 2012, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Die Piratenpartei versteht es famos, sich selbst zu demontieren, dadurch dass sie, nach meinem Eindruck, nur durch Personalien in Erscheinung, statt ihre Inhalte bekannt zu machen; gemeint sind hier Inhalte zur Energie-, Bildungs-, Außen- oder Wirtschaftspolitik, zu militärischen Sacehn, zur Rente, zur Sozialversicherung allgemein und was es da sonst noch so gibt.
    Vom Urheberrecht alleine kann man nicht lange leben ;), zumal wenn sich einige Herrschaften nicht an die Doktrin der Partei halten, wie z.B. Frau Schramm mit ihrem Buch.

    Mich überrascht nur eines, nämlich dass die Piratenpartei immernoch in den Bundestag einziehen würde, ich habe fest damit gerechnet, dass das mit dem „unter-fünf-Prozent“ schneller ginge, aber wir haben ja noch ’n paar Tage bis zur Bundestags- und den Landtagswahlen im nächsten Jahr, vielleicht überholt sie die FDP ja noch…

  2. BTW: Warum zum Henker kommt mir bei der Nennung von Ponaders Namen immer dieser komische CDU-Fuzzi in den Sinn: http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Pofalla ?

  3. Die Piraten stehen wofür?
    Die stehen sich selbst nur im Weg. Grandiose Ansätze die im Klein-klein zerredet werden…hatten wir alles schon einmal. Steinewerfer-Joschka ist erfolgreich oben angekommen, Daniel C.-K. sitzt auch auf einkommensmäßig abgehobenen Posten…usw. usf.
    Nur sehe ich bei den Piraten keinen der an dicken Fleischtöpfe rankommen wird. Immerhin etwas. Vorher grätscht schon ein Parteikollege oder die eigene Doofheit dazwischen.
    Bigotter Haufen.
    Liquid feedback. Wollten sie ja anwenden. Hört man auch nix mehr davon.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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