Institutionalisiert


Immer wieder werden Jugendorganisationen damit konfrontiert, dass in ihren Reihen Missbrauch stattfindet.

Und immer wieder versagen genau diese Organisationen dabei, die ihnen anvertrauten Kinder zu schützen. Stattdessen schützen sie – in dem Versuch, das Image ihrer Organisation zu schützen, die Täter und lassen die Opfer immer und immer wieder im Regen stehen.

Diesmal die Pfadfinder in den USA. Was da an Gruselstories gerade hochkocht, stellt die katholische Kirche ja fast noch in den Schatten.

Was sich ändern muss?

Wir alle müssen das tun. Wenn eine Organisation einen Täter zur Strecke bringt, dann ist das positiv zu sehen, denn dort funktionieren die Schutzmechanismen. Und dann kann man relativ sicher sein, dass den Kindern nichts passieren wird.

Was sonst braucht es noch? Ich gestehe, ich bin da ratlos. Denn die Strukturen, die die Täter schützen, sind Vereinsimmanent. Das heißt, die Vereinshierarchie schützt aktiv die Täter, die sich auf diesen Schutz auch verlassen können.

Und ich wüsste nicht, wie man diesen Teufelskreis unterbrechen kann ohne sofort alle Vereine zu verbieten 😦

Denn die Jugendarbeit die dort von den *engagierten* Kräften geleistet wird, ist absolut notwendig.

Wer Vorschläge hat…immer mal her.

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Veröffentlicht am 21. Oktober 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. Was ich jetzt schreibe, wird sicher einen Sturm der Entrüstung auslösen…

    Nach meiner Meinung sind wir hier mit 2 Probleme konfrontiert:
    1. Übergriffe auf Kinder und wie die Opfer hinterher behandelt werden: definitiv inakzeptabel
    2. Aber auch den (potentiellen) Täter wird, nach mir zugetragenen Berichten, im VORFELD wenig bis keine Hilfe gewährt, wenn sie sich offenbaren.

    Mir liegt konkret der Bericht eines jungen Mannes vor. Er war zu diesem Zeitpunkt aus anderen Gründen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, die auch eine Kinder- und Jugendabteilung betrieb. Er berichtete mir über seinen Schock, als er mitbekam, er hätte jederzeit eines dieser Kinder ansprechen können, weil sich Überschneidungen in der Therapieversorgung zwischen den Kindern und den Erwachsenen ergaben. Er sprach seinen Psychologen auf seine Zwänge an. Die einzige Frage des Psychologen soll gewesen sein: „Sind die Kinder in unserer Klinik durch Sie gefährdet?“ – Was hätte er anderes Antworten sollen als ein schwaches „Nein, ich werde mich zusammen reißen“, um nicht seine andere Therapie zu gefährden?! Er meinte zu mir, es habe Ihn stellenweise seine ganze Kraft gekostet, aber er habe dennoch Angst, eines Tages seinen Phantasien zu erliegen und ein Unglück zu verursachen. Es wurde also eine Chance vertan!

    Nach meiner Meinung müssen wir zweigleisig fahren:
    1. Zunächst stimme ich dir zu: Der Täter darf keinen Schutz erhalten wegen des möglichen „Image-Schade“ für die Organisation. Solche Menschen müssen der Justiz übergeben werden. Und von wegen Straflänge – ich bin sonst nicht für populistische Entscheidungen, aber die Urteile, die ich in diesen Fällen bisher mitbekam, fühlen sich selbst für mich seltsam an. Für einen Mißbrauch 2 Jahre auf Bewährung und ähnliches!? Hallo!?

    2. Durch den oben berichteten Fall aufgeschreckt, suchte ich damals nach Einrichtungen für diese Fälle, in denen sich eine Person derart offenbart. Ich fand nur eine einzige Stelle: Die Charité und das auch nur im Versuchsstadium. Wie kann den Psychologen auf dem Land Hilfe an die Hand gegeben werden, damit eben solche Fälle nicht mal kurz abgekanzelt werden? Wenn dann das Kind in den Brunnen gefallen ist und das Opfer leidet, dann kümmert man sich endlich um den Täter – und dann meist besser als um das Opfer… Wie war das immer? Prävention sei besser als Nachsorge?!

    Es kann nur eines geben: Augen auf machen und nicht die Organisation mit den Menschen gleich setzten. Es ist der Täter schuld – und es machen sich die Vorgesetzten mit schuldig, wenn sie jemanden decken. Aber was nicht sein darf, wird verdrängt…

    • Dustbin, warum befürchtest Du eine entrüstete Reaktion?
      m.E. hast Du in allen Punkten des Pudels Kern getroffen. Es ist leider Tatsache, dass auf ein „Outing“ i.d.R. Hähme, Vorwürfe und ähnliche, absolut nicht zielführende Reaktionen erfolgen
      .. Hilfe, vor Allem Hilfe zur Selbsthilfe (!!!) ist leider selten.
      Und die so genannten Fachleute sind vielfach überfordert.

      • Warum ich eine solche Reaktion befürchte? Weil ich die im Zusammengang mit obiger Geschichte leider erleben mußte. Ich versuchte Hilfe zu organisieren und das ging so was von nach hinten los… Dem armen Schwein wurde in der Gruppe derart Fesseln angelegt, daß es alles andere als Hilfe war.

        Tantchen regt sich immer wieder darüber auf, wie die Opfer instrumentalisiert werden, ohne ihnen wirklich zu helfen. Was ist aber mit den Tätern, die verzweifelt versuchen, *keine* Opfer zu produzieren? Wie kann diesen Menschen geholfen werden, ihre versch(r)obene Sexualität wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, damit eben erst keine Opfer entstehen?! Was ist der Ansatz?

        Der Zeigefinger ist so schnell oben, vor allem bei den ach so moralisch hochgestellten Gruppen, wie den religiösen. Es geht immer nur um Macht, um diese verdammte Macht. Hauptsache *ich* fühle mich dem *anderen* überlegen… … und vergißt dabei, daß man selber Sünder ist und hilfe braucht…

        Wie sagte das mal einer so schön: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen könnte…“

        • Wie passend – und dann stolpere ich auch noch über diese Geschichte: http://goo.gl/5TQLr (Cybermobbing, 15 Jährige, Notitz Heise-News).
          Die Welt ist doch schlicht Krank und wird von Jahr zu Jahr verrückter…

          • Passend dazu gibt es Meldungen, dass die „Enthüller“ dann doch nicht so sicher sind, ihren Peiniger „enttarnt“ zu haben, man habe aber in jedem Falle einen Kinderschänder erwischt.
            Leider schaffen es solche Leute, die „Enttarner“ meine ich, immer wieder, Unschuldige an den Pranger zu stellen und dafür zu sorgen, dass diese ihres Lebens nicht mehr froh werden. Und jeder hat bis zum Beweise seiner Schuld als unschuldig zu gelten. Bei (mutmaßlichen) Kinderschändern oder Stalkern scheint man aber gerne die Beweislast umkehren zu wollen.
            Selbst wenn sich dann am Ende herausstellt, dass er unschuldig ist, wird immer etwas hängen bleiben, nach dem Motto: „Irgendwas wird der schon gemacht haben, sonst wären die ja nicht auf den gekommen!“ Nett finde ich auch, die Adresse rauszugeben, obwohl man sich nicht sicher ist, den „Täter“ erwischt zu haben!

            http://www.infranken.de/ueberregional/newsticker-national/computer/Internet-Kriminalitaet-Gesellschaft-Kanada-Trauer-um-tote-Amanda-Kanadierin-wird-Symbol-gegen-Cybermobbing;art14270,343479

            http://www.fr-online.de/panorama/mobbing-opfer-amanda-todd-mobbing-selbstmord–anonymous-auf-taeter-jagd,1472782,20661412.html

            • Ich wollte eigentlich eher auf den Fakt des Cyber-Bullings abheben, was in diesem Fall oben drein auch noch eine nicht invasiver Mißbrauch gewesen wäre, wenn der Täter +18 gewesen ist.

              Aber du hast recht – es werden zu schnell vermeintliche Täter an den Pranger gestellt. Siehe bei dem Mordfall in Norddeutschland, der diesen Sommer durch die Presse ging und zunächst auch ein falscher Täter beschuldigt und damit sein Leben zerstört wurde. Statt die Ermittlungsarbeit denen zu überlassen, die es wirklich können (sollten): Der Polizei. Aber wir als Gesellschaft sind ja oben drein ja gerne mal schnell bereit, die Persönlichkeitsrechte des (potentiellen) Täters genauso über Bord zu werfen, wie auch die der Opfer…

              Fefe zitiert ja so gern: „Die Zivilisationsdecke in Europa ist dünn – sehr dünn“…

  2. Die Boyscouts of America brauchen sich über ihre Reputation garnicht mehr sorgen die ist schon kaputt. Ich fände es also nicht schlimm wenn der Verein sich über diese Vorkommnisse endlich auflöst. Ich habe das jetzt nicht so näher verfolgt wie ich wollte aber was in dem Verein an Diskriminierung abläuft ist unglaublich. Grade gegen Schwule und Atheisten bzw. Menschen die nicht an einen Monotheistischen Gott glauben.

    Soll heißen ich finde das die ganze Organisation ist irgendwo verrottet. Lieb wäre es mir wenn die sich auflösen und dann neu konstituieren mit einem anderen Aufbau und besseren Strukturen um die Kinder zu schützen als auch alle beteiligten psychologisch zu betreuen.

    (Ich stimme Dustbin btw. zu)

    • Ähm Heph – Pfadfinder sind per Definition Bestandteil einer christlichen Gruppierung. Besonders in Freikirchen und den katholischen Organisationen sind Schwule und Andersgläubige etwas seltsam – wobei es da immer noch auf den jeweiligen Stamm ankommt, wie und ob solche Menschen ausgegrenzt oder geduldet werden.

      Alles in allem kann ich betreffs meiner Pfadfinderzeit überwiegend im Guten erinnern. Wieso solche Gruppen also auseinander nehmen? Oder würdest du eine Jugendorganisation der Linken oder Grünen besser finden? Oder Jugendfeuerwehren / Jugend-Rotkreuztruppen? Diese Gruppen haben alle einen gewissen hau und sind irgend wie Schräg – dafür sind es Vereine. (Und ich habe noch keinen Verein gefunden, der nicht irgend wie Schräg drauf war *G*) Die Hauptfrage sollte eher sein: Lernen die Kinder Menschlichkeit und ein bißchen Nächstenliebe oder wird ihnen dort mehr geschadet. Weltanschauungen sind dann noch einmal eine andere Sache.

      • Die Boyscouts sind aber keine politische Jugend-organisation, noch denke ich das sie zwingend Bestandteil der (frei)Kirchen sind zumindest grob auf die BSA bezogen.

        Ich bin ja nicht gegen die Idee der Scouts aber ich denke das es ab einem gewissen Punkt doch nötig wird das sich die Gruppen neu aufstellen sobald solche Sachen zu oft schief laufen. Egal bei welcher Organisation, wenn es zu sexuellen Übergriffen kommt und das nicht aufgeklärt wird läuft für mich grundsätzlich etwas schief, die Diskriminierung gegenüber Orientierung und Glauben ist da noch der kleinere tropfen.
        Ich hätte ja noch nicht mal ein Problem damit das sich die Mitglieder wieder unter dem gleichen Label zusammenfinden nach dem diese Punkte gründlich ausgeräumt wurden.

        Zwecks „Hau“ weg haben kann dich bestätigen,weder der Aikido-, Schwertkampf-, Furry-Kleinkunst-, oder dem Garten-Verein sind „normal“ im weitesten sinne ;), allerdings hab ich nirgends erlebt das irgendwie durch die Vereine diskriminiert wurde. oder das Straftaten verschleppt wurden.

      • ähm,Pfadfinder sind per Definition eben nicht Bestandteil einer christlichen Gruppierung.
        (sonst würde es ja auch keine Pfadfinder in Muslimische,Budhidtische,Hinduistische Länder geben)
        Wer einmal auf einem Grosslager erlebt hat,das Pfadfinder aus Palästina und Israel gemeinsam Pfadfinderei betreiben,der vergisst soetwas nicht mehr.
        Pfadfinder sind auch nicht parteisch.
        Ich war selber Pfadfinder,
        (obwohl einmal Pfadfinder,immer Pfadfinder)
        Meine Kinder sind auch bei den Pfadfindern,weil sie dort für das Leben lernen.
        in diesem Sinne,
        Gut Pfad

        • So lernt man auch was neues. Mir waren Pfadfinder immer nur im kirchlichen Zusammenhang bekannt gewesen. Aber es stimmt – die Grundideen und die Grundmoral ist eher universell angelegt, sichtbar in der Goldenen Regel…

          Von dieser Warte betrachtet verbietet sich ein aktives vorgehen gegen andere Sichtweisen sogar.

          Gut Pfad.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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