Presidential Debate


Moin auch.

Ich kann ja ausschlafen. Also hab ich den CNN-Livestream angeklemmt, hock davor und guck mir jetzt gleich die Debatte mal an. Die erste für Obama ja nicht so gut gelaufen, während Romney ja ausnahmsweise einen echt guten Job gemacht hat.

Ein Novum ist die Moderatorin. Candy Crowley. Sie hat verkündet, sich an die „keine weiteren Nachfragen“-Policy, die die Kandidaten gegenseitig unterzeichnet haben, nicht halten zu wollen.

Und das verspricht wirklich spannend zu werden.

2:35 Uhr: Präliminarien. Mitt Romney ist ein toller Kerl und Obama lügt. Mitt Romney kriegt die erste Frage, nachdem eine Münze geworfen wurde.

2:50 Uhr: Auftritt Mrs. Crowley. Yay, ich kannte die bislang noch nicht, aber die ist mal echt sympathisch. Tough aber sympathisch. Ich glaub, die würde ich echt mögen.

3:00 Uhr: Geht los. Pünktlich. Die erste Frage sinngemäß: Was können sie meinen Eltern sagen, inwieweit ich meinen Lebensunterhalt sicherstellen kann, wenn ich meinen Abschluß habe.

Mitt Romney hat mehr oder weniger gesagt, dass es immer Leute gibt, die hintenrüber fallen, nicht jeder würde es schaffen. Aber ihm werde er einen Job verschaffen, wenn er Präsident ist. Gelächter im Saal.

Obama antwortet globaler, er will ins Bildungssystem investieren und das Community Colleges gefördert werden.

Mrs. Crowley hakt nach, fragt, was er für die Langzeitarbeitslosen tun will. Romney behauptet, dass eine Firmenpleite notwendig ist, um die Firmen wieder auf die Füße kommen zu lassen. Bitte was?

Obama haut zurück, bezichtigt Romney der Lüge. Romney sauer und wird von der Moderatorin in die Schmollecke gepackt.

Mann, die Frau ist gut

3:10 Uhr: Energiedebatte.

Obama will in den Bereich erneuerbare Energien rein, will energieeffizientere Geräte und will langfristig eine Energiewende, nennt Deutschland und China als Beispiele. Und bringt die Arbeitsplätze dort an. Er beschuldigt Romney, einseitig nur auf Öl, Kohle und Gas zu setzen. Aber das ist neu in einem Wahlkampf, das man Energie und erneuerbare Energien thematisiert.

Kann mir einer erklären, was Romney da erzählt? Der eiert gerade rum, wie nix gutes. Was WILL der denn? Oo

Moderatorin fragt, ob der Benzinpreis nochmal unter 4 Dollar sinken wird, nun eiert Obama und drückt sich um eine Antwort.

3:15 Uhr: Der erste Catfight.

Romney outet sich gerade als Idiot. Nix neues.

Aber für mich hat hier Obama deutlich besser argumentiert und besser ausgesehen.

3:20 Uhr: Steuern.

Romney will Steuern senken, weil die Mittelschicht „erdrückt“ worden ist. Auf einmal sollen die Reichen mehr Steuern zahlen und die Mittelschicht bekommt Gutscheine, die sie da einsetzen können wo sie wollen. Ah, das ist spannend, keine Zinsen auf Kapitalerträge und Investitionen, wenn man weniger als 200.000 Dollar im Jahr verdient.

Dass die Mittelschicht erdrückt worden ist wird von ihm mantraartig wiederholt. Und die Regierung ist daran schuld.

Obama antwortet: Seine Steuerphilosophie ist einfach: Erleichterung für die Mittelschicht. Weil die es die letzten 10 – 15 Jahre lang schwer hatten, da gab es Republikanische Regierungen. Clever.

Er erklärt, dass die Republikanische Mehrheit im Senat 98% der Familien als Geiseln halten, weil sie wollen, dass die reichsten 2% Steuererleichterungen bekommen.

Punkt imho geht an Obama.

Romney antwortet, dass er keine Steuern für Reiche will. Noja, das kann man ihm glauben. 🙂

Kleines Geplänkel, Romney findet kein Ende, will der Moderatorin die Regeln erklären, wird abgewürgt.

Mhm. drüber nachdenken. Persönlich tendiere ich zu Obama war besser.

Zwischenstand: Obama kämpft mit Klauen und Zähnen und rhetorisch derzeit sehr viel besser als Romney.

3:34 Uhr: Gleichberechtigung.

Obama hat eine richtige Einschätzung getroffen: Es werden künftig mehr und mehr die Frauen sein, die die Familien ernähren werden.
Und sie werden schlechter bezahlt.

Romney beklagt, dass die Frauen zu unflexibel sind, weil sie sich um Kinder und Familie kümmern müssen. Prince Charming aber auch. Er will die Wirtschaft stärken, damit die dann auch diese Frauen einstellen.

So richtig merkt der irgendwie nix mehr, oder?

3:42 Uhr: Unentschlossene Wählerin befürchtet, dass Romney in die Bush-Politik zurückfällt und möchte wissen, inwieweit er sich von Bush unterscheidet. Was für eine geile Frage.

Romney antwortet mit „jeder sollte Zugang zu Kondomen haben“? WTF?

Danach: „Bush und ich sind unterschiedliche Menschen“ – no shit Sherlock.

Und er will – wenig überraschend, die Wirtschaft stärken. Und er will sich weniger auf Araber und Chinesen stützen.

Obama will – ebensowenig überraschend die Mittelschicht stärken, damit die Wirtschaft verbessert wird.

Und er beschuldigt Romney, dass er direkt in Unternehmen investiert, die Überwachungstechnologien nach China liefern.

Er meinte, es gäbe einen Unterschied zwischen Bush und Romney: Bush hätte nicht für ein Gutscheinsystem für Medicare gestimmt. 🙂

3:55 Uhr: Mist, in meiner Pinkelpause wurde Bibo erwähnt 😦

Einwanderung:

Romney: Greencard für Mathematiker und Wissenschaftler, keine Führerscheine an illegale Einwanderer. Die Kinder von illegalen Einwanderern sollen zum Militär. Er will die illegale Einwanderung unterbinden. Eine Amnestie für illegale Einwanderer wird es nicht geben

Obama: Will die Einwanderung kontrollieren, will das Einwanderungssystem bezahlbarer machen, die Grenzen sicher machen, will nicht gegen die illegalen Einwanderer vorgehen, die bereits ihren Lebensunterhalt sicherstellen und will jungen Einwanderern eine Einbürgerung erleichtern.

Er weist darauf hin, dass Romney das Stichwort „Self-Deportation“ geprägt hat, er will den illegalen das Leben so schwer machen, dass sie freiwillig gehen.

Romney keilt zurück, dass er das Arizona-Gesetz nur in Teilbereichen für den Bund will. Was ich nicht verstehe: Wenn ein Gesetz für Arizona in Ordnung ist, ist es das nicht für alle Amerikaner?

Romney schweift völlig ab, quatscht sich um Kopf und Kragen. Erklärt auf einmal, dass Rentenfonds immer in chinesische Firmen investieren. Häh?

4:08 Uhr: Der Vorfall in Bengasi, wo der amerikanische Botschafter getötet wurde.

Nach einigen Füllwörtern beschuldigt Obama Romney, dass er politisches Kapital aus dem Tod schlagen wollte, was unanständig wäre.

Romney geht drüber weg und beschuldigt Obama, das gleiche getan zu haben, indem er Informationen zurückgehalten habe.

Obama erklärt, dass er die Särge hätte in Empfang nehmen müssen, und dass es beleidigend ist, wenn jemand behauptet, dass er das politisch ausschlachten würde.

Die Moderatorin liefert einen Faktencheck.

4:14 Uhr: Waffenrecht.

Frage: Er wollte verhindern, dass AK-47 in Privathände geraten.

Obama bezieht sich auf den Anschlag im Kino, er sagt, dass es ein Gesetz gibt, dass verhindern soll, dass militärische Kriegswaffen nicht in die Straßen gehören. Sein Wort in  Gottes Gehörgang. Und er sagt, dass man sehen muss, wo Gewalt herkommt. Verbote alleine reichen nicht.

Für DIE Aussage sollte er einen Oscar bekommen. Die Realität in den USA sieht so aus, dass man auf alles mit Wegsperren reagiert. Vor allem dann, wenn die jugendlichen Delinquenten nicht weiß sind.

Romney möchte, dass Familien ihre Familien friedlich aufwachsen, dass die Kinder heiraten und eine Familie gründen sollen. Und dann müsste man auch keine Waffen verbieten, weil dann da dann die Leute von allein friedlich werden.

Romney wird von der NRA offiziell unterstützt. Obama erklärt, dass Romney mit der Unterstützung der NRA seine Meinung zum Waffenbesitz in Privathand geändert hat.

Tiefschlag

Eingriff der Moderatorin, die diesmal Obama bremst, weil er zuviel redet 🙂

Die letzte Frage darf sich jeder der Kandidaten noch einmal selbst feiern. Romney tut das ausgiebig und zielt damit ganz klar auf die Tea Party ab.

Obama läßt es sich nicht nehmen, nochmal auf den Skandal hinzuweisen, wo Romney vor Geldgebern mal eben die Hälfte des amerikanischen Volkes als Schnorrer bezeichnet hat.

——–

Ende.

Mein Fazit:

Gewinner ist Candy Crowley. Die hat einen exzellenten Job gemacht. Und die hat beide gepflegt ausgebremst, wenn es notwendig war. Egal ob Präsident oder Gouverneur.

Wer hat die Debatte gewonnen?

Obama. Definitiv. Er war kämpferisch, hat Romney nichts geschenkt. Und Romney ist es nicht ein einziges mal gelungen, aus den Fehlern, die Obama gemacht hat, Kapital zu schlagen.
Dafür hat er selbst eine Menge Fehler in der Diskussion gemacht.

Obama hats gewonnen. Wird er die Wahl damit drehen können? Möglich. Gerade bei den Einwanderern und Frauen dürfte er heute schwer gepunktet haben.

Und unter uns: Obama mag nicht ideal sein, aber wenn Romney gewählt werden, können wir uns warm anziehen. Das wäre eine außenpolitische Katastrophe.

Und ich geh jetzt ins Bett. Nacht. 😉

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Veröffentlicht am 17. Oktober 2012, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Obama müsste Romney als das entlarven, das er ist, nämlich ein Ausbeuter erster Güte, der keinerlei moralischen, ethischen oder menschlichen Grundsätzen verpflichtet ist/zu sein glaubt, sondern lediglich dem schnöden Mammon anhängt!

    Heute ist ja mit Publikum, mal sehen, wie oft Romney verkackt 😀

    • Grandios oft. Und grandios gut hat er verkackt. *g*

      Binders full of women…ich komm da nicht drüber weg. Das kann gut sein, dass ihn das die Präsidentschaft gekostet hat.

  2. Danke für die kommentierte Zusammenfassung – besser als es irgendeine Presse bisher gemacht hat 😉

  3. Tantchen, Du hast es wirklich drauf. Bitte geh aber nicht in den Journalismus, da wirst Du nur verdorben 😉
    Nur ein „wenzeger Ponkt“:
    „Romney: .. Die Kinder von illegalen Einwanderern sollen zum Militär… “
    klar, wer soll denn sonst als Kanonenfutter für die Romney’sche Außenpolitik (dabei fällt mir ein: gibt es die überhaupt?) dienen?
    Aber eigentlich darf es ja (lt. R.) keine illegalen Einwanderer (mehr) geben: da müssen halt die eigenen Leute wieder mal dafür herhalten, vielleicht die schmarotzende „Unterschicht“? .. 😦

  4. Und danke für die Blumen. 🙂

    Was die Kinder beim Militär angeht: Jepp, das ist genau der Hintergedanke, den er hat: Kanonenfutter, damit die „guten“ amerikanischen Rekruten nicht geopfert werden :-/

    Was die illegalen Einwanderer betrifft: Auch Romney weiß, dass er das nicth stoppen kann. Sei es von Kuba, aus Mexiko, aus Haiti: Egal wo, die kommen schon rein.

    Er will halt anders als Obama für diejenigen, die bereits lange in den USA leben, keine Amnestie. Und er will die Kinder zum Militär schicken.

    Ich glaub, da hat sich ein Kommentar erübrigt, oder?

    • Naja, er zeigt immerhin in Teilen, was er vorhat, Amerika für weiße, reiche Leute!

      Alle anderen sollen sehen wo sie bleiben.

      Nice try, Mr Romney 😉

  5. Romney ist ein Psychopath erster Güte – wenn der gewinnt, sieht es schlecht aus für die „normale“ Bevölkerung. Man muss sich nur mal sein bisheriges berufliches Wirken ansehen…
    Ich hoffe, Obama gewinnt und Romney bekommt in 4 Jahren einen starken Gegner.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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