Schavan


Einer unserer demokratischen Grundpfeiler ist es, dass ein Angeklagter unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils ist.

Ein anderer, dass das Recht für alle gilt.

Ein Plagiatsfall. Wieder einmal.

Doch offenbar ist dieser ein wenig anders gelagert als die Plagiatsfälle Guttenberg, Koch-Mehrin und wer da nicht alles noch betrogen hat.

Zum einen habe ich das erstemal gesehen, dass ein Doktorvater seinen Schützling verteidigt hat, das hat bei den anderen noch KEINER gemacht. Auch ist die Kritik an der Uni derzeit sehr hoch, das hab ich in den anderen Fällen so auch noch nicht gesehen.

Aber wenn es stimmt, dass die Presse aus einer internen Quelle von dem Gutachten erfahren hat, bevor Frau Schavan auch nur davon wußte:

Ein Skandal.

Und offenbar liegt dieser Plagiatsfall nicht so klar zutage wie er es bei allen anderen war, die offenbar Ghostwriter hatten. Was mich, ehrlich gesagt, bei Frau Schavan auch gewundert hätte.

Man muss sie nicht mögen oder mit ihrer Politik einverstanden sein, um anzuerkennen, dass sie eine Aktenfresserin im positiven Sinne ist. So einem Menschen gestehe ich erstmal zu: Der betrügt nicht.

Aber, um auf die beiden Eingangsmaximen zurückzukommen, die die Grundpfeiler unseres Rechtsstaates bilden:

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung von Frau Roth, dass „allein der Verdacht schwerwiegend genug für einen Rücktritt ist“ schäbig. Ein Verdacht ist kein Beweis, auch nicht bei einem Wissenschaftler oder einer Bildungsministerin.

Ein Verdacht ist erstmal ein „ich glaube, dass…“ und nichts weiter.

Und vor dem Hintergrund den Rücktritt zu fordern, ist billig.

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Veröffentlicht am 16. Oktober 2012, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 16 Kommentare.

  1. Ja, da gehen wieder einige an den Herd, ihr parteipolitische Süppchen kochen, und das ist moralisch auch nicht besser, als es ein _nachgewiesenes_ Plagiat wäre.

    Natürlich wäre es ein Rücktrittsgrund, wenn sie denn tatsächlich und, wichtig, nach den damals gültigen und üblichen Regeln überführt würde. Soweit sind wir aber auf keinen Fall, und besonders die politischen Gegner täten verdammt gut daran erstmal den Mund zu halten. Von denen haben einige zu anderen Zeiten Master-/Diplomarbeiten verfasst bzw. promoviert, als copy and paste im Gegensatz zu der Zeit von Schavan bereits möglich war und praktiziert wurde.

  2. „Vor diesem Hintergrund ist die Forderung von Frau Roth, dass “allein der Verdacht schwerwiegend genug für einen Rücktritt ist” schäbig. “

    Das ist in der Tat eine selten dämliche Aussage.

  3. Tantchen, Deinem Hinweis auf die Unschuldsvermutung stimme ich uneingeschränkt zu, allerdings habe ich irgendwo (ich denke in der online-FR) gelesen, dass der liebe Prof. bzw. dessen Institut oder gleich die gesamte Uni zuvor irgendwelche „Subventionen“ erhalten hätte
    Fragen über Fragen 😦
    Allerdings: wer immer die Infos (für wieviel auch immer) UNBERECHTGT!!! an die Presse verhökert hat, gehört gesteinigt, geteert und gefedert und anschliessend an die Raben verfüttert
    und dazu gleich die Presse, die dies ermöglicht!
    meint
    Hajo

    • Derzeit glaube ich in dem Bereich *keiner* Info, die „geleakt“ wird.

      Da ist zuviel, wo man vermuten kann, dass das gezielt gestreut wird.

      • Ist dennoch etwas ungewöhnlich, wenn Frau Schawan erst nach der Presse vom Inhalt des Gutachtens erfuhr… Riecht für mich zu sehr nach Vorsatz…

  4. ein anderer Stefan

    Leute, der Bundestagswahlkampf hat begonnen. Steinbrücks Nebenverdienste, Schavans Promotion – mal sehen, was noch an Schmutz geworfen wird. Ich meine, nicht das es nötig wäre, die meisten unserer Politiker haben sowieso ein geringes Ansehen in der Bevölkerung. Aber solche Geschichten zerstören das letzte bisschen Ansehen, was die noch haben.
    (Nebenbei bemerkt, war ich ja schadenfroh, in der Tagesschau heute zu hören, dass die Attacke auf Steinbrück nach hinten losgegangen ist, und die SPD mit ihren Plänen zur Offenlegung von Nebeneinkünften jetzt die Koalition ziemlich blöd dastehen läß, weil der SPD-Vorschlag der CDU/CSU/FDP offenbar zu weit geht.)

    • Ich bin immernoch der Ansicht, dass alle Abgeordneten, die Geld für ihr Mandat erhalten, also zumindest die in LT und BT, sollten grundsätzlich _keinerlei_ Nebenverdienste haben dürfen, außer sie haben sie sich _vom Wähler_ in einem Referendum genehmigen lassen.
      Und erzählt mir nicht, dass das nicht geht, das geht, man muss es nur wollen.

      Bei der Schavan weiß ich nicht genau, was das jetzt soll, immerhin hat sie, wenn ich mich nich irre, vor 30 Jahren oder so den Doktor gemacht. Irgendwann muss ja auch mal gut sein, gelle!

  5. Aye – der Wahlkampf hat angefangen. Nur frage ich mich stellenweise: Wieso müssen wir jeden Dreck den Amis nachmachen – und bei denen besteht der Wahlkampf ja leider traditionell Hauptsächlich aus Dreck werfen… Haben wir nicht Kultur genug, uns über die wirklich wichtigen Themen zu streiten, ohne die „Ehre“ des Gegners in den Schmutz zu ziehen? (Wobei mir das Wort Ehre im Zusammenhang mit Politikern schwer fällt)

    30 Jahre – Wenn wir jede Doktor-Arbeit derart genau prüfen würden, wäre doch interessant, was die ganzen anderen Akademiker für Leichen im Keller haben… Zumindest kann ich mich an keine größere Debatte um diese Frau aus ihrer Kultusministerzeit erinnern…

    • Dustbin, Du hast es genau beschrieben: „Wobei mir das Wort Ehre im Zusammenhang mit Politikern schwer fällt“
      Und was das Prüfen von Doktor-Arbeiten betrifft: wäre das nicht etwas für die Agentur für Arbeit (so als 1-Euro-Jobs ..)?

      • Naja, es ist nichts so einfach, eine 30 Jahre alte Doktorarbeit zu bewerten.

        Damals gab es keine Internet, dad vergessen viele.

        • Tantchen, was willst Du uns damit sagen?
          vielleicht, dass die heute „zur Verfügung Stehenden“ ohne Internet nicht recherchieren können .. 😉
          (aber was will man für 1 Euro/h erwarten?)

          • Nein. Heute kannst du deine Arbeit selbst in entsprechenden Tools checken, ob du da kopiert hast oder nicht.

            Damals sah das anders aus: Du hast Bücher über Bücher gelesen und dir deine Gedanken gemacht. Die hast du formuliert. Besonders eingängige Formulierungen sind dir in Fleisch und Blut übergegangen, Binsenweisheiten ebenso.

            Wenn du die dann niedergeschrieben hast, hast du nicht in jedem Buch, dass du gewälzt hast, nochmal manuell nachgesehen, ob das sich jetzt darauf bezog oder auf was anderes, das konntest du auch nicht, ohne die ganzen Bücher nochmal zu lesen, die hast du auch nicht auswendig herbeten können. Einige vielleicht fast, aber ganz sicher nicht alle Quellen.

            Jetzt kann man mangelnde Sorgfalt unterstellen, aber eine Täuschungsabsicht und das mit den Mitteln zu beweisen, die wir heute haben, ist etwas…äh ja. Daneben.

            Frau Schavan, ich mag sie persönlich nicht. Aber sie ist keine, die abschreibt, das ist ne Arbeiterin.

  6. „Und offenbar liegt dieser Plagiatsfall nicht so klar zutage wie er es bei allen anderen war, die offenbar Ghostwriter hatten. Was mich, ehrlich gesagt, bei Frau Schavan auch gewundert hätte.“

    Mit „offenbar“ kommen Sie keinen Schritt weiter. Und was Sie wundert, ist völlig unerheblich.

    Einfach mal etweas mehr als drei Minuten Zeit nehmen, den schavanplog studieren, die detaillierten Vorwürfe intensiv selbst überprüfen und das „Wundern“ hat sich erledigt: Schavan hat betrogen und nichts weiter. Hätten Sie selbst beinahe in derselben Zeit feststellen können, in der Sie einen faktenbefreiten Text schrieben.

    • Ah, da haben wir ja einen von der Fraktion. 🙂

      Kollege, wenn betrogen wurde, wurde betrogen und das prüft die Uni ja gerade. Auch weiß ich, wenn geprüft wird, dass die Fälle im stillen Kämmerlein verhandelt werden und es schwer ist, da was an die Öffentlichkeit zu kriegen.
      Soweit so Binsenwahrheit.

      Trotzdem gibts bei dem Fall ein paar Dinge, die beachtet werden müssen. Die Promotionsordnung von 1980 zum Beispiel. Oder die Werte, die *damals* an eine Promotion angelegt wurden. Mit der heutigen Promotionsordnung kannst selbst die Doktorarbeit von Marie Curie zerlegen. Oder der Tatsache, dass man zu der Zeit ein Internet noch nicht hatte und demzufolge auch durchaus mal Dinge formuliert hat, die anderswo ausgeschrieben stehen. Und die Kontrolle bzw. Prüfung, ob man nicht doch eine Quelle zitiert hat, dürfte damals fast ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein. Ich hab da z.b. das hier gefunden:
      http://schavanplag.wordpress.com/2012/09/30/seite-98/

      So what? Ich würde nicht vorschnell davon ausgehen, dass Frau Schavan das Buch vor der Nase hatte und abgeschrieben hat. Der Passus selbst ist eine Binsenweisheit, das kann man durchaus auch selbst formulieren und findet sie *natürlich* in anderen Werken wieder. Ein Gedanke, einmal gedacht, kann wieder gedacht werden, ohne das man den Gedanken der vorher da war, kannte. Oder wenn man ihn kannte, dass man sich an ihn erinnerte.

      Oder, wenn du magst, ein noch besseres Beispiel einer Binsenweisheit:
      http://schavanplag.wordpress.com/2012/09/30/seite-197/

      Wie lernen funktioniert weiß man schon länger. Und wenn jemand das zusammenfasst, muss er nicht unbedingt plagiieren.

      Aber zitieren wir das Schavanplag doch mal selbst: Ich zitiere den Satz, womit das ganze Kartenhaus in sich zusammenfällt:

      auf den rot hervorgehobenen Seiten finden sich Passagen, die ich als Plagiate einstufe.

      „Faktenfrei“ sei mein Eintrag. Yay.

      Nochmal: Dass das an die Presse ging, bevor Frau Schavan auch nur über die Vorwürfe informiert wurde, ist ein absolutes Unding. Hier ist der absolute Grenzbereich zwischen Whistleblowing und Bullying erreicht.

      Und es gibt mehr als eine Stimme, die sagt, dass die Doktorarbeit mit der von einem Guttenberg oder Chatzimakakis oder einer Koch-Mehrin nicht annähernd zu vergleichen ist. Siehe oben: Ein Gedanke, einmal gedacht, kann wieder gedacht werden. Vor allem, wenns um Dinge geht, die allgemein bekannt sind.

      Und die große Schwäche des Schavanplags ist, dass sie die Maßstäbe von heute an eine 30 Jahre alte Dissertation anlegt. Das funktioniert nicht. Wie man ja auch in der *deutlich* zurückhaltenderen Berichterstattung und der Reaktion auf die Vorwürfe sieht.

      Aber ich gebe zu, dass das einen Dissertationsblockwart eher nicht anfechten wird.

      Jaja *abwink* Goodwins Law. So what? 🙂

  7. Ihr Blog-Artikel ist so faktenfrei, dass er wenig bis nichts besagt. Jetzt, in den Kommentaren, beginnen Sie zu argumentieren, das ist immerhin ein erheblicher Fortschritt.

    Der Konsens an den Anfang: Dass Schavan das Gutachten nicht vorlag, bevor es publiziert werden konnte, ist falsch.

    Ihren Rücktritt zu fordern, bevor die Geschichte geklärt ist, ist „billig“, wie Sie sagen. Kein Widerspruch.

    Bis dahin alles fein. Man kann den offiziellen Ausgang der Geschichte in Ruhe abwarten. Auch ich.

    Was allerdings komplett überflüssig ist, sind solche Aussagen wie:
    „Und offenbar liegt dieser Plagiatsfall nicht so klar zutage wie er es bei allen anderen war, die offenbar Ghostwriter hatten. Was mich, ehrlich gesagt, bei Frau Schavan auch gewundert hätte. Man muss sie nicht mögen oder mit ihrer Politik einverstanden sein, um anzuerkennen, dass sie eine Aktenfresserin im positiven Sinne ist. So einem Menschen gestehe ich erstmal zu: Der betrügt nicht.“

    Bringen Sie entweder Fakten oder keine, belegen Sie solche Aussagen. Oder zu was soll so etwas gut sein? Sie vertrauen zuerst einmal Schavan? Ohne alle Daten, Fakten, Texte, Vergleiche, Analysen? Na fein, doch wen soll das interessieren?

    Ich habe mich lange und intensiv mit der Materie beschäftigt. Ohne das ins Tausendstel treiben zu wollen: Wenn Sie nur allein wenige Texte wie die in diesem SPON-Link verwendeten vergleichen, muss Ihnen selbst auffallen, dass hier „unsauber gearbeitet“ wurde, wie es das (leider) vorab bekanntgewordene Gutachten auch besagt („Leitende Täuschungsabsicht“; „Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“):
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/annette-schavan-fundstellen-aus-der-plagiatsdokumentation-a-861432.html

    Ich will gar keine Vergleiche ziehen zwischen Guttenberg, Koch-Mehrin, Schavan etc., will nicht beurteilen, ob sich die Aufregung mit der Anzahl der Fälle abschwächt (was logisch wäre). Das alles spielt auch keine Rolle.

    Eins wollte und will ich deutlich zum Ausdruck bringen: Wer sich selbst ausreichend mit der Materie beschäftigt hat, kommt unausweichlich zum Ergebnis, dass diese Dissertation nicht sauber ist.

    Von mir aus hätte der Text in seinem Grab bleiben können. Aber wenn Sie schon aufden Tisch kommt, und wenn schon Blog darüber, dann reicht es nicht auszuführen, worüber Sie sich „wundern“ oder wem Sie persönlich vertrauen oder nicht. So ein Text ist eine pure Luftnummer, weil er dem Leser ausschliesslich Ihre Befindlichkeiten erklärt und zur Sache rein gar nichts beiträgt. Niemand kann irgendeinen Erkenntnisgewinn davon tragen.

  8. So ein Text ist eine pure Luftnummer, weil er dem Leser ausschliesslich Ihre Befindlichkeiten erklärt und zur Sache rein gar nichts beiträgt.

    Yay. Er hat begriffen, worum es beim Bloggen geht.

    Schalten sie auch morgen wieder ein, wenn sie hören wollen: „Das ist ein Armutszeugnis, das ist ja kein richtiger Journalismus“

    Kleiner Hint: Ich bin kein Journalist. Ich gebe mir auch nicht mal den Anschein, dass ich einer wäre – wie auch. Ich lese was, ich bilde mir meine Meinung (und das nicht bei der Bildzeitung, rein vorsorglich), aber ich glaub nicht, dass ich mir von einem Nitpicker vorschreiben lassen muss, was ich wann wie zu posten habe.

    Belehrungen brauch ich auch nicht wirklich. Dazu bin ich zu alt. Diskutieren: Gerne. Aber darum gehts dir nicht. Dir gehts darum, die Sonne deines Wissens über uns Unwissende scheinen zu lassen und es dir ob unserer Blödheit gut gehen zu lassen. Wenn du das nötig hast: Bitte. Aber du bist hier deutlich über die Grenze dessen gegangen, was ich in meinem Haus (aka „Blog“) noch für akzeptabel halte. Und damit fliegst du.

    Und bevor du Zensur schreist: Das ist keine. Das ist Sauberhalten des eigenen Wohnzimmers. Und du nicht willkommen.

    Achsoja: Unsouveräne Reaktion? Jop. Aber manche Dinge verärgern mich wirklich und ich glaube nicht, dass ich sowas im eigenen Haus hinnehmen muss. 😉

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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