Inklusion


Ich glaub, es wird Zeit fürs nächste Faß, das aufgemacht werden kann.

Inklusion.

Eins der Dogmen unserer Zeit. „Keine Unterschiede“.

Und für mich gibts keine größere Diskriminirung als die Diskriminierung des Ungleichen, die schon in der Schule anfängt.

An der Oberfläche soll die Inklusion die Verschiedenheit der Kinder wahrnehmen und fördern und jedem Kind die Möglichkeit geben, entsprechend seiner Fähigkeiten ausgebildet zu werden.

Zeit für den Realitycheck, wie ich Inklusion wahrgenommen habe.

Inklusion wird oft auf Teufel komm raus so durchgesetzt, dass jedes Kind ungeachtet seiner Behinderung in die Regelschule gesetzt wird. Und dann sitzt ein Kind mit Down-Syndrom und Lernbehinderung im Extremfall neben einem hochbegabten Kind.

Begründet haben meine Lehrer das mir gegenüber immer mit „die Kinder lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und dass Behinderungen nichts schlimmes ist.“

Für mich hatte das immer mehrere Aspekte.

1. Was tut man den behinderten Kindern an?

Man nutzt sie, um „normalen“ Kindern Rücksicht beizubringen. Und das Wort sollte hier „BEnutzen“ lauten. Man tut einem Lernbehinderten Kind, dass ein völlig anderes Lerntempo hat und auch auf Rückschläge völlig anders reagiert, nichts gutes, wenn man es wie im Zirkus an der Leine mit normalen Kindern zusammensteckt, in der Hoffnung, es kommt was gutes dabei raus.

Das behinderte Kind ist in kürzester Zeit hochgradig frustriert. Und wer glaubt, dass Bullying dadurch abgeschwächt wird, glaubt auch noch, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bringt. Das wird nur versteckter passieren und aufgrund ihrer Behinderung haben gerade diese Kinder weniger Möglichkeiten, sich zu wehren oder den Situationen auszuweichen.

Hier wird Inklusion grausam.

2. Was tut man den begabten Kindern an?

Diese Kinder laufen einer normalen Klasse schon weg – und jetzt werden sie noch weiter ausgebremst, indem man Kinder in die Klasse steckt, die noch langsamer lernen – damit sie lernen „sozial“ zu werden?
Welche Signale gibt man denn da bitteschön?
Egal, was man tut – man tut keine Kind in der Klasse was Gutes damit. Lernbehinderte Kinder in der Regelschule sind eine Ausgeburt der Sozialpädagogen. Und DIE waren noch nie dafür bekannt, dass sie sowas wie gesunden Menschenverstand entwickelt haben.

Eine große Ausnahme gibt es hier aber:

Kinder mit Körperbehinderungen. Es gibt für die verschiedensten Behinderungen inzwischen so viele Hilfsmittel, dass auch blinde Kinder zum Beispiel locker in die Regelschule gehen können. Und HIER greift dann auch der soziale Aspekt.

Kinder ohne Behinderungen kümmern sich um die, die welche haben. Da müssen Rücksichtnahmen getroffen werden und das ist dann auch richtig gut so.

Aber wie gesagt, auch wenn an der Oberfläche die Vielfalt vorherrscht, wenn man etwas tiefer gräbt, sieht man, dass es eine unendliche Gleichmacherei ist. Alle sollen auf dieselbe Schule gehen und hier profitieren nur die „normalen“ Kinder. Begabte und Hochbegabte fallen in diesem System genauso untern Tisch wie Behinderte Kinder.

Denn Kinder sind nicht alle gleich. Und es ist nur folgerichtig, wenn man Schulen und Lernorte schafft, die diese Unterschiede berücksichtigen. Wir brauchen Schulen für Hochbegabte, deren Hirn stellenweise ganz anders funktionert, genauso wie wir Schulen für Behinderte brauchen, die, auf die jeweilige Behinderung abgestellt, die Kinder optimal fördern können.

DAS ist das, was wir brauchen.

Aber nicht alle in die Regelschule stopfen, die Spezialschulen schließen und glauben, wir hätten damit was gutes für die Kinder getan. DAS ist der falsche Weg – und er stinkt nach „wir müssen sparen.“

Und das ist etwas, was wir bei Kindern niemals tun dürfen, wenn wir eine Zukunft haben wollen.

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Veröffentlicht am 21. September 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 13 Kommentare.

  1. Ich kenne ein Paar Menschen mit (leichteren) Asperger formen. Diese in normale Schulen zu setzen bringt überhaupt nichts.

    Die Variation die sich Fachlich spezialisiert rennt in ihren Extremfächern der klasse komplett weg während andere Fächer wie zum Bleistift Mathematik oder Kunst für sie Bücher mit 7 Siegeln sind. Wenn schon sollte man das Ganze vielleicht Fachspezifisch lösen.

    Sprich die Fächer in verschieden Geschwindigkeiten aufteilen wenn man nicht schon einzeln Schulen kann. Notfalls die Mathe-cracks in die nächst höhere Klasse oder in extrem Fällen von mir aus mit dem Schulbus an die nächste UNI fahren.

    Einen „Grundstand“ an Wissen sollte allerdings jeder nach 10 Jahren haben (sofern möglich siehe Dyslexie und Dyskalkulie) soll heißen ich bin nicht für Individualisierung auf Teufel komm raus.

  2. ach Tantchen, und ich dachte schon, Du wolltest „einen ausgeben“
    .. Satz mit X 😦

    aber das mit den „Sonderschulen“ (oder wie man diese Einrichtungen (früher sagten man „Anstalten“) nennen mag) hat auch Grenzen, denn
    1. wer ist hochbegabt? Leider gibt es da zwar Anhaltspunkte, die unterliegen jedoch einer gewissen Interpretation. Ausserdem führt eine „High-Tech-Einrichtung“ zwangsläufig zur Isolation (wollen wir das? oder haben wir nicht genug „Pseudo-Intellektuelle“?)
    2. Ich bin auch bei „Behinderten“ der Meinung, dass sie besser in einer Regelschule aufgehoben sind. Das dient auch dem Sozialverhalten der „gesunden“ Kinder.
    3. So lange es keine echten Massstäbe gibt und mit gewissen „Erscheinungen“ z.B. AHDS vermutet (ich schreibe mit Absicht nicht diagnostiziert), haben wir doch da ein ganz großes Problem

  3. Es werden zunächst doch nur die Schulen geschlossen, die bisher für die Kinder waren, die Lernschwächen hatten. Die anderen Arten der Sonderschulen bleiben ja erhalten.
    Ich hab zwar keine Ahnung, ob, wie und wann unsere Politiker daran was ändern und es eventuell noch verschlimmbessern, aber ich seh dem noch guten Mutes entgegen. Zumal auch die Eltern selbst entscheiden dürfen, wohin sie ihr Kind schicken. Zumindest jetzt dürfen Sie das noch.
    Beobachten wir also die Entwicklung.

    • Ja und genau damit wird den Lernschwachen die Möglichkeit genommen in ihrem Tempo das zu lernen was sie lernen können. Toller Fortschritt.

      • Man sollte schon unterscheiden zwischen lernschwachen Schülern und solchen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Mir ist klar, das es da Übergänge gibt. Bei der Beurteilung ob und wie weit Schüler in der Regelschule zurechtkommen können leigt viel Argen, teilweise ist das auch ein Problem der Eltern, von denen viele nicht wahrhaben wollen, dass eine spezialiesierte Einrichtung besser geeignet ist, und da muss man einfach mal vom Klischee der alten „Sonderschule“ weg, Heilpädagogik hat mit diesem Bild nichts mehr zu tun.

        Schüler mit mäßigen Lernschwächen können durchaus mit entsprechender Förderung Regelschulen besuchen. Hierzu wäre an sich besonders die integrierte Gesamtschule geeignet, die aber in vielen Bundesländern politisch nicht mehr erwünscht ist. Da findet zwar auf Kurebene auch eine Leistungsdifferenzierung statt, mit entsprechenden Maßnahmen auch solchen für Hochbegabte lassen sich aber Möglichkeiten Schaffen allen Kindern weitgehend gerecht zu werden.

        Ich habe als Schüler die Erfahrung eines klassischen Gymnasiums gemacht, als Elter habe ich die integrierte Gesamtschule erlebt. Sehr viel hängt von eine fähigen und engagierten Schulleitung ab, einiges auch vom Kollegium. Nach allem, was ich von Schülern und Eltern andere Schulen gehört haben, waren sowohl die Drogen- als auch die Gewalt- und Mobbingprobleme an der Gesamtschule um einiges geringer bzw. nicht vorhanden. Insbesondere Mobbing, an einem bei besonders ehrgeizigen Eltern hochbeliebten „Elitegymnasium“ auch und besonders von LEHRERN an Schülern aus sozial schwächerem Elternhaus betrieben, war an der Gesamtschule fast kein Thema.

        Warum ausgerechnet die Schulform mit den besten Chancen für Inklusion auf einen VERNÜFTIGEN Level politisch mehr und mehr verdrängt wird, ist mir ein Rätsel.

        Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Inklusion mit dem Brecheisen für niemand der Beteiligten zu sinnvollen Ergebnissen führen kann. Wünschenswert wäre allerdings mehr horizontale Durchlässigkeit, damit Schüler ohne Probleme und Diskriminierung zwischen Regelschule und Sondereinrichtung wechslen können.

  4. Hm, ich denke, die Situation spricht von verschiedenen Sachen, wir vergleichen gerade Äpfel mit Birnen.
    Warum:
    Bei körperbehinderten Kindern sehe ich es auch so, dass man sie – wenn es irgendwie geht – in eine „normale“ Schule gehen lassen sollte. Dann müssen die Schulen halt barrierefrei werden. Es wird überall so viel Geld zum Fenster hinaus geworfen – hier würde es richtig angelegt. Grenzen hat es meiner Meinung nach dort, wo die Behinderung so schwerwiegend ist, dass das Kind deshalb nicht dem Unterricht folgen kann oder durch extremen Betreuungsaufwand (mir fällt gerade nix wirklich reales ein, aber ich denke da an ein Kind, das zum Beispiel alle halbe Stunde irgendwie medizinisch/pflegerisch versorgt werden muss) kein Unterricht mehr möglich ist.

    Bei geistiger Behinderung etc. sehe ich es etwas differenzierter. Da geht es mir ähnlich wie Dir, Tantchen – es bringt nichts, wenn ich hochbegabte, durchschnittlich begabte und schwach begabte (bis hin zur Lernbehinderung etc.) in eine Klasse stecke. Klar mögen damit vielleicht soziale Kompetenzen gefördert werden, aber hinsichtlich der Leistung, der Motivation und dem Lernwillen tut man damit niemanden etwas Gutes. Nicht umsonst hat sich die Gesamtschule bei uns nicht flächendeckend durchgesetzt.
    Einerseits lernt man in der Lehrerausbildung „Förderung durch Differenzierung“ durch „Anbieten verschiedener Aufgabenstellungen für verschieden leistungsstarke Schüler“, andererseits wirft man alle in einen Topf. Jetzt kann man (zu Recht) sagen: „Gut, lieber Lehrer, dann mache halt Binnendifferenzierung, um alle zu fördern“, aber:
    – Mach das mal, wenn du mehr als 30 Schüler vor dir sitzen hast, die du eventuell nur 1 bis 5 Stunden pro Woche siehst,
    – Wenn ich so weit differenzieren soll, muss ich mit den Schwachen den Dreisatz üben, die Starken lösen Integrale aller Art. *Das* kann kein Lehrer leisten. Wo wir beim nächsten Punkt sind:
    – Will ich dermaßen angemessen differenzieren, kann das eine Lehrkraft in der Klasse nicht mehr alleine. Entweder ich mache auf Neudeutsch „Team Teaching“, also mehrere Lehrer in einer Klasse (liebe Kultusminister, stellen Sie noch ein paar Lehrkräfte dazu ein, bitte schön?) oder trenne die Schüler gleich in Kurse. OK, dann willkommen im System der Gesamtschule, das ja auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Nicht nur wegen der Leistungen an sich, sondern auch weil das Kurssystem durchaus auch Diskrimierung hervorruft – und das noch direkter als zwischen den Schülern unterschiedlicher Schularten – nämlich täglich auf Schritt und Tritt.
    Zudem ist aus vielen Studien bekannt, dass die Motivation zum Lernen am größten ist, wenn man gefordert, aber nicht über- oder unterfordert ist. Und das *könnte* die Stärke unseres dreigliedrigen Systems sein. *Könnte*, ist aber leider nicht. Dann nehmen wir einen Hochbegabten, der sich durch die Schulzeit gelangweilt hat. Oft genug hat er dann nämlich nicht die besten Noten und kommt deshalb nicht im Wunschstudium zu landen. Genauso sehe ich immer wieder sehr, sehr begabte Leute an der Uni oder auch in der Ausbildung scheitern: Das wäre das erste Mal in ihrem Leben, dass sie sich anstrengen müssten – und das sind sie nicht gewohnt, haben es nie gelernt.
    Und genau diese Leute – und sooo wenig sind das nicht, das sind nicht nur die oberen 5% – fallen bei Absenkung des Levels noch häufiger und schneller auf die Nase. Schade um das Potential, schade um den Menschen.

    Wo Inklusion gelebt werden kann und sollte – und zwar in jeder Form – ist im sonstigen Alltag, im Hobby, im Verein, auch im Beruf. Hey, wenn ich Sport mache, müssen nicht alle meine Mitsportler einen IQ von Sheldon Cooper haben, warum nicht auch mit Leuten, deren IQ auch weit unter 100 liegt… (nein, bitte keine IQ-Definition-Gültigkeit-Messfehler-alles-Quatsch-Diskussion. IQ ist hier einfach als einfacher Weg zum Vergleich gewählt) Und wenn ich abends in die Kneipe gehe und ein nettes Gespräch führen will, ist mir egal, ob der Gesprächspartner ein, zwei oder drei Beine hat, ob er läuft oder im Rollstuhl sitzt. Nur leider finden sich letztere selten in Kneipen – weil sie nicht hinein können. *Daran* sollten wir alle arbeiten. Täglich.

    Wir sind alle unterschiedlich, die einen haben ein Handicap, die anderen einen Knall, die nächsten sind zu „normal“ – wichtig ist doch, dass wir einen Weg finden, miteinander umzugehen, ohne alle gleichzumachen, aber jedem die *für ihn* optimalen Chancen zu bieten.

    So. Ende der Gardinenpredigt… 😉

  5. Körperbehinderte KÖNNTEN selbst mit schweren Behinderungen in der Regel die Regelschule besuchen. Ich sage könnten, den die Regelschulen sind zum allergrößten Teil nicht darauf eingerichtet und überfordert.

    Ich selbst bin in den späten 60ern und Anfang der 70er mit teilweise schwerst körperbehinderten Schülern in eine Schule gegangen, das hat bis auf ganz wenige Ausnahmen hervorragend geklappt und der Anteil der Behinderten, die mit uns in die 5 Klasse Gymnasium eintraten und derer, die mit uns zusammen Abitur machten, war in etwa konstant, es fielen also nicht mehr oder weniger Behinderte als Nichtbehinderte aus.

    ABER das war seinerzeit eine MODELLSCHULE, d.h. sowohl, was die Einrichtung als auch die Ausbildung der Lehrer und deren Erfahrung betraf, war diese Schule auf die speziellen/zusätzlichen Bedürfnisse der behinderten Schüler abgestellt. NUR SO war es möglich, dass die Behinderten im großen und ganzen das selbe Programm wie die Nichtbehinderten bewältigen konnten und das auch nur, weil der Anteil behinderter Schüler in den Klassen 10-20% in der Regel nicht überstieg.

    Völlig gleich geht eben nicht, wenn Klassenarbeiten mangels Armen mit dem Fuß geschrieben (Zeitzugaben) oder auch z.B. wg. starker Spasmen garnicht selbst handschriftlich (Vertrauensperson, die in einem Extraraum nach Diktat schreibt bzw. den schriftlichen Teil der Arbeit ausführt und sich sonst strikt jeden Kommentars enthält) mitgeschrieben werden können und viele andere Dinge, wo Spezialregelungen greifen mussten. Ein Lehrer, der die klassische Karierre von Ausblidung und Fortbildung durchlaufen hat, ist damit schlicht überfordert und kann noch nicht mal sinnvoll beurteilen, wie die entsprechenden Hilfsmaßnahmen anzusetzen und die erbrachten Leistungen zu bewerten sind.

    @Hajo Das Problem bei geistigen oder lerntechnischen Defiziten ist nicht Inklusion oder keine Inklusion (ich bin wie die Tante der Ansicht, dass man den betroffenen Kindern nicht in jedem Fall einen Gefallen tut), sondern die fehlende ordentliche Diagnostik und Beurteilung der tatsächlichen Defizite. Das löst man aber nicht durch Zwangsinklusion sondern vorzugsweise durch Verbesserung eben dieser Misstände. Dass am Ende eine in jedem Fall optimale Lösung steht wird sich vermutlich nie erreichen lassen. Ziel sollte aber als Allererstes immer sein, für jedes Kind einen Weg zu finden auf dem es SOWOHL sein soziales ALS AuCH sein intelektuelles Potential möglichst optimal entwickeln kann. Durch blindes Inkludieren auf Teufel komm raus wird man das nicht können. Und es kann durchaus sein, dass sich das für bestimmte Kinder in einer spezialisierten Einrichtung besser erreichen lässt.

    Einem Jungen aus der Bekanntschaft mit Asperger und weiteren Problemen hätte man sicher einen größeren Gefallen getan, wenn man ihn schon nach kürzerer Zeit aus der Regelschule in eine heilpädagogische Schule gegeben hätte (die er jetzt endlich besucht, und die ihm gut tut), als ihn quälend lang in der Regelschule zu lassen, wo er hoffnungslos unterging und nun in seiner Schullaufbahn weit zurückgefallen ist.

    Inklusion ja, da wo die Inkludierten WIRKLICH profitieren, aber nicht auf Teufel komm raus.

    • Karl, ich habe mich sicherlich etwas zu lasch ausgedrückt. Selbst ich bin davon überzeugt, dass es notwendig sein kann, Kinder – na schreiben wir mal so einfach – anders zu unterrichten, aber mir fehlen da noch die Maßstäbe. Vielfach sind diejenigen, die mit diesen Entscheidungen beschäfigt sind, einfach überfordert weil emotional beeinflußt (meinst Du hicht auch?).
      Und was die „Hochbegabten“ betrifft, habe ich die Erfahrung (als Betrachter – ich bin kein Lehrer) gemacht, dass die Eltern oftmals ihre Kinder über-beurteilen, ähnlich der bekannten „Eiskunstlauf-Mütter“. Auch hier vermisse ich eine wirkliche (und finanziell unabhängige 😉 ) Institution, das OBJEKTIV zu beurteilen.

  6. Ich finde grundsätzlich nichts daran auszusetzen behinderte, hochbegabte und normale Schüler grundsätzlich zusammen zu unterrichten. Wichtig ist, dass in den Bereichen in denen es notwendig ist eine individuelle Förderung zu gewährleisten und das funktioniert im Moment nicht und wird ohne richtig viele Mittel auch nicht funktionieren.

    Nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich konnte im Alter von 30 Monaten vorwärts und rückwärts auf 100 zählen. Konnte mit 6 die Grundrechenarten spielend, habe von meinem Lehrer mit 12 den komplexen Zahlenraum erklärt bekommen und mit 20 habe ich mit meinem Professor zusammen ein doppelt so schnelles Verfahren zur Umrechnung beliebiger Fließkommazahlen zwischen verschiedenen Zahlenräume entwickelt. In Deutsch, Kunst und Musik dagegen war ich immer nur durchschnittlich. Für Mathematik und Physik hätte ich also sehr gerne einen fordernden Unterricht gehabt, bei den künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Gebieten war ich im normalen Unterricht dagegen gut aufgehoben und in französisch (und zu beginn auch in englisch) hätte mir eine besondere Förderung (um beim Durchschnitt mitzuhalten) recht gut getan.

  7. Wie heißt es so schön im Schulgesetz BaWü:

    § 1 Absatz (1):
    Der Auftrag der Schule bestimmt sich […] insbesondere daraus, daß jeder junge Mensch ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung hat und daß er zur Wahrnehmung von Verantwortung, Rechten und Pflichten in Staat und Gesellschaft sowie in der ihn umgebenden Gemeinschaft vorbereitet werden muß.

    Und genau hier ist natürlich der Knackpunkt in Sachen Inklusion: Einerseits das Recht(!) auf „eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung“ und andererseits die Vorbereitung auf Verantwortung in der Gesellschaft.
    Meines Erachtens wiegt aber das Recht hier höher – zumal die Verantwortung auch anderweitig gelehrt werden kann. Und wie Tante Jay bin ich der Ansicht, dass man mit Inklusion-um-jeden-Preis weder den Inkludierten noch den Inkludieren-sollenden Schülern einen gefallen tut.

    Wenn der erste Teil „ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage“ wenigstens mal mehr als nur ansatzweise erfüllt wäre (und das System aus Sonder-/Haupt-/Realschulen und Gymnasien endlich in alle(!) Richtungen durchlässiger wäre ja auch schon viel geholfen.

    Wobei reine körperliche Behinderungen einer Inkludierung natürlich nicht im Weg stehen dürfen, so es irgendwie machbar ist. Wobei „blind“ schon grenzwertig ist (arbeite mal mit „normalen“ visuellen Medien, inklusive Tafel). Andererseits kannte ich einen Epileptiker, der problemlos (bis zu seinem Tod) das Gymnasium besucht hat. Die Lehrer waren informiert, ein Mitschüler wusste was bei Anfällen zu tun war – fertig.

  8. Inklusion finde ich sehr positiv, wenn sie so läuft wie bei uns (Kind ist im Autismusspektrum). In der Klasse sind grundsätzlich zwei Personen anwesend (entweder zwei Lehrkräfte oder eine Lehrkraft und eine sozialpädagogische Fachkraft). Es gibt ein Miteinander mit den Eltern der Integrationskinder, kein Gegeneinander, wie es sonst mitunter der Fall ist. Die Nachteilsausgleiche sind individuell und die Lehrer sind an Infos über das Kind und die Behinderung interessiert. Warum sollte mein Kind, nur weil es jetzt eine Diagnose hat, von der „normalen“ Schule in eine Sonderschule? Intelligent genug ist es auf jeden Fall.
    Ich selbst habe nach wie vor keine Diagnose (wie viele meines Alters) und war auf der selben Schule ohne Nachteilsausgleiche – es ist also zu schaffen. Körperbehinderte Schüler gab es schon zu meiner Zeit, wir hatten auch einen Lehrer, der im Rollstuhl saß.
    Es wird aber immer Sonderschulen geben, denn es gibt schwerstmehrfachbehinderte Kinder, die sich niemals in den normalen Schulunterricht integrieren lassen könnten. Dennoch haben auch sie das Recht auf Bildung.

    • Das Recht auf Bildung habe ich auch niemandem abgesprochen, im Gegenteil.

      Man tut aber keinem Kind einen Gefallen, wenn man es in einer Schule beschult, wo man seinen besonderen Bedürfnissen nicht gerecht werden kann. Dass 2 Lehrer anwesend sind, um die besonderen Bedürfnisse eines autistischen Kindes zu berücksichtigen, ist ein absoluter Ausnahmefall. Die Regel sieht eher so aus, dass eine Lehrkraft auch behinderte Kinder unterrichten soll und das geht einfach schief, entweder fallen hier die nicht behinderten Kinder hintenrüber oder das behinderte Kind. Von den Hochbegabten fange ich hier gar nicht erst an.

      Es ist die Art, wie Inklusion als die Mutter aller Lösungen verkauft wird und dann als Grund genutzt wird, die Förderschulen abuschaffen, weil die ja Geld kosten.

      Kinder eignen sich als Sparziele nur bedingt. Denn sie sind es, die die nächste Generation hervorbringen sollen.

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