Personaleinsparungen


Die Kommunen in Deutschland sind klamm. Sie müssen sparen. Die Bezirksreigerungen wachen darüber, dass auch ordentlich gespart wird. Nur, und das sage ich erfahrungsgemäß: Der Hauptfokus an Einsparungen liegt beim Personal.

Es ist ja auch so, Beamte und Angestelle im öffentlichen Dienst machen nur Pause, trinken Kaffee und bauen nur Mist.

Soweit die Vorurteile – doch die Realität sieht oft anders aus.

Ja, es gibt sie, die Beamten, die man Kaffee trinken sieht. Die die Kaffeetasse auf dem SChreibtisch stehen haben und den Kunden vor dem Schreibtisch nicht wahrnehmen. Man ärgert sich dann drüber, viele setzen voraus, dass der Kollege dort Pause macht – und doch: Sie tun es nicht. Oft müssen sie einen Vorgang noch fertigmachen, bevor sie sich dem nächsten zuwenden. Weil sie sonst absaufen.

Denn das ist die Kehrseite der aktuellen Sparpolitik. Eine Sparpolitik die einseitig zu Lasten der Beschäftigten geht. Stellen, die frei werden, werden häufig nicht neu besetzt. Die Arbeit wird auf andere Mitarbeiter verteilt. Und man verkennt sehr häufig, dass diese Politik nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen KANN, weil man sonst die Leute überfordert.

Beispiel einer kleinen Stadt am Rande der Großstadt. Hier sind knapp an die 400 Leute beschäftigt. Und es gibt bereits jetzt Abteilungen, die nicht mehr wissen, wie sie die Arbeit noch bewältigen sollen. Ziel der Verwaltung ist es, weitere 100 Stellen einzusparen. Also 1/4 der Belegschaft soll abgebaut werden. Falls ich das richtig gerechnet habe 😛

Diese 100 Leute sitzen doch heute nicht da und schaukeln auf Omas Schaukelstuhl hin und her. Die haben handfeste Aufgaben, die zum Teil zeitraubend sind, die fast immer aber eine längere Einarbeitungszeit benötigen, weil die Materie, mit der sie sich beschäftigen, so umfangreich ist. Bitte vergesst nicht, dass hier hochausgebildete Leute sitzen.

Egal, ob es um Erschließungsbeiträge geht, um Sozialhilfe (jaja, Grundsicherung), Musikschule, VHS – wo du hinguckst, ist „Arbeit“ drin. Und bei der aktuellen Arbeitsverdichtung sollen nochmal 100 Stellein eingespart werden? Wie soll denn die Arbeit noch erledigt werden ohne dass es negative Auswirkungen hat?

Es sind ja nur Beamte, die nix tun? Naja, so kann man es wirklich nicht immer sehen, meint ihr nicht?

Disclaimer, weil der ja immer notwendig ist:

Natürlich gibts in jeder Verwaltung die Leute, die die Kunst der arbeitenden Freizeit kultiviert haben. Aber die gibts auch in der freien Wirtschaft, vor allen in Großbetrieben mit vielen Angestellten. Und die sind da auch oft viele Jahre beschäftigt, ebenso wie in der Verwaltung. Da einseitig auf „die Beamten“ zu zeigen ist zu kurz gegriffen. Aber jo, *deren* Stellen kann man einsparen. Aber das sind in einem 400-Mann-Betrieb keine 25%.

 

 

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Veröffentlicht am 20. September 2012, in Bürotratsch. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. du hast richtig gerechnet.

    Das ist übrigens immer das Problem: es gibt in allen Berufen Zeiten und Tätigkeiten, bei denen der Laie nicht viel sieht. Ich hab mich früher auch immer gewundert, warum bestimmte Vorgänge so lange dauern. Seit ich weiss, was wirklich dahintersteckt (und sei’s nur an Koordination, damit es nachher nicht an zig anderen Stellen schiefläuft) sehe ich das realistischer. Und der Kollege, der am meisten Kaffee trinkt und plauscht ist dann auch nicht selten der, der abends (ohne es abzurechnen) länger bleibt und letztlich mehr schafft als die, die pünktlich gehen aber daür den ganzen Tag „arbeiten“.

    Und dann ist es natürlich auch so wie du beschrieben hast: dauernd die Arbeit zu unterbrechen sobald jemand da steht oder ein Anruf reinkommt braucht letztlich mehr Zeit als wenn der Besucher einem Zeit gibt, eine sinnvolle Unterbrechungsstelle zu finden.

  2. Nett finde ich in diesem Zusammenhang auch die Praxis in einigen Ämtern, nicht nur kommunalen, des öfteren die Mitarbeiter auszutauschen, äh, will sagen, neue Ansprechpartner für den Wicht, äh, Bürger, nee, Kunden bereitzustellen, damit bloß bei längerwierigen Dingen keine Kontinuität erkennbar ist und der Amtsmitarbeiter bloß nicht genau weiß, worum’s geht.

    Nicht dass da noch jemand auf die Idee kommt, Ämter konnten für die Bürger arbeiten…

  3. ein anderer Stefan

    Tantchen, Du sprichst mir aus der Seele. Was vielfach auch gar nicht bekannt ist: Es ist ja immer wieder von „Verwaltungsvereinfachung“ die Rede, mit dem Stichwort werden dann z.B. Bezirksregierungen abgeschafft. (so in Niedersachsen) Nur: Viele der Aufgaben können nicht abgeschafft werden, weil sie gesetzlich vorgeschrieben sind. Und dann landen sie bei den Kommunen – natürlich ohne mehr Personal oder Geld zur Erfüllung der Aufgaben.
    Natürlich gibt es die Kaffeetrinker, Zeitungsleser, Drückeberger, Frühstücksdirektoren usw. auf allen Ebenen der Verwaltung. Aber die vielen, die sich den A… aufreißen, um ihre Arbeit gut zu erledigen, und früher oder später entweder zusammenklappen oder resignieren und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, die sieht keiner von außen. Fehlende Anerkennung, sowohl innerhalb der Behörden wie auch außerhalb, oftmals mangelnde berufliche Perspektiven und seit einigen Jahren auch der Trend im öD, möglichst geringe Gehälter zu zahlen (Stichwort Sparzwang), machen es nicht eben besser. Meiner Meinung nach ist das Ende der möglichen Einsparungen schon lange erreicht. Es müssen immer mehr und immer komplexere Gesetze mit immer weniger Personal umgesetzt werden – wie soll das bitte gehen?

    • Du sprichst ein anderes Problem an: Die fehlende Motivation. Wo soll die auch herkommen?

      Von Bürgern und Vorgesetzten bekommt man oft genug gleichermaßen auf die Schnauze und zwar richtig. Aufstiegschancen? Fehlanzeige, weil ja Beförderungsstopp herrscht und das schon oft seit vielen Jahren.

      Dazu kommt, dass man oft sieht, dass man eigentlich nur auf dem falschen Platz steht, würde man die richtigen Leute kennen oder einen anderen Job haben, würde man ja durchaus befördert werden, da werden dann trotz Beförderungsstopp Gründe gefunden, wie man doch noch Leuten mehr Geld zukommen lassen kann.

      Und das frustriert. Hochgradig. Und da hilft auch nicht, wenn man dann aufwendig versucht, das mit Runden Tischen oder Arbeitsgruppen zu ändern. Die Struktur im öD ist da nicht für geeignet. Selbst Teamarbeit ist ja nicht das Gelbe vom Ei, weil Teamarbeit eigentlich nur heißt: Ihr macht die Arbeit und tragt die Verantwortung als Team, aber die Lorbeeren, die sind für den Chef.

      Ich hatte einen anderen Chef, der das nicht so gesehen hat – und das war eine echte Ausnahme.

      • ein anderer Stefan

        Ja, Motivation ist auch ein gutes Stichwort. Es muss ja nicht mal Geld sein (die Hoffnung haben die meisten schon lange aufgegeben, und der TVöD ist totaler Murks), aber so lange sich bei den meisten Vorgesetzten immer noch die Maxime „Nicht kritisiert ist genug gelobt“ hält, ist es ja kein Wunder, dass viele Leute im öD keine Lust mehr auf ihren Job haben. Ich habe schon Vorgesetzte erlebt, da habe ich mich ernsthaft gefragt, ob man bewusst die für den Job am wenigsten geeigneten Bewerber gewählt hat – keine Ahnung von Personalführung oder dem Umgang mit MItarbeitern, mitunter scheiterts schon an grundlegenden sozialen Kompetenzen.

        Was bringt denn Motivation im Job? Erfolgserlebnisse? Die öffentliche Verwaltung ist dazu da, Gesetze in die Praxis umzusetzen. Dass das nicht immer erfreulich für die Betroffenen ist, liegt auf der Hand. Somit sind die Erfolgserlebnisse in manchen Bereichen nicht einfach zu kriegen. Gute Führungsqualitäten? siehe oben, sind die Ausnahme. Geld? Ham wa gelacht. Die leistungsabhängig Vergütung nach TVöD klappt eh nicht, weil es keine Kriterien gibt – und auch nicht geben kann, weil wir ja nix verkaufen, sondern drauf warten, dass der Bürger mit einem Anliegen zu uns kommt. Wonach will man da leistungsabhängig vergüten? Fallzahlen, die der Mitarbeiter nicht beeinflussen kann? Bedruckte Papierseiten? Eingenommene Gebühren? Überstunden?

        In der Regel ist man im öD auf Eigenmotivation angewiesen, und das wird mit übersichtlichen Gehaltszuwächsen einerseits und zunehmender Arbeitsverdichtung andererseits nicht eben einfacher.

  4. Natürlich gibt es solche und solche, sowohl auf’m Amt als auch in der Wirtschaft.

    Es gibt die, wie der Mann der Stadverwaltung, der sich 2 Stunden für uns Zeit nahm, Dinge zu klären, die so in der Wasser- und Abwassersatzung offensichtlich nicht vorgesehen waren, obwohl er gerade den ersten Tag nach seinem Urlaub hatte und den Tisch sichtbar voller Arbeit, sichtbar zufrieden war uns geholfen zu haben, auch wenn wir noch nicht alles vollständig klären konnten.

    Es gibt auch die, die einen spüren lassen (wollen), dass man der letzte Arsch und auf sie angewiesen ist. Von denen hab ich leider auch schon etliche kennengelernt.

    Und es gibt auch die, die gern arbeiten wollten aber irgendwo auf eine Position abgeschoben wurden, wo sie keine Kompetenzen und praktisch nichts zu tun mehr haben, weil sie nicht wohlgelitten oder zu unbequen geworden sind, so geschehen, mit einigen Finanzbeamten in unserem schönen Hessenland, die ihre Nase zu tief in die falschen Akten gesteckt hatten.

  5. Ach ja, die Kaffeetrinker. Gibt es überall, nicht nur bei den Beamten oder den Behörden. Aber es wird immer Leute geben, die ein System zu nutzen wissen und andere, die das nicht wissen. Und dann gibt es immer die, die ein System auszunutzen wissen – ohne, dass es irgendwie denen zum Schaden gereicht. Leider. Aber sinnlos, sich darüber aufzuregen, denn das ändert nix.

    Ändern können es nur die, die es ausnutzen. Mit ihrer Einstellung.

    Dass der Staat sich kaputtspart, ist doch schon länger klar. Geht halt zu wie in einigen Firmen. Entweder zahlt man den Leuten zu wenig oder stellt sie erst gar nicht ein und verteilt die Arbeit eben auf andere. Dass man damit die Motivation zunichte macht und auch die Kaufkraft nicht gerade erhöht, das ist doch egal. Hauptsache sparen. Dass das letztendlich doch wieder zu Lasten des Staates (und ggf. zu Lasten der Firma) geht, bekommen viele nicht in ihr Hirn. Und die Vorstände in den Firmen wollen das da auch gar nicth haben. Was sollen sie sich für so etwas interessieren? Den Anteilseigner interessiert nur die Kohle, die er macht (den Staat auch). Und Vorstände sind nur ein paar Jahre da – danach haben sie eh genug Geld/Pensionsansprüche/whatever – da ist das eh egal. Nach mir die Sintflut – eine völlig falsche, aber oft verbreitete Einstellung.

  6. Das gibts ja nicht nur in den Kommunen. In Unternehmen wird ja oft auch so verfahren wenn der nette Unternehmensberater kommt oder kurzfristig Gewinnerwartungen nach oben geschraubt werden müssen.
    So kann sich mancher Manager einen netten Bonus einfangen, da er ja ordentlich eingespart hat und Personal ja nur kostet.

    In Unternehmen und auch Kommunen beliebt ist dann meist das Auslagern oder Abtreten von Bereichen, da trifft die Kostenstelle Personal nicht mehr zu sonder das geht auf externe Leistungskosten. Das ist ja dann auch was ganz anderes.

    Bei den Amis ja auch sehr beliebt ist dann immer das große Privatisieren aller möglichen Leistungen.

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