Aufregung im Blogwald


Au weia möchte man sagen. Udo Vetter vom Lawblog hats gewagt, die Ernte für seine jahrelange Schreiberei einzufahren und zu gucken, ob er die Kosten fürs Blog refinanziert bekommt. Denn, das muss man sich nun mal auch mal vor Augen halten: Blogger wie Udo Vetter, Tom vom Bestatterweblog oder auch Björn Harste vom Shopblog haben inzwischen eine immense Reichweite (bei Udo Vetter kursieren Zahlen von 50.000 Klicks pro Tag, Tom dürfte nicht viel drunter liegen und beim Shopblogger kann ich nur raten).

Das handelt man nicht mehr mit einem Klick-mich-zusammen-Wordpress-Blog ab. Nicht mal annähernd.

Was muss so eine WordPress-Installation alles abfangen? Nicht nur die Klicks auf die Startseite und auf die jeweiligen Artikel, die dann schnell und ohne größere Wartezeit zur Verfügung gestellt werden müssen, es müssen auch die internen Spamfilter schnell anspringen und Spamkommentare zumindest vorsortieren. Es müssen Mails auf Anforderung verschickt werden und außerdem müssen Updates schnell und komplikationslos aufgespielt werden.

Bei einer derartigen Reichweite, wie sie das Lawblog haben dürfte, braucht man eine Uptime von nahezu 99%, die Leute, die jetzt wegen verlorener Unabhängigkeit maulen sind nämlich die ersten, die dann brüllen, wenn ihnen ihr Blogstoff auf einmal fehlt.

Das alles handelt man nicht mal eben mit einem kleinen Rootserver von einem Hoster ab. Die Hardware dürfte da schon einiges an Wumms haben und die Anbindung ans Internet dürfte auch eher einem C-Rohr als einer ISDN-Leitung gleichen. sonst wären die Reaktionszeiten bei den Zugriffszahlen einfach viel höher.

Das sind Kosten. Hinzu kommt, dass Udo Vetter ein eigenes, auf ihn zugeschnittenes CSS hat. Das hat er bezahlt, die laufende Wartung und Anpassungen an laufende WordPress-Updates muss er auch bezahlen. Bloggen mit solchen Klickzahlen ist kein günstig zu bekommendes Hobby. Und Udo Vetter ist Unternehmer. Ist mal irgendwem aufgefallen, dass das Lawblog völlig frei von jedweder Werbung war? Was glaubt ihr eigentlich, wie sich das finanziert? Flattr? Ne, oder?

Die Artikel im Lawblog sind, nach allem, was ich bislang lesen konnte, fachlich fundiert. Herr Vetter nimmt sich dafür Zeit, er recherchiert, liest Urteile und formuliert dann saubere Artikel mit eigenem „Vetter-Charme“. Und manchmal plaudert er (mit Genehmigung der jeweiligen Mandanten) auch aus dem Nähkästchen.

Was glauben eigentlich die ganzen Leute, die jetzt „fehlende Unabhängigkeit“ rufen, wovon er denn so lebt? Denn in der Zeit, die er für einen Artikel aufwendet, kann er z.b. nicht als Strafverteidiger arbeiten. Er hat da keine Einnahmen. Als Unternehmer braucht er die aber, um seinen Laden am Laufen zu halten.

Monetarisierung ist das Stichwort und mich persönlich wundert es absolut, dass er das nicht schon früher gemacht hat. Man kann sein Hobby nur bis zu einem gewissen Punkt finanzieren, irgendwann muss man gucken, wie man Gelder wieder reinbekommt. Werbeeinblendungen? Google Adsense? Yay, da hätte ich doch mal den Aufschrei hören mögen. Ein kostenfreies Blog mit guten Artikeln und dann WÄRBUNK?

Abzocker elender – DAS wäre doch die Reaktion gewesen.

Ne Paywall? Kloar, aber nur, wenn man das Projekt, in das man so liebevoll viel Zeit und Geld investiert hat, endgültig abschießen will.

Der Weg, den Udo Vetter gegangen ist in seiner Kooperation mit der ARAG, ist ein schöner Mittelweg. Er bekommt von der PR-Abteilung Kohle rein, die ARAG kriegt mal wieder gute Publicity und wenn die da Artikelschreiber haben, die auch was taugen, kann das eine echte Bereicherung werden. Und, unter uns Klosterschwestern: Udo Vetter darf Geld verdienen. Ehrlich. Der ist erwachsen. Und das ist sein Laden.

„Ja, aber die Unabhängigkeiiiiiiiiit“.

Leute, BITTE. Mit DEM Argument kann man jeden einzelnen Journalisten, der für einen Verlag in Festanstellung arbeitet oder auch als Freiberufler seine Artikel verkauft (ieh, der will ja nur Geld verdienen der elende Mietling) als nicht mehr unabhängig genug bezeichnen, um kritische Artikel zum Verlagswesen zu verfassen (OK, ich glaube, das können die meisten echt nicht, aber das ist jetzt nicht das Thema).

Zu den Vorwürfen, es würden „1-Euro-Kräfte“ im Hintergrund kritische Kommentare schrubben, bekomme ich einen Lachanfall – das ist so dermaßen abstrus, dass man sich nur noch an den Kopf packen kann. Ehrlich Leute – DAS kann der Maschinenraum auch alleine, viel wahrscheinlicher ist, dass da jemand gepostet hat und der Spamfilter angesprungen ist. Aber weil er ja jetzt ein „ARAG“-Mietling ist und das ein „sachlich fundierter kritischer Bericht über die ARAG war“ musste das ja jetzt gelöscht werden. „sachlich fundiert“ my ass, wenn die Qualität dieses viral verbreiteten Leserkommentars ein Hinweis auf die Qualität des „sachlich fundierten kritischen Berichts über die ARAG“ war, dann ist die Bildzeitung ab sofort ein Qualitätsmedium.

Und es wird vor allem nicht wahrer.

Geradezu lachhaft wird es übrigens, wie ich bei Twitter verfolgen konnte, wenn eine Dramaqueen in den Kommentaren vollmundig verkündet, dass man doch *jetzt* den Feedreader löscht und dass das einzig und alleine die Schuld von Herrn Vetter ist – um sich dann 20 min. später zu beschweren, wo denn der Kommentar bleibt, den man abgeschickt hat. *headshot*

Übrigens hat Tom sich darüber auch mal aufgeregt – und recht hat er, der Mann.

Leute, haltet den Ball flach, das Lawblog wird sich verändern – so what? Wir sind im Informationszeitalter. Wenn ihr keine Veränderungen wollt, dann kauft euch Hammer und Meißel und sehr viele Steintafeln.

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Veröffentlicht am 13. September 2012, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. ein anderer Stefan

    Toll sind die Kommentare, die gleich total negativ rumätzen, ohne überhaupt abzuwarten, wie sich das tatsächlich darstellt. Und es wird immer noch niemand gezwungen, einen bestimmten Beitrag oder Blog zu lesen. Rumpöblen können se, aber wenns mal nicht nach ihrer Mütze läuft, sind sie wie kleine Kinder.

  2. Stimme vollkommen zu, je besser, fundierter und interessanter ein Blog ist, desto mehr Arbeit macht er – und wenn man den Rahmen des normalen Hobby-Blogs übersteigt, dann kann es auch ruhig kosten. Wie schon von dir angeführt, geht ja auch keiner zur Arbeit und lehnt den Gehaltsscheck am Ende des Monats ab….

  3. Ich schließe mich lediglich den Kommentaren an, die das Kindergartenniveau des ersten ARAG-Beitrages bemängeln. Ich würde mich über Versicherungsbeiträge im Vetter-Stil freuen. Wenn nicht, dann ist das halt Pech für den Leser, der sich dann an den anderen Artikeln erfreuen/aufregen/abreagieren (warum auch immer man die liest) kann.
    Bleibt zudem jedem selbst überlassen, wie er sein Geld verdient: Selbst anrüchige Sachen wie Rechtsanwalt, Politiker oder Bänker sind ja gesellschaftlich akzeptiert 😉

    • Würde sagen, dass die Versicherung das Interesse hat, mit ihren Informationshäppchen Versicherungen zu verkaufen.
      Auch wenn das Niveau nicht das Höchste ist, so sind doch ’n paar Sachen dabei, die man sich merken kann.
      Vielleicht wird’s ja noch besser 😀

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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