Feminismus


„Warum Feminismus kein Schimpfwort ist“, erklärt uns eine junge Studentin aus den USA.

Und sie macht dann auch direkt völlig richtig, die aktuellen Baustellen auf: Wir haben zuviel Kim Kardashian aber zuwenig Hilary Clinton.

Soweit, so gut, aber…

ganz so einfach ist das ganze ja nun doch nicht.

Wir haben hier Gott sei dank keine fanatischen Evangelikalen, die Abtreibung und Verhütung am liebsten mit der Todesstrafe bestrafen würden, weil es ja Mord ist. Unsere Fanatiker sind hier zwar auch nicht ohne, aber gegen die Fanatiker in den USA wirkt das hier doch eher wie ein Kindergeburtstag.

Für die USA sind ihre Forderungen daher auch richtig und wichtig, dass sind alles Dinge, die sich dort ändern müssen.

Doch für Deutschland sieht das in Teilbereichen ganz anders aus. Und man darf nicht den Fehler machen, die beiden Länder, die zwar westlich orientiert sind aber doch eine ganz andere Kultur haben, gleichzustellen.

In den USA ist das Rollenverhalten noch unglaublich ausgeprägt. Frauen, die ihren „Mann“ im Beruf stehen sind nicht selten Singles, die Männer geradezu abschrecken. Wenn eine Frau selbstbewusst verkündet, dass sie für sich selbst sorgen kann und einen Partner sucht, dann sind die meisten Männer schneller weg als eine Ratte aus dem Aquädukt – welchen Sinn haben sie denn noch, wenn nicht als Beschützer der Frauen.

Leute, ihr glaubt nicht, was für Blicke ich geerntet habe, weil ich meine Autotür SELBST geöffnet und nicht gewartet habe, bis der Herr sie mir aufhielt. Einer meinte „tu das nicht, ich seh aus wie ein frauenhassender Trottel“.

Es ist diese Haltung, dass Frauen beschützt werden müssen (auch vor sich selbst), dass Frauen nach wie vor nicht fähig sind, für sich selbst zu entscheiden (und die es darum auch nicht tun), die die Stimmung in der amerikanischen Mittelschicht bestimmt.

Sehr deutlich wird das anhand der Geschichte einer meiner Freundinnen dort (ja, sie ist eine Freundin, nicht nur eine Bekannte): Sie war verheiratet. Ihr Mann war, nett ausgedrückt, nicht gut zu ihr. Er hat sie zwar nicht geschlagen, aber permanent beleidigt, er war drogenabhängig und hat das Geld, dass sie heimgebracht hat, für sein Kokain ausgegeben.

Sie hat mir das mal geschildert und sie meinte: „Ich will nicht mehr mit ihm zusammensein, aber ich weiß nicht wieso ich die Scheidung nicht auf die Kette bekomme“. Meine Lösung war recht einfach, ich hatte Distanz und ich konnte offenbar die Dinge klarer sehen. Denn eine verheiratete Frau hat in der Gesellschaft dort, egal wie schlecht die Ehe ist, immer noch einen anderen Respektsstatus als eine geschiedene. Geschiedene Frauen sind die Versager, sie haben versagt, die Ehe zu retten, es ist *immer* ihre Schuld.

Sie hat kurz danach die Scheidung eingereicht 😉

Aber diese Mentalität haben wir hier spätestens mit den 70ern hinter uns gelassen.

Das passt auf uns nicht mehr. Klar, es gibt genug Leute, die die Zeiten gerne zurückhätten, aber DIE Uhr läßt sich nicht mehr zurückdrehen. Bei uns muss der Feminismus abgestellt werden und das schnellstens. Er muss ersetzt werden durch Gleichberechtigung. Und zwar für beide Geschlechter.

Es ist doch so, dass Frauen inzwischen auf Posten befördert werden, nur damit die Frauenquote stimmt. Nach Qualifikation guckt da kaum noch einer. Man sieht das sehr gut an der Telekom. Da sitzen oft Frauen an Positionen, mit denen sie überfordert sind während die Männer, die das gelernt haben und leisten könnten, auf untergeordneten Posten sitzen und deswegen Frust schieben.

Die Folgen dieser Konstellationen sind für beide Parteien katastrophal. Wenn du einen Job hast, der dich überfordert, dann bist du nicht glücklich. Du kriegst vielleicht mehr Geld, aber das allein reicht nicht, um dich in dem Job, den du nun mal den Großteil deiner Zeit ausfüllst, zufriedenzustellen. Mehr Geld ist meist nur eine kurze Motivation, die Langzeitmotivation bezieht *jeder* daraus, dass er gerne tut, was er tut.

Unterfordert dich der Job oder wird dir jemand vorgezogen, von dem du WEISST, dass er überfordert ist, dann ist das genauso katastrophal. Du weißt genau, dass du es besser könntest, dass du die Stelle besser ausfüllen könntest – und das frustriert. Motivation für den Job geht schnell gen Null.

Und auch gesellschaftlich gibt das gemischte Signale in alle Richtungen.

Nach wie vor sind es überwiegend die Männer, die die Familie ernähren. Die arbeiten gehen, während die Frau im Zweifel zu Hause bleibt und sich um den Nachwuchs kümmert. Das Konzept „Hausmann“ wird von den meisten nach wie vor mit „Weichei“ gleichgesetzt.

Wir halten also fest: Männer haben inzwischen gerade im mittleren Management die geringeren Aufstiegschancen – aber sie sind diejenigen, die die Familien und die Kinder finanzieren.

Demzufolge reicht das Familieneinkommen oft nicht aus und die Frau muss mitarbeiten. Was zu Kindern führt, die oft in jungen Jahren sich selbst überlassen sind. Mit allen katastrophalen Nebenwirkungen wie Bindungslosigkeit, Verletzlichkeit vor Übergriffen und Vernachlässigung.

Wir müssen aufhören, diese gemischten Signale zu geben. Wir können nicht einerseits von den Frauen verlangen, dass sie im Management sitzen und andererseits weiterhin erwarten, dass sie die Familie am Laufen halten. Wir können Männer nicht länger auf die Art ausgrenzen – es hängt nicht nur an den Frauen, Männer sind auch noch da, sie wollen Verantwortung übernehmen, doch sie werden systematisch von der gesellschaftlichen Verantwortung rausgedrängt.

Sie können nicht aufsteigen (WENN sie denn einen Job haben), aber Hausmann und Familienvater ist genauso wenig gesellschaftlich anerkannt. Ihnen stehen viele Berufe nicht offen, einerseits, weil sie absolut unterbezahlt sind und dem Ziel „Familie ernähren“ widersprechen und andererseits, weil sie in diesen Berufen immer mit einem Bein im Knast stehen.

Kindergärtner zum Beispiel. Wechsel als männlicher Kindergärtner doch mal einem weiblichen Kleinkind die Windeln und lass das die richtige Mutter sehen. Schwupps hast ne Klage wegen sexuellem Missbrauch am Bein.

Das sind Fehlentwicklungen, die es zu korrigieren gilt. Es fehlt die Erkenntnis, dass Männer das gleiche Recht und die gleiche Pflicht an der Gestaltung unserer Gesellschaft haben wie die Frauen auch.

Und die Erkenntnis, dass Gleichberechtigung erst dann erreicht ist, wenn das Geschlecht wirklich keine Rolle mehr spielt. Egal, ob X oder Y-Chromosom. DAS ist es, was sich ändern muss. Aber das wird sich nicht ändern, wenn wir weiter auf „Flexiquote“ oder „Frauenquote“ bestehen, denn so werden die Unterschiede nur noch zementiert.

Und DAS zerstört unsere Gesellschaft nachhaltiger als jeder Misanthrop in Führungsebenen.

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Veröffentlicht am 6. September 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 17 Kommentare.

  1. Tantchen, eigentlich sollte man dich für diese Zusammenfassung küssen. Eigentlich genial das Problem skizziert.

    Nur verschärft sich das ganze Bild aus der „männlichen“ Perspektive sogar noch etwas in Deutschland:

    1. Du sprachst den „Kindergärtner“ an. Männlichen Verwandten wurde schon in den 80ern und 90ern eine gewisse Pädophilie unterstellt. Und das schlimme: Es wurde auch ein Stück in die Gedankenprägung eingehämmert. Ich bin Onkel und es ist heute noch schwierig für mich, meine Nichte ins Bett zu bringen. Der Umgang wird dadurch verkrampft und die Kinder merken es und bekommen den Eindruck, sie würden nicht geliebt werden.
    2. Männer wissen heute auch teilw. nicht mehr, wie sie sich nun verhalten sollen. Einerseits sollen sie Gentlemen und Machos sein. Zumindest habe ich manches mal den Eindruck, Frauen lassen sich von den Machos Kinder anhängen und die Gentlemen sollen dann die Erziehung der „Kuckucksbrut“ übernehmen. Sorry Ladies, das funktioniert irgendwie nicht…
    3. Männer spielen und kämpfen im Allgemeinen gerne. Aber statt den Jungs die Regeln und Fairness beizubringen und in die „Männergesellschaft“ einzuführen, wird dem männlichen Teil unserer Gesellschaft geradezu verboten, etwas derartiges aufzubauen. Nimmt ein Mann einen Paintball-Markierer in die Hand, geht gleich wieder der Aufschrei herum „Kriegstreiberei“.

    Um ehrlich zu sein, wie wir diese Balance zwischen Männer- und Frauenangelegenheiten hin bekommen sollen, weiß ich nicht. Ein Zurück kann es auch nicht geben. Aber es fängt zumindest mit Respekt an, der Respekt vor den Möglichkeiten und Interessen der einzelnen Person, und der Respekt auch vor den Einschränkungen der Physis des Einzelnen.

  2. Ich denke man sollte aber nicht einfach wegdiskutieren, dass es eben sehr wenige Frauen in den „oberen Etagen“, gerade bei größeren Firmen, gibt. Diest liegt meiner Meinung nach daran, dass viele Frauen „ausgesiebt“ werden weil sie Kinder bekommen könn(t)en und sich meistens Frauen auch nach der Geburt mehr um die Kinder kümmern. Hier muss sich aber auch die Gesellschaft ändern.

    Es darf kein Problem sein, Kinder zu kriegen. Weder für die Frau noch für den Mann. Die Gesellschaft muss sich dahin gehend verändern, dass es normal ist, dass man neben dem Studium/der Ausbildung/dem Beruf Kinder kriegen kann. Warum neben dem Studium? Ganz einfach, lebt man nach dem credo, erst Ausbildung/Studium dann Kind, kommt man schnell an dem Punkt wo man ca. 30 ist und erst am Anfang des Berufslebens steht. Und dann kommen oft immer noch keine Kinder, nein. Man kriegt erst mal ein „Einstiegsgehalt“ oder wird einfach so bescheiden bezahlt, dass man sich eine Familie jahrelang nicht leisten kann. Wie soll man bitte Karriere machen, und sich um seine Familie ordentlich kümmern? Bekommt man früh Kinder, kann man erst später studieren, kommt später ins Berufsleben und steigt erst ganz spät auf (wenn überhaupt). Kriegt man spät Kinder, passiert das gleiche, man verpasst eben die Aufstiegschancen und steigt auch zu spät auf.

    Fauen sind hier natürlich benachteiligter, da sie gesellschaftlich mehr für die Kinder da zu sein haben. Eine Quote könnte hier tatsächlich helfen. Es dürfte aber eben keine allgemeine sein, sondern eine die die höheren Posten betrifft. Kein Firmenchef/Vorstand/wasauchimmer würde irgen eine unqualifizierte Frau nehmen um diese Quote zu erfüllen. Dafür wären diese Positionen zu wichtig. Man würde schon qualifizierte Frauen finden. Schweden (oder war es Finnland?) hat gezeigt wie es geht, mit Quote.

    Ich bin eig. kein Fan von Quoten, auch wenn sich das jetzt evtl. anders ließt. Das Problem ist aber dass sich von selbst nie etwas tun wird. Und mir geht es auch nicht um den Kindergartenerzieher (ich kenne übrigens einen, da gibt es keine Pobleme) sondern wirklich nur um die Stellen in höheren Positionen.
    Es darf übrigens auch kein Problem mehr sein, wenn eben der Mann im Beruf etwas zurück treten muss, wegen den Kindern. Ich bin alleinerziehender Papa und werde wohl in naher Zukunft beruflich nicht sehr aufsteigen können, da ich sonst gar keine Zeit mehr für meine Tochter hätte.

  3. Wer zum Geier ist Kim Kardashian??? Und was ist das Problem mit ihr? Kann mich mal bitte jemand aufklären…?

  4. also, ich bin der Meinung, Frauen gehören an .. (Apfeltaste + Pfeiltaste rechts) .. „ja, Schatz, ich schreibe gerade die Rechnung an xyz, damit Du endlich zu Deinen neuen Schuhen kommst ..“
    😀

    Ich denke, was Kultur betrifft, sind Europäer – insbesondere „die“ Deutschen – meilenweit von den Bewohnern des Landes jenseits des großen Teiches entfernt
    .. vermutlich weiter als die Bewohner von Papua-Neuguinea oder so 😉

    nur, liebes Tantchen, das wird sich so lange nicht ändern, wie es „versorgungsbedürftige“ Mädels und Macho-Typen gibt und die Werbefuzzies in dieses Horn stoßen
    .. also voraussichtlich nie 😦

  5. Der letzte Mann, der glaubte er müsse mich beschützen wurde das überraschte Opfer einer spontanen Ritterin – Drachin Grillparty und beschwert sich bis heute über den unsachgemäßen Gebrauch von Knoblauch. Der Kollege, der meinte „Komm laß da mal einen Mann ran“ musste sich Teile des anzuschliessenden Druckers operativ aus der Nase entfernen lassen … dumm das es ein DinA3 Drucker war. Und der Typ, der meinte mir einen Vortrag über die Funktionsweise des Internets halten zu müssen bekam einen sehr maliziösen Blick und ein leises „Hüstel … nicht dein Ernst, oder?“
    Hm, ich werde milder mit dem Alter – was auch daran liegt das die ganz drastischen Maßnahmen heute oft nimmer so angemessen wären. Trotzdem liegt da noch einiges im argen, von beiden Seiten aus gesehen, weshalb eine Quote von der Hand zu weisen ist. Jedoch nicht nur was die Frauen in gehobenen Positionen angeht, sondern auch was die Männer in erzieherischen Berufen betrifft. Denn, es gibt mehr Frauen in gehobenen Positionen als Männer im Kindergarten … vermutlich sogar mehr als Lehrer in der Grundschule und spätestens DA hätten die Jungs auch mal einen männlichen Ansprechpartner.

    Nicht ganz uninteressanter Nebenpunkt: Als ich mal mit meiner Großmutter über das Thema Frauen, Beruf usw. sprach, meinte die „Früher war es normal, das die Frauen gearbeitet haben- ob das nun auf dem Feld war oder im heimischen Betrieb oder mit eigenen Kleingewerbe. Und die jungen Mädchen haben auch nicht rumgehockt und darauf gewartet geheiratet zu werden, sondern nahmen eine Stelle an und zogen erstmal vom zuhause weg.Na ja, bis auf die ganze faulen und die echt Dummen.“
    Und in der Tat: Meine Urgroßmutter hatte ihre eigene kleine Schneiderei und meine Großmutter zog als junges Mädchen vom Land nach Berlin und arbeitete dort. Meine Mutter studierte und war lange Zeit die Hauptverdienerin der Familie. Und von der väterlichen Seite sehe ich auch lauter Frauen, die mehr taten als am Herd zu stehen. Abgesehen von der einen Ururgroßmutter, die eine Hauswirtschaftsschule mitleitete, sozusagen beruflich am Herd stand. ^^

    • [quote] Als ich mal mit meiner Großmutter über das Thema Frauen, Beruf usw. sprach, meinte die “Früher war es normal, das die Frauen gearbeitet haben- ob das nun auf dem Feld war oder im heimischen Betrieb oder mit eigenen Kleingewerbe. Und die jungen Mädchen haben auch nicht rumgehockt und darauf gewartet geheiratet zu werden, sondern nahmen eine Stelle an und zogen erstmal vom zuhause weg.Na ja, bis auf die ganze faulen und die echt Dummen.”[/quote]

      Diese heile Welt der Mutter als Heimchen am Herd wurde vor allem in der Zeit des Wirtschaftswunders probagiert. In der Zeit der Industrialisierung bis hin zum dritten Reich fanden sich in den Fabriken mehr Frauen als Arbeiter als Männer. Leider sehr lange auch Kinder. Und in der Landwirtschaft packten die Frauen eh schon immer voll mit an – die waren genauso auf dem Feld wie die Männer und schufteten mit.

      Nur war Frauen ein Besuch von Universitäten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beinahe unmöglich. Berufstätigkeit an sich – Unternehmertum eingeschlossen – war aber durchaus normal. Zu Hause blieben nur die Frauen in wohlhabenden Familien, die Schicht, die auch heute noch von Beruf Tochter oder Ehefrau ist.

  6. Noch ergänzend zu Tantchen das, was mir noch dazu einfällt:

    Frauenquoten. Einerseits ist es richtig, dass qualifizierte Frauen teilweise aus Unternehmen gemobbt werden oder nicht aufsteigen, weil sie schwanger wurden oder auch weil sie es (he, sie hat geheiratet!) werden könnten (beides im privaten Umfeld erlebt). Alle Frauen arbeiteten übrigens nicht in traditionellen „Frauenbereichen“, sondern Bankwesen, IT bzw. Maschinenbau. Damit vergeben die Unternehmen Chancen, sie verlieren Mitarbeiterinnen, in deren Ausbildung sie ja schon lange gezahlt haben, ohne Not. Scheinbar können sie sich das (noch?) leisten.
    Andererseits gibt es Versuche, diese Phänomene durch Quoten in den Griff zu kriegen. Oder durch „Bewerbungen von Frauen oder Schwerbehinderten werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt behandelt“ – was schon eine Frechheit an sich ist. „Frauen und Schwerbehinderte“. Ah ja.
    Damit werden – wie es Tantchen schon schrieb – teilweise die falschen befördert. Andererseits macht es den Qualifizierten, die unter genau diese Klauseln fallen, auch nicht leichter: „Die Müller hat den Job ja nur gekriegt, weil sie eine Frau ist. Der Maier ist viel besser!“ Super. Die Müller kann wesentlich besser sein – den Geruch der Frauenprotektion kriegt sie so schnell nicht mehr los.
    So eine ähnliche Diskussion habe ich heute bezüglich der anstehenden Besetzung einer vakanten Stelle bei uns im Haus auch gehört: „Es haben sich ja der Huber hier vom Haus und die Schmitt von auswärts beworben. Aber da ja die Frauenquote hoch soll, wird es wohl die Schmitt werden….“
    Ganz ehrlich? Ich frage mich dann immer, ob ich genommen wurde, weil ich die beste Bewerberin war oder ob ich nur der Quote wegen die Stelle gekriegt habe… Diese Quoten treiben im Öffentlichen Dienst übrigens heftige Blüten, kann ich euch sagen. Je länger ich mir das ansehe, desto weniger kann ich damit anfangen.
    Bei meiner eigenen Stelle durfte ich nach interner Ausschreibung eingestellt werden – weil ich eine Frau bin. Hätten sich auf die Stelle intern nur Männer beworben, hätte die Stelle nochmal deutschlandweit extern ausgeschrieben werden müssen. Wie bitte? Nein, ich rege mich nicht weiter auf… Ist schlecht für meinen Magen, meinen Blutdruck und meine Laune.

    Ach ja, und dann noch das Thema Gehalt und Frauen. Vor kurzem habe ich mit einer Freundin über das Huhn-und-Ei-Problem der Bezahlung in den sogenannten sozialen Berufen diskutiert: Wird dort so schlecht bezahlt, weil nur Frauen dort arbeiten – und diese sich hinsichtlich Bezahlung und Arbeitsbedingungen viel mehr gefallen lassen als Männer, oder arbeiten nur Frauen dort, weil Männer es sich nicht leisten können und wollen, so eine schlecht bezahlte Arbeit zu machen?

    Leute, ist es nicht pervers?
    Wir vertrauen Erziehern unser wichtigstes Potential an, unsere Kinder.
    Wir legen die Verantwortung für die Pflege unserer Kranken in die Hand der Schwestern und Pfleger im Krankenhaus.
    Wir lassen unsere Eltern oder Großeltern pflegen, wohl wissend, dass sie ohne die Mühe der Altenpflegerin hilflos wären.
    Und genau diese Leute, denen wir unser Leben, unsere Kinder und Eltern anvertrauen, die bezahlen wir am schlechtesten. In anderen Berufen, wo die Ausbildung auch nicht aufwendiger ist, wo die Mitarbeiter nicht täglich für das Leben und Wohl anderer verantwortlich sind, werden Millionen verdient.
    Mitarbeiter sozialer Berufe haben teilweise auch 5 Jahre Ausbildung hinter sich, können aber ohne Nebenjob nicht von ihrem Beruf leben.
    Ja, doch, das ist pervers. Krank.

  7. ein anderer Stefan

    Ich denke, Quoten sind keine Lösung. Wenn wir gesellschaftlich dahin kommen, dass jeder Mensch genau das tun kann, was er wirklich will, dann brauchen wir keinen Quotenblödsinn. Ich teile die Auffassung, dass Quoten eben dazu führen, dass Frauen, die auf solchen Stellen landen, als Quotenfrauen angesehen werden und nicht für voll genommen werden, unabhängig von ihren tatsächlichen Qualitäten. Die teils geradezu militante Art, mit der Quoten gefordert werden, schaden der Idee der Gleichberechtigung, da sie eine unterschwellige Abwehrhaltung auslösen – laut sagen darf man das ja nicht, weil es politische nicht korrekt ist.

    Mal ganz davon abgesehen halte ich Quoten für grundgesetzwidrig – wenn ich festlege, dass x Prozent der Stellen für Frauen reserviert sind, schließe ich Männer von eben diesen x Prozent aus. Und das soll Gleichberechtigung sein? Das nenne ich Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

  8. Was du beschreibst, nennt man in der Psychoanalyse „double bind“. Einfach gesagt beschreibt der Begriff ein Konzept, innerhalb dessen es unmöglich ist, eine richtige Entscheidung zu treffen, man also permant die Wahl zwischen Skylla und Charbydis hat. Das sowas auf die Dauer frustriert – da man nie Anerkennung bekommt und danach giert der Mensch nunmal – ist klar. Ist man sowas durch Bezugspersonen permanent in der Kindheit ausgesetzt, ist das laut der Psychoanalyse ein Grund für Schizophrenien.

    Ich kann dir leider trotzdem nicht zustimmen. Du brichst Feminismus runter auf ein einziges Thema, nämlich die Arbeitswelt, insbesondere die (ja noch gar nicht überall eingeführte) allgemeine Quotenregelung. Ich bin bei diesem Thema sehr zwiegespalten und wage daher gar nicht zu analysieren, ob eine Frauenquote nun gut oder schlecht ist.
    Doch ich bin nicht deshalb Feministin, weil ich unbedingt eine Frauenquote will (viele Feministinnen sind ja auch strikt dagegen), sondern weil ich leider auch im 21. Jahrhundert immer noch erlebe, wie sexuelle Belästigung oder schlimmeres an Frauen und Mädchen praktiziert, verharmlost und totgeschwiegen wird. Das ist das Thema, das mir wirklich am Herzen liegt und ich sehe irgendwie nicht, warum das plötzlich weniger wichtig sein soll, nur weil die deutschen Frauen im Vergleich zu den amerikanischen etwas selbstständiger sind.

    Die von dir zitierte junge Feministin ist das beste Beispiel. Die ist sehr hübsch und kleidet sich feminin. Was folgt also? Hämische Kommentare zu ihrem Aussehen von Maskulisten. „Die spricht sich gegen die Objektivizierung von Frauen aus, rennt dem Schönheitsideal auch selbst hinterher – LACHHAFT!!!“
    Tja. Und wär sie hässlich und würde sich in Sackleinen kleiden, wäre sie die frustrierte Hardcore-Lesbe, die ja nur am rumnölen ist, weil sie keinen Mann abkriegt.

    Double bind.

    • Edit: Das muss im drittletzten Absatz natürlich „aber auch“ heißen.

    • Die Reduzierung ist der Lesefreundlichkeit geschuldet, ich hab mir da durchaus schon mehr gedanken gemacht. Das ist kein Buch, sondern ein Artikel, wo ich mir einen Teil herauspicke und meine Thesen daran festmache. Dass das Thema weitaus mehr hergibt, ist mir aber durchaus bewusst. Das vorweg.

      Genauso ist es übrigens bei Männern in „weiblichen“ Berufen oder mit „weiblichen“ Lebensentwürfen, sprich Hausmann und Kindererziehung, während die Frau arbeiten geht.

      Wenn wir Gleichberechtigung wollen, dann müssen wir die Leute nehmen wie sie sind, nicht wie wir glauben, das sie zu sein hätten.

      Wenn ein Mann Hausmann sein will, ist er kein Weichei oder potenziell schwul – wobei ich Schwule kenne, die SEHR viel männlicher sind als manche Heteros – sondern er ist jemand, der sich für eine Lebensweise entschieden hat.

      Was Karriere angeht: Wir haben erst dann Gleichberechtigung, wenn Erziehungsurlaub nicht gleichzeitig auch einen Karriereknick bedeutet. Versteh mich nicht falsch: Wer eine Anzahl x Jahre aus dem Beruf raus ist, wird nicht da anfangen können, wo er wäre, wenn er weitergearbeitet hat. Aber man kann ihm die Möglichkeit geben, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat. Oder sie. 😉

      Dass es *immer* Idioten geben wird, die Frauen auf die Oberweite reduzieren und die Frauen als Statussymbol und nicht als Partner wollen: Geschenkt.

      Genauso gibts Frauen wie Kim Kardashian oder Paris Hilton – die nicht ersaufen könnten, weil der Kopf so hohl ist, dass er immer oben schwimmt.

      Wir brauchen keine Veränderung der Einzelmeinung, wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen Konsens, der jedem Einzelnen das Recht zugesteht, so zu leben wie er es gerne möchte – und nicht, wie seine Rolle in der Gesellschaft ihm das möglicherweise vorschreibt.

      Und der Feminismus kann das meines Erachtens nicht leisten, weil er das tut, was eine Revolution letztlich immer tut: Er ist radikalisiert, hat sich auf bestimmte Thesen versteift und weigert sich, alles anzuerkennen, was nicht streng auf Linie ist.

      Sehr gut kann man das bei so „Vorzeigefrauen“ wie Alice Schwarzer oder Sibylle Berg sehen, die Männer nicht mehr als eigenständige Wesen mit Rechten ansehen, sondern als Feinde, die es unter allen Umständen zu bekämpfen gilt – selbst im Säuglingsalter, ich erinnere daran, dass Sibylle Berg Unverständnis über die Beschneidung „kleiner Männer“ geäußert hat.

      Das ist der Feminismus heute, wie ich ihn erlebe. Nicht etwas, wo im ständigen Dialog versucht wird, Grenzen aufzubrechen oder ein Umdenken zu erzwingen, so dass *beide* Geschlechter letztlich miteinander gleichberechtigt leben können, sondern trennend und spaltend.

      Übrigens halte ich viele von den höhnischen Kommentaren der tiefgreifenden Unsicherheit gegenüber Frauen geschuldet. Das entschuldigt nichts, aber es erklärt und da sist wichtig, wenn man das abstellen möchte.

      Männer, die bedroht werden, reagieren entweder mit Gewalt oder mit Hohn und Spott. Es ist eine Aufgabe unserer Gesellschaft, herauszufinden, WO die Bedrohung herkommt und sie dann zu beseitigen – im Diskurs wenn möglich, mit Gesetzen, wenn nötig.

      Und die Bedrohungen sind vielfältig. Ein Mann, der heute eines Sexualverbrechens angeklagt wird, hat danach KEINE Chance mehr auf ein normales Leben, selbst wenn er freigesprochen wird. Stichwort Andreas Türck und Jörg Kachelmann.

      Wenn sich das ändert, wird auch die Bedrohungslage eine andere werden, da bin ich mir recht sicher.
      Nochmal: Gegen Idioten kann man nichts tun. Aber die Idioten sind nicht immer nur Männer.

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