„Gender“


Wer hat sie nicht gelesen, die vielen Artikel über Studien, wonach das Geschlecht bereits im Hirn festgelegt ist? Das Hirnforscher Studien angefertigt haben, die beweisen, dass bei bestimmten Dingen bestimmte Areale im Hirn getriggert werden, die dann beweisen, dass das eindeutig ein Junge ist oder ein Mädchen?

Wer kennt die Studien nicht, wonach Mädchen immer lieber mit Puppen spielen und Jungs lieber mit Bauklötzen?

Kernaussage war immer: „Das Geschlecht ist festgelegt, die Leute können nicht aus ihrer Haut. Frauen sind nu mal Frauen und Männer sind Männer.“ Frauen würden emotionaler sein, Männer logischer. Es gäbe ein Areal fürs logische Denken, dass beim Mann 4x größer wäre als bei der Frau. Was auch der Grund wäre, warum Frauen schlechter einparken können.

Wie kommt es eigentlich, dass *nie* jemand diese Studien hinterfragt hat? Weder die Intention, die hinter einer Studie steht wurde von den Presseorganen hinterfragt, noch wurde die Methodik hinterfragt noch wurde *irgendetwas* von dem Ergebnis in Frage gestellt.

Stattdessen wurde geradezu lustvoll ausgebreitet, dass das alles keine Vorurteile wären, sondern das wäre in unserem Hirn so angelegt.

Bullshit.

Wer *je* das Privileg hatte, eine schwule Diva beim „emotional werden“ zu beobachten, weiß: Das kriegt SO keine Frau hin. KEINE. Und ich parke besser ein als 80% der Männer, die ich kenne. Rückwärts, vorwärts… mir hupe, ich parke.
Und ich meine das mit vier Rädern, nicht mit 2 vom Motorrad.

Wenn man alleine schon mal aus der eigenen Erfahrung diese Studienergebnisse betrachtet hätte, wäre man schnell auf die Idee gekommen, dass das, was da erzählt wird, ein großer Haufen Humbug ist.

Aber es ist ein verdammt gefährlicher Humbug.

Wenn „männliches“ Verhalten – oder das, was die Forscher da für männliches Verhalten halten – im Hirn fest einprogrammiert ist, dann sind alle die, die nicht diesen stereotypen entsprechen, abnormal. Sie sind nicht männlich. Das kann dann schnell als Hirnschaden klassifiziert werden. Und da Schwule sich oft nicht „männlich“ verhalten im Sinne von „Uga Aga Bumbaga“ *arschkratz* – wie schnell sind wir wieder dabei, die „Hirnschäden“ von Homosexuellen zu behandeln? Notfalls gegen ihren Willen, weil sie sind ja krank und damit nicht steuerungsfähig? Was ist mit Hetero-Männern, die eher soft sind, sind die abnormal und müssen dann behandelt werden?

Was ist mit „weiblichem“ Verhalten – oder dem, was die Forscher für weiblich halten? Frauen gelten oft als weniger durchsetzungsstark, als emotionaler, als kompromissfähiger, aber auch hinterhältiger, weil sie eben schwächer sind und daher nicht auf die Körperkraft vertrauen können. Was ist mit den Frauen, die nicht diesem stereotyp entsprechen? Müssen die auch behandelt werden? Denn sie entsprechen ja nicht der Norm und sind somit abnormal und damit krank?

Dazu kommt diese unsägliche Genderdebatte überhaupt. Frauenförderung hier, Frauenflexiquote da, Schutz der Mädchen über alles.

Und wo bleiben die Jungs? Und die Männer?

Männer müssen sich doch inzwischen in dieser Gesellschaft wie das 5. Rad am Wagen vorkommen. Das wurde in der Debatte zur Beschneidung von Jungs so deutlich wie nie. „Kleine Männer“ wurde abwertend behauptet und im Kern stand immer die Aussage: „Beschneidungen von Mädchen sind ein Verbrechen, aber das bisschen Haut bei den Jungs ist schon nicht so schlimm.“ – als ob Körperverletzung besser wird, wenns nur ein „bisschen“ ist. Und ich wiederhole an der Stelle nochmal: Beschneidungen sind NICHT harmlos. Egal bei wem.

Aber darum gehts nicht, es geht darum, dass Männer derzeit überall verächtlich behandelt werden, weil sie Männer sind. Wenn sie gegen die Frauenquote sind, gelten sie als Machos. Sind sie für die Frauenquote, sind sie Weicheier. Man kann doch echt machen was man will, alles dreht sich darum, dass Männer gedisst werden. Sie werden gerade im mittleren Management systematisch von Aufstiegsschancen abgeschnitten, weil ja Frauenquoten zu erfüllen sind. Und so ist es häufig, dass Frauen in Positionen sind, die sie nicht ausfüllen können. Nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil die fachliche und persönliche Qualifikation dazu fehlt. Die Folgen sind bei den Frauen dann auch nicht zu unterschätzen. Burn-out ist das Stichwort.

Unterfüttert wird das ganze mit den Studien – die oft auf fragwürdigem Wege zustande gekommen sind. Damit wird das Prinzip von „es gibt keinen freien Willen, es ist alles von Genetik, Hormonen und dem hirn gesteuert“ zementiert. Schicksal wird abgeschafft, es ist alles eine Sache der Synapsen.

Für die Gesellschaft sind diese Studien fatal, denn sie bringen Menschen in Positionen, die sie nicht ausfüllen können und wo sie früher oder später grandios versagen. Mit allen krassen Folgen. Es wird ein Unterschied herbeigeredet und zementiert, der nicht besteht und die flächendeckende Verunsicherung, warum denn ausgerechnet das eigene Hirn nicht der „Norm“ entspricht, äußert sich in verzweifelten Versuchen *irgendwoher* noch Sicherheit zu bekommen.

Leute, lassts die Leute leben wie sie wollen. Lasst nicht Männer Männer sein und Frauen Frauen – sondern Menschen Menschen.

Denn echte Gleichberechtigung haben wir erst, wenn eine Stelle nicht nach dem Prinzip „oh da muss eine Frau drauf“ oder „da will ich einen Mann sehen“ vergeben wird, sondern nach tatsächlichen objektiven Gesichtspunkten.

Und DAVON sind wir weit weit entfernt.

Dringende Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17. August 2012, in Bücherregal. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Ich muss dir da mal was raussuchen, wenn ich wieder zu Hause bin….

  2. Ich habe früher gerne mit Puppen gespielt und unser Enkel (22 Monate) tut das ebenfalls.
    Und wir sind definitiv männlich. Und wir stehen beide tierisch auf Autos – und Bagger und Trecker und so Zeuch. Wir stehen beide auf Frauen, auch wenn ich seine Lieblingsfrau, seine Mutter nämlich, nicht unbedingt als meine beste Freundin bezeichnen würde ;).

    Meine Cousinen spielten früher gerne mit Lego, meine Nichte liebt ihre Holzachterbahn, auf der dann auch ihr Teddy mitfährt und meine Neffen spielen sowohl mit Matsch, als auch mit Mädchen :D.

    Ich weiß nicht, was er von einer Frauenquote hält, aber ich persönlich halte sie für, gelinde gesagt, unglücklich, da sie erstens in letzter Konsequenz Männer benachteiligt und zweitens auch dafür steht, dass jemand, nämlich der, der die Quote einführt, Frauen für dämlich(er) hält, um es mal überspitzt auszudrücken.

    Ich plädiere daher für:
    – Männerparkplätze (gekennzeichnet durch möglichst dicht stehende Betonbegrenzungen, da dort garantiert keine Frau parken wird 😉 ),
    – mehr weibliche Kriegstreiber (vielleicht wird der Krieg dann menschlicher :P),
    – mehr Männerwitze (speziell die blonden Männer sollen ja strunzdumm sein oder waren’s die rothaarigen…),
    – mehr weibliche Rennfahrer (die fehlen mir wirklich – fast nur Kerle da – wie langweilig),
    – mehr männliche Groupies und Boxenluder (und Kai Edel zählt da nicht mit dazu!),
    – eine Frau als Papst (wahlweise Matriarchin in einer der orthodoxen Kirchen),
    – einen Mann als Bundeskanzlerin (schlimmer gehts ja nicht mehr) und
    – einen Mann als Bundespräsidenten (äh – nee – hamm wa schon).
    (und wenn ich mehr Bock hätte, würde mir sicherlich noch mehr Krams einfallen)

    😀

  3. ein anderer Stefan

    Das schlimme dabei ist die political correctness, die die Sprache verbiegt, um UNterschiede vermeintlich auszugleichen, sie aber nur mit Sprachmüll zukleistert. Vorurteile hat so ziemlich jeder, es ist wohl menschlich, sich abzugrenzen – und das geht am Einfachsten über die Abwertung anderer. Ich fand neulich dieses Experiment genial, bei dem Bewerbungen anonymisiert wurden, es also nicht mehr erkennbar war, ob die Bewerber männlich oder weiblich waren, oder welcher ethischen Gruppe sie angehörten. Dabei kamen sowohl für die Bewerber als auch für die Unternehmen bessere Ergebnisse bei raus. Solche kleinen Schritte können für mehr echte Gleichberechtigung sorgen als blöde Quoten.

  4. Lochkartenstanzer

    Da kämpft noch einer darum, daß es nicht mach dem geht, was man zwischen den Beinen hat, sondern im Kopf:

    http://www.danisch.de/blog/2012/07/16/frauenquote-3/

  5. Hallo Tante Jay,
    bin vor kurzem auf deinen Blog gestoßen und habe mit Freude und Schmerzen deine Artikel gelesen.(Dein Schreibstil erinnert mich an eine gute Freundin die ich leider aus den Augen verloren habe und die es auch nicht leicht im Leben hat/hatte)

    Zum Thema:
    Es gab da ein Buch wo genau diese Ergebnisse auseinander genommen wurden (Allan & Barbara Pease – Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken). Fazit war das es zwei Stufen der Geschlechterbildung gibt: 1) die Kopfbildung und 2) die Körperbildung.
    Diese beiden Stufen sollen entscheiden ob man ein etwas weniger oder mehr männliches/weibliches Gehirn und ob man einen etwas weniger oder mehr männlichen/weiblichen Körper hat. So kommt es zu Kombinationen, wie ein weibliches Gehirn in einem männlichen Körper, welches sich dann durch Homosexualität oder Transsexualität darstellen kann.

    Zu der Genderdebatte sag ich nur so viel: Laut meiner Meinung sollen die entsprechenden Positionen mit MENSCHEN bekleidet werden, die dafür geeignet sind. Geschlecht sollte dabei egal sein. Alles Andere ist Diskriminierung!

  6. Tante, ich hatte Dich noch nie so lieb! Komm, lass Dich knuddeln!! 🙂

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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