Des anderen Freud


Das Nasenfahrrad des Grauens hat wieder zugeschlagen.

Es ist in Universitäten, diesen erhabenen Stätten unermesslichen Wissens, ja üblich, dass man seine Erkenntnisse in Arbeitspapieren und ähnlichem niederlegt.

Der liebe Gott hat dazu eine göttliche Eingebung an Adobe gesendet und sie das pdf-Format erfinden lassen.

Dummerweise ist aber die besagte Dame Atheistin. Anders ist nicht zu erklären, dass sie darauf besteht, ihre Arbeitspapiere im Editor zu schreiben und in mühevoller Kleinarbeit alles auf eine Seite (unformatiert) zu pfropfen. Schriftgröße 8 – 9 ist dabei keine Seltenheit.

Nun ist das nun mal so, dass sie das Ungetüm aus Draht und Glas nicht umsonst auf der Nase hat. Denn sie ist zu alledem auch halb blind. Und wenn sie dann wieder mal eine Arbeit abgibt, die sie im Editor geschrieben hat und die dann auch ordnungsgemäß notentechnisch noch einmal freundlich aus dem Kellergeschoß winkt bevor es dann endgültig abwärts geht, dann ist das na-tür-lich nicht, weil sie eine schlechte Arbeit abgeliefert hat, sondern weil die Leute zu doof sind, die kleinen Buchstaben zu erkennen.

Die nachfolgende Diskussion ist dann des öfteren eher unschön.

Aber nicht nur das Lehrpersonal ist inzwischen reihenweise in Therapie, um die traumatischen Erfahrungen aufarbeiten zu können, nein, auch vor den Kommilitonen macht die Dame nicht halt. Denn: Sie ist studierte Mathematikerin und sie weiß alles.

Gerüchten zufolge wird an dieser Universität die Zusammensetzung von Arbeitsgruppen nunmehr ausgelost, weil sich niemand mehr freiwillig bereiterklärt hat, mit der Trägerin des Nasenfahrrades auch nur noch ein Wort zu wechseln. Von ganzen Arbeitspapieren zu schweigen.

Gruppenarbeiten mit ihr sind das pure Grauen für jeden Studenten, der das Privileg hatte, mit ihr zusammenzuarbeiten. Ich persönlich halte das ja noch für das Überlebenstraining für ein Lehramt an problematischen Hauptschulen, aber offenbar ist es das nicht.

Denn sie ist nun mal unbestreitbar die Älteste in der Studentenschaft. Und da sie ihren jungen Komilitonen gerne hilft und auch sonst sehr mutig ist, übernimmt sie gerne und ohne weitere Aufforderung die Präsentation der Gruppenergebnisse.

Da sie sehr gerne aus ihrem reichhaltigen Informatikschatz plaudert, hat das, was sie präsentiert, im Regelfall nur sehr wenig mit dem zu tun, was die Gruppe so erarbeitet hat. Aber sie hat den Jungen gezeigt, wie man eine Präsentation aus dem Stegreif ohne jegliches Fachwissen wenig überzeugend durchführt.

Sehr erheiternd auch immer wieder das permanente Mobbing der Studenten untereinander, dass sich „ich korrigiere deine Arbeit“ nennt.

Ganz ehrlich? Ich bewundere ja manche Studenten zutiefst. Wenn man eine derartige Komilitonin hat, die nicht nur völlig merkbefreit ist, die sich weigert auch nur den kleinsten Fitzel Vernunft anzunehmen (man ist schließlich unbestechlich), die einem permanent mit ihrer unmöglichen Art an den Koffer scheißt, dass es nur noch so knackt…

 

….dann muss man schon Informatiker sein, um die Geduld und vor allem die Penibilität aufzubringen, um das Arbeitspapier dieser Dame elegant, geschliffen, absolut sachlich und ohne äußerliche Gehässigkeiten wie „DA DU DOOFE KUH FRISS DAS. UND GLAUB MIR DAS IST KEIN GRAS!!!“ zu analysieren und so zu zerlegen, dass da noch nicht einmal mehr Pluspunkte für weißes Papier rausspringen.

Gratulazione an den jungen Herrn. 😉

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Veröffentlicht am 25. Juni 2012, in alltägliche Katastrophen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. liebes Tantchen, trotz Deines Links erscheint mir nicht die intention Deines Artikels
    .. soll ich auf eine Eingebung warten?

    nevertheless: wer sich weigert, anerkannte Formate zu verwenden, ist – verzeih‘ mir – schlichtweg dumm

    sorry, aber ich kann’s einfach nicht anders sagen, denn ich bin es gewohnt, manchmal diplomatisch (Sympathiewert min.), manchmal mit dem Vorschlaghammer (Sympathiewert max.), zu argumentieren.

  2. Nun ja,
    sachlich zerlegen ist das beste, was man in solchen Fällen machen kann. Da gibt es dann einfach keine Gegenargumente mehr. Ähnlich wie bei 1+1=2. Das ist so. Punkt. Nicht dran zu rütteln.

  3. Ich hab mich neulich schon gefragt, wo du auf diese Person gestoßen bist – studierst du jetzt im Nebenamt?

  4. Der kleine Informant

    Nein, ich habe sie mit Informationen versorgt. Ich leide täglich und jammere auch im privaten Rahmen entsprechend.

  5. Mich würde jetzt interessieren, wie genau er zurück geschissen hat.

    😀

    • Hmmm….
      Lass mich mal frei assoziieren…

      Nasenfahrrad: „Schülär müssen lärnen auswendig! Disziplin! Disziplin wie Mathä! Wie in Russland!“
      Student: „Nach Studie xy müsstest du doch wissen dass …, außerdem steht in Buch YYY, dass auswendig lernen nicht optimal ist, da … Außerdem hat man dabei das Problem, dass …, wie schon ABC in seiner Studie ausführlich belegt!“

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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