Elfentraum – IX


Sie saßen versammelt um eine Feuerstelle. Clarissa, Johvan, Kya, Jinny und ihre drei….Besucher? Es waren gigantische Drachen, die sich im Dreieck um sie herum hingelegt hatten.

Clarissa blickte den Größten von ihnen an, die Schuppen von einem tiefen Nachtschwarz. Neben ihm, hinter Jinny und Kya, lag ein Drache in hellem Silber, fein getemperte Schuppen umgaben ihn und im Sternenlicht leuchtete er geheimnisvoll. Hinter Johvan lag ein tiefgoldener Drache.

Nach dem ersten Schreck stellte sich schnell heraus, dass die Drachen sie gesucht hatten. Sie. Clarissa. Aus demselben Grund, warum die Elfen sie während ihres langen Schlafes gepflegt hatten und warum sie ihr beigebracht hatten, wie man kämpft und überlebt.

Sie sollte den Weltenlauf ändern.

Clarissa, geborgen in Johvans Armen, schüttelte den Kopf. Die Zeiten ändern. Sie hatte diese Welt geträumt, sie hatte auf dem Netz getanzt. Aber das Netz selbst entzog sich jetzt ihrem Zugriff. Zu tief war sie in das Schicksal dieser Welt verwoben, als das sie noch hätte eingreifen können.

Clarissa blickte den schwarzen Drachen, Un’nan, an. „Warum sollte ich etwas ändern?“ Un’nan sah sie an und sagte: „Weil die Welt so wie sie ist, nicht mehr viel länger existieren kann. Du hast die Wolken gesehen, sie werden mehr und sie fangen an, alles zu verschlingen.“ Clarissa feuerte zurück: „Und was soll ich deiner Meinung nach dagegen tun? Ich weiß noch nicht einmal, ob du recht hast. Ich kenne nur so wenig von allem, habe nur den Wald und den Waldrand gesehen. Was mich betrifft, könntest du mich auch anlügen, ich könnte die Wahrheit nicht erkennen.“ Johvan versteifte sich neben ihr als sie die Worte sprach, die von dem eigentlichen Problem nur ablenken sollten.

Un’nan sah sie tadelnd an: „Du könntest eine Lüge sofort ausmachen. Dir vor allen anderen kann niemand etwas vormachen. Und das weißt du genau. Aber gut, wir werden es euch zeigen. Steigt auf.“

Clarissa stieg auf Un’nan, er wollte außer ihr niemanden auf seinem Rücken dulden, so dass Johvan auf den goldenen Drachen, Jai’nan, steigen musste. Kya und Jinny wurden von Koh’nan, dem silbernen Drachen getragen. Als sie aufgesessen waren stiegen die Drachen mit mächtigen Flügelschlägen in den sternenübersäten Himmel.

Un’nan flog zunächst über die Ebene hinweg. Kleinere Feuerstellen zeigten Siedlungen und Lager an, größere, sich bewegende Punkte zeigten Herden, die über die Ebene zogen. Es sah friedlich und wunderschön aus. Die Drachen flogen sehr schnell, der Wind wehte ihr über das Gesicht und der Rausch der Geschwindigkeit nahm Clarissa gefangen.

In dem Moment gab es für sie keine Sorgen, keine Gedanken. Sie spürte den Wind in ihrem Haar und schloß die Augen. Schneller und schneller flogen die Drachen, sie spürten das Vergnügen ihrer Reiter, denn auch die Elfen waren begeistert. Sie flogen und flogen, die Ebene zog sich trotz der Geschwindigkeit nahezu endlos hin. Und doch steigerten die Drachen das Tempo, bis der Boden unter ihnen alle Konturen verlor. Clarissa verlor sich in dem Gefühl der Freiheit, dass ihr der Ritt auf dem Drachenrücken ermöglichte.

Doch dann, nahe dem Ende der Ebene, als der Aufstieg zu den großen Bergkettem sichtbar wurde, erklang die Stimme des Drachen, ruhig und bestimmt: „Dort.“ und Clarissa sah es. Die Freude verflog schlagartig. Sie blickte zu Johvan, entsetzt. Johvan sah ebenso entsetzt zu ihr zurück.

Die Wolken waren hier nicht mehr vereinzelt und klein – es war wie der Beginn eines Sturmes. Die Wolkenfelder aus purer Schwärze ergossen sich über die Gipfel der Bergmassive, die die Ebene und den Wald einschlossen und verschlangen auf ihrem Weg alles, was nicht schnell genug ausweichen konnte. Es gab keine Chance. Fliegende Tiere, die zu niedrig flogen, wurden von schwarzen Tentakeln herabgeholt, Clarissa sah einen Adler, der nicht rechtzeitig an Höhe gewinnen konnte. Er sah den Tentakel offenbar nicht einmal, der ihn tötete.

Clarissa saß starr und entsetzt auf dem Rücken von Un’nan. Der fragte nur sehr ruhig: „Glaubst du es jetzt?“ Clarissa konnte nichts weiter tun als nicken. „Dann lass uns gehen“. Un’nan nahm eine andere Route, weg von dem schwarzen Schattenfall und zeigte ihr, wie die Wolken sich vereinzelt zusammenballten und eindeutig mehr wurden.

Nach einem langen weiteren Flug landeten sie nahezu in der Mitte der Ebene. Weit und breit war alles leer. Die Elfen stiegen von den Drachen herab und stellten sich zusammen. Clarissa drehte sich um und fragte den schwarzen Drachen: „Was war das?“ Un’nan blickte bekümmert auf das Mädchen herunter und sagte: „Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass du diejenige bist, die es stoppen kann. Jenseits dieser Berge haben die Schatten bereits alles verschlungen.“ Clarissa setzte sich auf den Boden. Sie wusste nicht, was es war, doch sie wusste, das sie es irgendwie beenden musste.

„Ich muss zu einer dieser Wolken hin.“ Un’nan nickte und schickte sich an, sie wieder auf seinen Rücken zu lassen, als Johvan sie an sich riss. „Das kannst du nicht tun.“ Er schrie nicht, er sah sie nur verzweifelt an. „Die Wolken werden dich verschlingen.“ Clarissa schüttelte den Kopf: „Nein, das werden sie nicht. Mir als einziger werden sie nichts anhaben können.“ Johvan schüttelte eigensinnig den Kopf: „Das kannst du nicht riskieren. Du weißt nicht, was sie dir antun werden.“ Clarissa sah ihn traurig an: „Ich werde es bald herausfinden.“

Johvan sah sie wütend an: „Du bist die Schlafende, kannst du nicht irgendetwas tun, mit den Fingern schnippen oder so, nur um das zu beenden?“ Clarissa schüttelte den Kopf, wehmütig. „Ich wünschte, das würde gehen. Glaubst du nicht, das ich das dann nicht gemacht hätte?“

Sie legte die Hand auf seine Wange: „Liebster, ich muss das tun, du weißt das so gut wie ich. Wenn ich das beenden soll, muss ich wissen, was ich beenden muss.“ Johvan sah sie nicht an, er zog sie nur enger an sich und flüsterte: „Ich hasse das Wissen, dass ich dich verlieren werde.“ Clarissa schmiegte sich an ihn: „Mir wird nichts geschehen.“ Sie blickte Un’nan an: „Kann er mit uns reiten?“ Der schwarze Drachen blickte sie nachdenklich an und stimmte zögernd zu. Der goldene Drache stieß ein Geräusch aus, das fast wie ein winseln klang. Johvan drehte sich zu dem Drachen um und sein Blick wurde sanfter. Er drehte sich zu Clarissa und sagte: „Es ist gut, ich fliege mit Jai“

Clarissa blickte ihn lange an und nickte letztlich. Sie stieg auf Un’nans Rücken und wieder stiegen sie in den Himmel. Sie mussten nicht lange suchen, die kleineren Wolken waren jetzt überall. Als sie eine gefunden hatten, sanken die Drachen auf den Boden nieder und hielten einen vorsichtigen Sicherheitsabstand.

Clarissa stiegt ab, drehte sich zu Jinny und Kya und nahm die Frauen fest in den Arm. Sie hatte Angst, sie hatte gesehen zu was die Wolken fähig waren und auch wenn sie nicht sterben konnte – Johvan hatte recht: Es gab schlimmeres als den Tod.

Zuletzt drehte sie sich zu Johvan und sah ihn nur an, als ob sie sich sein Gesicht einprägen wollte. Johvan riss sie mit einem Fluch in seine Arme und küsste sie als wäre es das letzte mal.

Clarissa löste sich letztlich aus seinen Armen, lächelte noch einmal traurig zu den Elfen hinüber, drehte sich um und ging entschlossen auf die Wolke, die auf sie zu warten schien, zu.

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Veröffentlicht am 19. Juni 2012, in Clarissa. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Na? Was kommt als nächstes? 😉

    • Teil X 😉

      Typos:
      Neben im, hinter Jinny und Kya, lag ein Drache – Neben ihm ….
      tiegen sie in den Himmel. Sie – stiegen sie in den …

      Verständnis:
      Vierletzter Absatz. Sie stiegen auf und dann wieder herab, irgendwie knapp über den Boden und dann geht Clarissa auf die Wolke zu. Schwebt diese über dem Boden?

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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