Elfentraum – V


Die drei standen vor der leuchtenden Wand, die das Elfennest schützte. Clarissa legte ihre Hand auf den Schutzwall und sah ihre Gefährten an. „Ihr seid euch sicher, dass wir in dieser Größe bleiben sollen?“

Beide nickten heftig. „Wir sind unauffälliger, wir können fliegen und sind geschützter.“ Clarissa war nicht vollständig überzeugt. Insbesondere den Punkt mit dem Fliegen sah sie nicht so, sie konnte zwar inzwischen kurze Strecken fliegen, die meiste Zeit musste sie von Johvan getragen werden, etwas, was gefährlich werden konnte, wenn sie fliehen mussten. Aber die Geschwister schienen überzeugt zu sein, dass es das richtige war und Clarissa wusste nichts von der Welt dort draußen.

Sie konzentriere sich und öffnete ein kleines Tor, durch dass sie hindurchschlüpfen konnten. Ihre Ausrüstung trugen sie bei sich: Proviant für einige Tage, bevor sie anfangen mussten, Nahrung zu suchen. Auch waren sie sehr gut mit Waffen ausgerüstet. Pfeil, Bogen und ihre Schwerter gaben ein kleines Gefühl der Sicherheit.

Bei sich selbst dachte Clarissa, dass diese Schwerter gegen den zahnbewehrten Ball waren wie Zahnstocher gegen eine Mauer und sie mochte sich die anderen Gefahren nicht vorstellen, die noch auf sie warteten. Doch sie vertraute ihren Freunden.

Vorerst.

Johvan nahm sie auf die Arme und stieg auf. Jinny trug das gesamte Gepäck während Clarissa sich wie ein Gepäckstück fühlte. Sie betrachtete Johvan, der sie keck angrinste. „Ja, mir gefällt das auch.“ Clarissa schnaubte und verdrehte die Augen.

Keiner von ihnen bemerkte die kleine Gestalt, die durch das von Clarissa geschaffene Tor schlüpfte bevor es sich schließen konnte.

Auf ihrer Reise durch den Wald erhaschte Clarissa ab und an einen Blick auf den Sternenhimmel, wenn sie hoch genug flogen, doch meist blieben sie auf einer Ebene, wo sie jederzeit zwischen Blättern und Ästen verschwinden konnten. Die Bäume hatten häufig Löcher, wo man sich drin verstecken konnte und mehr als einmal war es knapp genug, dass sie ein solches Loch erreichten, kurz bevor scharfe Zähne oder Schnäbel zuschnappten.

Clarissa konnte die Feinde nie vollständig ausmachen. Sie war zu klein, um die Tiere vollständig aufnehmen zu können. Aber beängstigend genug war es für sie.

Jeden Abend, bevor sie ihr Lager aufschlugen, machten sie Kampfübungen. Clarissa wurde besser und besser mit dem Schwert, bis zu dem Tag wo sie Johvan gleichwertig gegenübertreten konnte. An dem Tag veränderte sich sein Verhalten ihr gegenüber, er behandelte sie erstmals wie eine Ebenbürtige. Auch wenn sich Johvan das nie eingestanden hätte, hatte er Clarissa doch immer behandelt wie ein Kind, dass Führung benötigt. Langsam veränderte er sich jedoch. Und er grub sich selbst immer tiefer in Clarissas Herz ein.

Auch Jinny wurde ihr von Tag zu Tag kostbarer. Sie, die so lange allein gewesen war, dass die Tage nicht mehr zu zählen waren, hatte jetzt endlich jemanden, zu dem sie gehörte. Sie entdeckte in sich selbst Gefühle, von denen sie dachte, dass sie für immer tot wären.
Und Johvan….wenn sie ihn anblickte, ermahnte sie sich selbst, vorsichtig zu sein. Und doch, sie konnte die langsam wachsenden Gefühle nicht dauerhaft verleugnen. Vor den anderen vielleicht, jedoch nicht vor sich selbst.

Johvan schien die abendlichen Trainingseinheiten dazu zu benutzen, ihr Nahe zu sein, doch Clarissa, der Gesellschaft so entwöhnt, dass sie nicht mehr wusste, wie sie sich verhalten sollte, blieb distanziert. Johvan schien das zu akzeptieren, doch sie spürte seine wachsende Enttäuschung. Doch wie sie reagieren sollte, konnte sie nicht sagen.

Jinny auf der anderen Seite war an der Oberfläche zu ihrem strahlenden und neckischen Selbst zurückgekehrt, doch auch hier spürte Clarissa, dass die Wunden, die sie im heimatlichen Elfennest empfangen hatte, noch lange nicht verheilt waren. Wenn sie dachte, dass niemand sie beobachtete, sah sie häufig zurück zum Nest und legte ihre Hand auf die Brust, als würde sie jemanden grüßen.

Eine weitere Sache die sie zunehmend störte war das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie wurde immer nervöser, da sie ständig das Gefühl hatte, dass jemand ihre Bewegungen beobachtete.

All das wurde nicht ausgesprochen, doch die sich aufbauende Spannung wäre auch einem unbeteiligten Beobachter aufgefallen.

Unterdessen auf der gewaltigen Ebene, die sich unterhalb des Waldes ausstreckte:

Schwingen rauschten durch die Nacht, erzeugten gewaltige Luftwirbel. Alles lebendige floh vor den Schatten, die das Sternenlicht verdunkelten, wenn sie vorüberzogen.

Eine gehauchte Stimme:

„Ist das der Weg?“

„Ja“, stimmlos, nur für die Ohren des Gefährten vernehmbar.

Lange Zeit war es still bis auf das Rauschen der gewaltigen Schwingen. Dann die Antwort, zögernd, fast ängstlich:

„So sei es.“

Die Antwort war diesmal von einem Hauch Traurigkeit unterlegt: „Ja“.

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Veröffentlicht am 16. Juni 2012, in Clarissa. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. *grummel* den Schluß find ich doof…. mal drüber nachdenken. Der ist wirklich doof. So reagiert doch keiner.

    grummel
    grummel

    jetzt kürzer. Besser. Mal sehen…. *grübel*

  2. Ja, der Schluß braucht noch etwas mehr Inhalt.

    Und hier ein Typo:
    „Auch Jinny wurde ihr von Tag zu Tag kostbarer. Sie, die so lange allein gewesen war, dass die Tage nicht mehr zu zählen waren

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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