Des einen Leid


…des anderen Freud.

Ich möchte an dieser Stelle mal wieder darauf hinweisen, dass ausgebildete Lehrer echt übel sein können. Aber Lehrer in Ausbildung, also noch vor dem Deppenfilter aka Referendariat – die sind echt noch ne Klasse für sich.

Aktuell mal meine Lauscher aufgesperrt und, was soll ich sagen: Endlich triffts nicht mal mich. YAY 🙂

Stellt sie euch vor: Mitte Pfirsich, äh vierzig, 1,80 groß im Ritter-Sport-Format: Quadratisch, praktisch, gut. Aschblonde Haare zu etwas zusammengebunden, was wohl ein Pferdeschwanz sein sollte. Kein Wortspiel beabsichtigt, bei den Mäusehaaren wäre jedes Pferd beleidigt. Da es für eine anständige Tasche nicht reicht, hat sie ihre Bücher in eine Lidl-Plastiktüte gesteckt, an den Füßen Ringelsöckchen und ausgelatschte Ballerinas. Der Hintern eingepfercht in einer Jeanshose der Marke „sollte eigentlich was für Männer sein“, was hinten dann alles prall sitzen läßt, vorne dafür…weniger. Dafür zeigt Mutti aber was sie hat in ihren sowohl weit als auch eng sitzenden Blümchenblusen. Eng oben, weit unten. Knopfleiste sei dank und doppelt genäht hält besser.

Und was die Handtasche von Golda Meir war ist in diesem Fall ein Nasenfahrrad, was man auch buchstäblich so benennen darf. Denn die einzelnen Brillengläser sind in der Tat so groß wie ein 26″-Fahrrad. Die Deutschkenntnisse sind dabei so überschaubar wie ihre Kenntnisse von dem, was sie einst vermitteln will, denn sie ist russische Muttersprachlerin und will dereinst den Kids Informatik beibringen. Und Mathe.

In ihrer russischen Mutterspracheheimat scheint man noch in Höhlen zu wohnen, denn es ist so, dass sie das Prinzip „Klopfet, so wird euch aufgetan“ noch nicht richtig verinnerlicht hat. So sieht sie denn geschlossene Bürotüren auch eher als sportliche Herausforderung und nicht als Eintrittshindernis. Und wenn man einmal den Gipfel des Olymps betreten hat (was immer etwas dauert, denn zuerst muss sich die Brille durch die Tür schieben, was mit erheblichem logistischen Aufwand verbunden ist), ist man auch erstmal nicht mehr daraus zu entfernen.

Nun ist es an der Universität aber nun mal so, dass hier schon oftmals der technische Fortschritt nicht aufzuhalten war. Und so gibt es Alumni-Software, Unterrichtsorganisationssoftware (aka Moodle) und vor allem das grundübel dieser modernen Welt: Emails.

Wir halten fest: Muttchen will Informatik lehren. Später an der Schule. Ihr Deutsch ist dabei so schlecht, das 80% aller Gespräche eher aus Rateorgien bestehen anstatt aus tatsächlicher Kommunikation. Und wenn sie mal ein Wort verstanden hat, dann muss man sofort diskutieren, dass das doch falsch ist. Denn das tut Muttchen leidenschaftlich gerne: Diskutieren.

Es hilft dabei nicht, wenn der nächste, der, anders als sie, schon einen Termin hat, direkt daneben steht und eigentlich dran will. Sie ist da, sie hat die Brille durch die Tür geschoben und nun will sie auch gehört werden. Ein „RAUS“ wird überhört, ein „ich beende das Gespräch“ gilt für sie wie sittenwidrige AGB: Als nicht geschrieben.

Inzwischen ist es so, dass im gesamten Bürogebäude, wenn Muttchen wieder auf Informationssuche ist, die Rolläden runtergehen und aus jeder Bürotür eine Stimme piepst: „Hier ist keiner“ – sie soll dann immer antworten: „Gutt. Gähä ich nächsts Büro“

„Hier ist auch keiner. Mittagspause.“

„Oh, Mittagspause sähr früh. 9.00 Uhr Morgäns“

„Sorry, bin zum Frühstück, hab mich in der Zeit vertan.“

Es ist ja nicht so, als wäre die Dame doof. Sie hat ein Mathematik studiert. Aber ich glaub, das ist genau das Problem. In der Mathematik sind 1+1 = 2.

Und in der Uni, wenn man Informatik studiert ist 1 Nasenfahrrad + eine offene Bürotür =|= Sprechstundenzeit. Dafür braucht man Termine. Und das kann man ihr einfach nicht begreiflich machen.

Schlimmer ist: Sie konnte kein Emailprogramm bedienen. Sie musste als Informatikstudentin erst in der VHS lernen, wie man Standardsoftware bedient. Und sie ist nach wie vor mit dem Prinzip von verschiedenen Speicherorten völlig überfordert, was dazu führt, dass sie ihre selbsterstellten .pdf-Dateien ausdruckt, mit an den anderen Studienort nimmt, ihn dort einscannt und weiterbearbeitet. Und sich darüber beschwert, wie unmöglich das Prinzip doch ist.

Auch wenn sie Arbeiten abgibt, die bewertet werden müssen und sie mit der Bewertung nicht einverstanden ist: Das Prinzip: Frage per Email und so wird dir Antwort kundgetan ist ihr nicht bekannt. Sie besteht auf persönlichen Besuchen bei den jeweiligen Dozenten und deren Hilfskräften und Assistenten. Und DIE wiederum gehen am Stock, wenn Muttchen nur einen Ohrbügel vom Nasenfahrrad sehen läßt.

Denn nicht nur ist die Diskussion mit ihr schwierig – jedwede Erklärungsversuche, warum sie denn bitte besser deutsch lernen sollte („habe ich Deutschtest für Uni bestandän. Warum ich muss lernen mehr Deutsch?“ „Weil die Schüler sie so nicht verstehen“ „Häh?“ „Genau“), warum sie in Informatik nicht bestehen wird („Word ist nicht eine englische Umschreibung für handschriftlich verfasste Programmierhausaufgaben“) und warum das alles so schwer ist („Kann ich bedienen Scanner und Drugger…reicht nicht aus für EhDehFau?“) prallen ab und überhaupt ist alles völlig indiskutabel.
Kenne ich alles, hab ich alles hinter mir gelassen – und ganz ehrlich Leute: Die Trulla machts nicht durchs Referendariat. Aber ich fürchte, sie hat bis dahin den einen oder anderen Unimitarbeiter völlig in den Nervenzusammenbruch getrieben.

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Veröffentlicht am 15. Juni 2012, in Bürotratsch. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Ohh wie isch hassä die Ackzäntt.
    Echt, da werde ich aggressiv wenn ich das nur lese, beim Hören sieht man mir meine Mordgelüste auch noch an.
    (“habe ich Deutschtest für Uni bestandän. Warum ich muss lernen mehr Deutsch?” “Weil die Schüler sie so nicht verstehen” “Häh?” “Genau”) Trifft nicht nur auf universitäre Verhältnisse zu, im wirklichen Leben da draußen wird über gewisse Grundverständigungslaute sprich Ghettoslang hinaus auch nicht weiter gelernt. Warum auch, wenn doch die dumme deutsche Kartoffel so verständnisvoll ist.
    B. A.
    -Der einen Eimer suchen geht wegen plötzlicher Übelkeit.-

    • Na ja, es gibt auch andere Beispiele, die wirklich schnell und gut deutsch gelernt haben – eben weil sie hier ja leben wollten…

      • Och, hier leben tun die auch. Nur halt in ihrem Ghetto das sie sich selbst aussuchen. Die wollen es gar nicht besser haben denn sie kommen so ja immer gut durch: „Vastäh isch nisch.“ Und wenn ich mir solche Viertel hier anschaue stelle ich fest dass man dort gar kein Deutsch können muss denn es wird alles von den jeweiligen Landsleuten in der jeweiligen Sprache angeboten: „Handwerker, Autohändler, Lebensmittelhändler, sogar Ärzte gibt es.“ Warum also Deutsch lernen? Die dumme deutsche Kartoffel kümmert sich schon drum und bietet in den Ämtern ja Dolmetscher und fremdsprachige Formulare an.
        Wer hier wirklich leben will kümmert sich. Den anderen ist es gerade mal egal.

  2. Oh man,
    dann kann man ja nur hoffen, dass sie wirklich nicht durchkommt.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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