49 Tage


„Le vrai tombeau des morts, c’est le coeur des vivants.“ Ändere nichts was mit ihm zu tun hatte in den nächsten 49 Tagen. Am 49ten Tag nach seinem Tode nimm Dir ein paar Minuten und denke in Freundschaft an ihn. Dann lass ihn in sein neues Leben aufbrechen und bewahre sein altes in Deinem Herzen.

49 Tage bist du heute tot.

49 Tage in denen ich langsam begreifen musste, dass du nicht wiederkommst. Dass ich dein Lachen nicht mehr höre, das wir uns nicht mehr streiten können.

Ich habe viel mit dir gestritten in der letzten Zeit. Ich war so wütend, dass du mich ausgerechnet dann aus deinem Leben ausgeschlossen hast, als es wichtig war. Als ich DIR hätte helfen können. Und nicht du mir.

Du warst derjenige, der mir aufgezeigt hat, dass in meinem Leben etwas schiefläuft. Du hast nur die Diagnose gestellt, das hattest du gelernt als Psychologe. Und dann hast du es mir überlassen einen Ausweg zu finden.

Ich habe darum gekämpft, dich verflucht, mit dir gestritten deswegen. Geweint, gehasst und doch: Ich habe dich geliebt.

Und dann bist du gegangen. Einfach so und ich wusste nicht, was los war. Jetzt weiß ich es.

Viel hab ich die letzten Tage über dich gelernt. Du bist über Dritte mit mir in Kontakt geblieben. Mehr oder weniger. Aber du hast auch gesehen, dass ich mich zu sehr auf dich gestützt habe und dass ich von dir erwartet habe, dass du mir einen Ausweg zeigst.

Und darum bist du gegangen. Einfach so, ohne ein Wort. Weil ich dann diskutiert hätte. Und das wolltest du nicht.

Es hat mich fast umgebracht, das in den letzten Tagen zu lernen. Ich habe mit dir die Diskussionen geführt, die ich hätte führen sollen als du noch da warst. Und ich konnte mit dir streiten, wusste ich doch genau was du sagen würdest. Und du hast gewonnen. Natürlich. Wie immer.

Es war nicht richtig, dass du gegangen bist. Aber jetzt habe ich meinen Frieden damit gemacht.

Es war nicht richtig, dass du gestorben bist. Das ist es nie. Aber auch damit habe ich Stück für Stück meinen Frieden gemacht. Und während ich das tat bist du immer ein wenig weiter weggegangen. Ich habe gefühlt, wie du dich entfernt hast. Und wie ich dich gehen ließ.

Denn dein Platz ist nicht mehr hier.

Was bleibt sind Erinnerungen an einen guten Freund. Der für mich da war als ich ihn brauchte. Auch durch seine Abwesenheit. Der mir den Weg gezeigt hat, zufriedener zu leben, glücklicher, im Reinen mit mir selbst.

Und der es mir überlassen hat, diesen Weg zu gehen, weil es mein Weg war.

Ich danke dir mein Freund. Für deine Liebe, für deine Hingabe und dein schlichtes Dasein. Und auch wenn ich immer traurig sein werde, weil du nicht mehr da bist, wenn ich dich immer vermissen werde – ich kann diese Erinnerungen jetzt aufrufen, ohne zwischen Wut und Trauer zu wanken. Ohne das Gefühl, dich im Stich gelassen zu haben, als du MICH gebraucht hast.

Ich liebe dich. Und werde das immer tun. Aber mein Weg ist ein anderer als deiner.

Und ich kann dich ihn jetzt gehen lassen.

Und danke Will für die Idee.

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Veröffentlicht am 3. Juni 2012, in Trauriges. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Das ist einfach „unique“, wahre Gefühle auf dieser Art darzustellen und sie auch noch zu veröffentlichen.
    Ich bin kein Freund von Steigerungen, aber mir fällt dazu nur ein, authentischer kann man nicht sein.
    Glückwunsch Tantchen und bleib so – auch wenn ein Teil der „bösen Welt“ um Dich herum Dir immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen will: spring‘ einfach daüber.
    Liebe Hrüße
    Hajo

    • Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass laut äußern zu müssen, sonst hätte ich nicht so den „Deckel zumachen“ können. Das war jetzt meine Art, das zu tun.

      Er ist weg. So unglaublich es ist, aber er ist weg.

      Und ein Grab zum trauern habe ich nicht. Denn die Bestattungspflichtigen, wie es so schön heißt, haben sich für ein anonymes Grab entschieden.

      Und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob er das wollte…

      • Laut äusern ist immer gut. stell dir aber vielleicht noch die Frage brauchst du wirklich ein Grab? hast du nicht einen schöneren Ort an dem du dich an Ihn erinnern kannst? einen ort im Park wo Ihr oft zusammen ward o.Ä. so etwas finde ich viel schöer und angenehmer. Vielleicht hast du auch ein Lied das du mit Ihm verbindest. Lass dieses doch laufen in einem Moment an dem er dir ganz arg fehlt.
        Drüber nachdenken ob er das wollte oder nicht bringt nichts. Das ist eine Frage die dir keiner mehr beantworten kann.
        Ich hoffe ich hab es nicht zu agressiv formuliert, sind nur gute Tipps. Ich weis als ausenstehender ist das immer leicht gesagt, ich hoffe aber es hilft dir.

        • Ein Grab hat einen anderen Stellenwert als ein Ort, an dem man schöne Erinnerungen teilt. Vor einem Grab kann man stehen und es anschauen und, ob es traurig, beruhigend oder was auch immer ist, man hat nie Zweifel, dass dieser Freund jetzt nun mal tot ist.
          Eine Stelle, an der man Erinnerungen mit einem Verblichenen teilt, als Traueranlaufstelle zu gebrauchen, ist nicht immer eine gute Idee. Manche Menschen werden vielleicht das Gefühl kriegen, ihr Freund käme gleich um die Ecke, der ist doch nur ein Eis kaufen gegangen … Verstehst du, was ich damit sagen möchte?

          Trauer ist eine sehr individuelle Sache. Letztendlich muss jeder Mensch selber wissen, wie er mit dem Tod eines Bekannten fertig wird, ob man einfach im Stillen weint, einen Abschiedsbrief schreibt oder ob man, wie Tante Jay es hier macht, diesem Freund zwei Blogeinträge widmet. Aber im Allgemeinen hat sich nunmal gezeigt, dass Trauer am Besten an einem Grab verarbeitet wird. Eine solche Anlaufstelle und Gedenkstätte nicht zu haben kann sich dementsprechend für manche auch sehr schmerzhaft anfühlen.

  2. gotsassaufeinemast

    oh gott..ich brauche ein Tempo..das ist so schön. *schnief*

  3. Beeindruckend!

  4. Trauer ist Egoismus. Wir trauern für uns selbst, wir trauern über die Dinge die wir mit den Verstorbenen verlieren. Das ist was mich beim Betrauern des Todes von geliebten oder geschätzten Menschen am meisten stört. Diese Erkenntnis. Niemand weiß, wo sie nach ihrem Tode sind, wie es Ihnen geht. Ich für meinen Teil glaube höchstens.

    Du schreibst von Liebe und Dankbarkeit. Ich denke das ist der richtige Weg. Nimm diese Liebe und Dankbarkeit. Versuch das für Andere zu sein, was er für Dich war. So weit es für Dich gut ist und ein bisschen darüber hinaus. Mindere das Leid von Anderen. Wandele diese Dankbarkeit in Kraft für Andere…und Dich selbst.

    Wenn Dir das gelingt, dann haben seine Fußspuren in diesem Leben auch die Wege von ihm Fremden gekreuzt und beeinflusst. Kann man sich mehr wünschen?

    Und was das Grab angeht: Jay, der Körper ist eine Hülle. Seine Bestattung Makulatur, behördliche Pflicht. Das was den Verstorbenen ausmacht ist seit dem Zeitpunkt des Vergehens nicht mehr dort. Ein ruhiger Ort, ein Bild in Deinem Kopf, dazu ein Gefühl, dieses Gefühl der Freundschaft und Liebe das Du beschreibst, das ist das wahre Grab! Dort kannst Du Trauern und Weinen. Wo Dein Körper dabei ist…egal. Du weisst doch:

    “Le vrai tombeau des morts, c’est le coeur des vivants.”

    Und nimm Dir immer soviel zeit wie Du brauchst an diesem Ort. Denn er ist Eure Verbindung…

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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