Wie wars denn so – 2 –


Tja. Und hiermit kommen wir zum Thema Rassismus und natürlich auch wieder zur Politik.

Beides ist ein böses Thema. Ein sehr sehr böses Thema. Aber untrennbar miteinander verbunden.

Die Tragödie um Trayvon Martin habt ihr ja vielleicht so in einem Nebensatz mitbekommen. Aber sie wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Schwarzen im Süden der USA.

Vorweg ein bisschen Hintergrundinfo:

Es gilt in den meisten Südstaaten das sog. Stand your Ground-Law. Das bedeutet im Grunde nix anderes als dass man das Recht hat, in einer subjektiven Bedrohungssituation die Bedrohung zu erschießen.

Subjektiv ist hier das Stichwort. Wenn du dich bedroht fühlst, kannst du schießen. Und keiner kann dich dafür bestrafen. Das war die Trumpfkarte, die George Zimmerman gezogen hat, nachdem er einen mit Eistee und Skittles (Süssigkeiten) bewaffneten Teenager erschossen hat, in der Hoffnung, damit durchzukommen. Und es sieht auch fast danach aus, dass das klappt.

Die Aufregung ist jetzt groß, aber Trayvon ist leider nicht der einzige, der wegen nix erschossen wird.

Eine weitere Hintergrundinfo, die hier fast verloren geht, ist, dass die Knäste in den USA zunehmend privatisiert wird. Das heißt, die müssen Profit abwerfen, sonst investiert keiner mehr in den Strafvollzug?

Pervers? Wartets ab, das geht noch besser.

Es gibt in den USA eine sog. Cradle-to-prison-Pipeline. Diese gibt Aufschluß darüber, wie lange ein schwarzer Junge braucht, bis er von der Wiege (cradle) im Knast landet.

Die Info darüber wird nicht pi mal Daumen erfunden – es finden jährliche Tests mit allen schwarzen und hispanischen Jungs in der 3. Klasse statt. Die Testergebnisse werden validiert und die Privatknäste genau da gebaut, wo ein erhöhtes Kriminalitätsaufkommen zu erwarten ist.

Derzeit sieht es so aus, dass 1/3 aller schwarzen Kinder und 1/6 aller hispanics irgendwann in ihrer Kindheit im Knast landen. Und obwohl eine zunehmende Anzahl der 4th Graders nicht lesen kann, sind die Ausgaben für die Strafverfolgung 3x so hoch wie die für die Bildung der Kinder.

Auf meine Frage, warum zum Teufel denn keiner dagegen protestiert, wo denn die Bürgerrechtler sind, die dieses System sprengen könnten, wurde recht lapidar gesagt: „Du, wir können dagegen nicht kämpfen, wir sind zu sehr damit beschäftigt, unsere Kinder am Leben zu erhalten“.

BAUF. Jau, genau so hab ich das gehört. Und es ist wahr.

20% aller schwarzen Jungs werden nicht älter als 21. De facto kein schwarzes Kind, egal ob Junge oder Mädchen, macht Lebenspläne über das Alter von 20 hinaus, weil die einfach nicht erwarten, überhaupt so alt zu werden. Die Mädchen bekommen immer früher Kinder weil sie glauben, dass sie einfach keine Zeit mehr dafür haben.

Die Todesursachen sind vielfältig: Erschossen durch Gangs oder die Polizei oder private Wachfirmen, HiV (ein gigantisches Problem der farbigen Bevölkerung hier, dank oftmals fehlender Krankenversicherung wird das häufig nicht behandelt) und nicht zuletzt einfach Todesfälle aufgrund Erkrankungen, die locker behandelbar gewesen wären – wenn die Kinder versichert gewesen wären. Zählt noch die „normalen“ Todesfälle wie Unfälle dazu, dann kommt man auf dramatische Todeszahlen unter den farbigen Jugendlichen.

Es ist erschreckend, wie lapidar über Todesfälle berichtet wird. „Chris, mein Großneffe, wurde auf offener Straße erschossen, weil er Kinder vor einer Gang geschützt hat“. So Neely, meine Freundin dort.

Farbige Kinder sind dort völlig ungeschützt, der Staat führt einen Strafrechtskrieg gegen sie, die Gangs sind allgegenwärtig und die Eltern oftmals machtlos. Die Mütter WISSEN, dass ihre Söhne in einer Gang sind – aber tun nichts dagegen. Denn oftmals ist das Geld, was der Sohn in der Gang „verdient“ der einzige Lebensunterhalt, den die Familie hat. Bis der Sohn erschossen wird.

Wer jetzt kommt mit „und wenn man Burger bei McDonalds dreht“, dem dreh ich den Hals um. Viele Menschen haben dort mehrere Jobs, weil einer die Familie nicht mehr ernähren kann.

Und doch reicht es nicht aus, um die Familie zu ernähren, geschweige denn, eine Krankenversicherung zu bezahlen. Die Gangs sind genau in das Segment vorgestoßen, wo ein Staat normalerweise präsent zu sein hat: Bei der Sicherung der Lebensgrundlage seiner Bürger. Da versagt der amerikanische Staat vollständig.

Darum sind ja die ganzen Rechten da so empört über „Obamacare“. Eine verpflichtende Krankenversicherung für jeden ist da echt eine absolute Notwendigkeit. Aber die sehen das nicht. Die sehen nur: „Der Nigger da ist dann in derselben Krankenversicherung wie ich und beschmutzt die da. Das will ich nicht“ – und schwupps hast du die Proteste. Und ja, das war ein Originalzitat.

Gerade dieser Themenbereich ist so hochkomplex, dass ist fast nicht mehr aufzulösen. Aber ein Fazit kann man ziehen:

Es ist seit Jahrzehnten Druck auf dem Kessel und das nicht zu knapp. Der Druck auf diesen einen Bevölkerungsteil wird kontinuierlich erhöht.

Ehrlich gesagt: Meiner Meinung ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann denen da das ganze Land um die Ohren fliegt. Wenn die einen zweiten Malcolm X statt einem Martin Luther King bekommen, knallts da. Und zwar kräftig.

Und dann nutzen den ganzen Idioten da auch ihre Gated Communities nix mehr.

Und wer meint, dass das nur ein amerikanisches Problem ist, sollte sich vielleicht nochmal genauer mit HartzIV beschäftigen und der Tatsache, dass wir in den Neuen Bundesländern wieder rassisch befreite Gebiete haben.

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Veröffentlicht am 5. April 2012, in Amerika. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. 20% sterben vor dem 21 Lebensjahr? WTF? Das sind Werte wie aus einem „3 Welt“ Staat! *seufz* und dann echaufiert sich diese Regierung über anderer Herren Länder?

    Du hast im übrigen auch vergessen zu erwähnen das immer mehr Handlungen kriminalisiert werden und das 3 Strikes weiter ausgeweitet wird. Ein Gefängnis muss schließlich voll werden daher werden eigentliche Bagatellen zu Strafrechtlich relevanten Taten aufgebaut.

    Dazu kommt das 3 Strikes gesetzt das einen nach 3 Straftaten lebenslang hinter Gittern bringt wenn man einer „schweren“ Tat überführt wird. Allerdings wenn man wegen Körperverletzung oder Drogenbesitzes (1 Gram kanabis ^^) überführt wird zählen einige Richter und Staatsanwällte auch gern Sachen wie Ladendiebstähle als Strike.

    Zu alg2 sag ich mal nichts weiter als das man hier eher weniger McJobs da die Zeitarbeitsbranche die Stunden gern soweit verlängert das man 50 Stunden + an einem hängt und trotzdem unter alg2 raus kommt weil man auf Akkord arbeitet.

    Ich glaube das wird noch max 2 Jahre weiterbrodeln und dann wie GB zu Unruhen kommen die nicht wieder abflauen und die dann weltweit um sich greifen werden. Anon und die Internationalen News werden dafür schon sorgen.

  2. Das System frisst seine Kinder…
    Ich finde es ganz wichtig und sehr gut, was du schreibst: Tatsachenberichte sagen viel mehr als Medienpropaganda. Aber die Sache mit den „rassistisch befreiten Gebieten im Osten“ kann ich nicht so stehen lassen. Das ist einfach nicht wahr. Genau da fällst du auf diese mediale Propaganda rein. Komm mal her zu mir, dann zeig ich dir den Osten, wie er wirklich ist. Und, was viele nicht glauben, die braune Brut, die versucht hier Fuß zu fassen, wird aus dem „Westen“ gesteuert. Das Problem hüben wie drüben wie in Ami-Land ist die Chancenlosigkeit der Kinder und Jugendlichen. Das macht die zurecht wütend. Wenn dann mangelnde Bildung dazukommt, dann explodiert das Chili.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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