Liberalisierung


Für die Schwarz-Geld ist ja das Hauptaugenmerk die „Liberalisierung der Märkte“ – was immer die Worthülse denn auch bedeuten mag.

Grundsätzlich heißt es dann, dass die Märkte Angebot und Nachfrage selber regeln sollen. Ist die Liberalisierung unvollständig, sind wir im Bereich Infrastruktur. 😉

Es gibt aber eine markante Ausnahme bei der Liberalisierung – die Buchpreisbindung.

§ 5 Abs. 1 des Gesetzes zur Buchpreisbindung sagt:

(1) Wer Bücher verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen. Entsprechendes gilt für Änderungen des Endpreises.

Das heißt, es gibt kein Buch ohne festgelegten Preis. Dieser Preis MUSS bezahlt werden, wenn man das Buch haben will, Schlußverkäufe, Sonderverkäufe mit reduzierten Preisen sind nicht zulässig.

Ausnahmen gibt es nur bei Gebrauchtbüchern und Mängelexemplaren.

Nun gibt es einen Verlag, der mal was Neues machen wollte: Ein Buch ohne festgelegten Preis verkaufen sondern jeder sollte das bezahlen, was ihm das Buch wert ist. Herstellungskosten waren recht gering, es war ein eBook.

Der Autor war mit der Vorgehensweise offenbar einverstanden, der Verlag hat das eBook auf den Markt gebracht und *schwupps* kommt das virtuelle Wolfsrudel unserer Zeit angelaufen und wedeln mit dem Buchpreisgesetzschwanz.

Kurz gesagt: Diese Art der Preisgestaltung verstößt gegen § 5 Abs. 1 BuchPrG und ist somit unzulässig.

Ich möchte an genau dieser Stelle doch mal auf den Zweck des Gesetzes hinweisen, niedergelegt an § 1:

§ 1 Zweck des Gesetzes

Das Gesetz dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Die Festsetzung verbindlicher Preise beim Verkauf an Letztabnehmer sichert den Erhalt eines breiten Buchangebots. Das Gesetz gewährleistet zugleich, dass dieses Angebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist, indem es die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert.

Also, das Gesetz soll das Kulturgut „Buch“ schützen. Wie dieser Fall schlagend beweist, geht es doch mal wieder darum schon lange nicht mehr – sondern um den  Schutz der Claims diverser Großverlage.

Es ist ein Sachbuchverlag, der sich auf Berlin spezialisiert hat – also ein kleiner Verlag, de  eine hochspezielle Nische bedient.

Die innovative Preisgestaltung kann ja gerne diskussionswürdig sein, aber offenbar hat es sich für den Verlag gelohnt, sonst hätten die das Angebot direkt wieder eingestampft.

Kommen wir nun zum Witzigen an der Geschichte: Gebrauchte Bücher sind von der Buchpreisbindung ausgenommen.

Wie GEIL ist das denn? Gebrauchte eBooks. 🙂

DAS, meine sehr verehrten Leser, ist ein Troll vor dem man sich nur noch verbeugen kann.

Hut ab, da muss man erstmal drauf kommen 🙂

 

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Veröffentlicht am 16. Februar 2012, in Sprachlos. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. also muss nur jemand im verlag das ebook einmal lesen und es dann erst vervielfaeltigen, schon koennen sie ihr preismodell weiterfuehren.

  2. Ich persönlich halte die Buchpreisbindung für völlig antiquiert, überflüssig und kartellrechtlich bedenklich.

    Aber hier kann man sehr gut sehen, wie sich eine Lobbyistenvereinigung bei Politikern durchgesetzt hat.

    Und das ganze ist ein schönes Beispiel für Leute, die immer noch nicht verstanden haben, welche Möglichkeiten das WWW bietet und diese dann zu nutzen.

    Volker Pispers sagte es ganz richtig, als er meinte, Deutsche mögen alles, nur keine Veränderung. (da sind andere aber wohl auch nicht besser 😉 )

    😀

  3. Danke für die Erinnerung — hierzulande steht demnächst eine Abstimmung über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung an, und vor dem Essen mit der Schwiegerfamilie möchte ich mich besser informieren, um meine nicht vorhandenen demokratischen Rechte auszuüben. (Bin hier Ausländerin, also kann ich nur mein Umfeld beeinflussen oder es mindestens versuchen.)

  4. „Gebrauchte eBooks.“
    klar Tantchen, hast Du noch nicht die Eselsohren am Bildschirmrand gesehen?
    ach, ich vergass, Du hast sicherlich einen reader mit automatischer Eselsohr-Kompensation 😀

  5. Erstens: Schlußverkauf ist erlaubt; da wird das Buch allerdings als „Mängelexemplar“ gestempelt.
    Zweitens: Von der Preisbindung haben die Verlage nichts, die legen nur den Preis fest – das täten sie aber auch, wenn sie den Buchhändlern sagen würden, „kauft das Buch bei uns für x Euro, und legt den Preis fest, den ihr wollt“.
    Tatsächlich geht es darum, auch kleinen Buchhändlern, die anders als die Großketten keine Großmengenrabatte heraushandeln könnten, eine Gewinnmarge zu ermöglichen, die sie in die Lage versetzt, Bücher anzubieten, wovon ja immer eine große Menge in Vorrat gehalten werden muß (und viel Kapital bindet). Damit eben keine Geiz-ist-geil-Ketten die guten Buchhandlungen kaputtmachen.

  1. Pingback: eBook gegen Zwangsspende – und viel Feedback | Berlin Story Verlag Blog

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