Teflon I


Ich verliere mit gewissen Leuten allmählich wirklich die Geduld. Die benehmen sich so widerwärtig kleinkariert, dass man wirklich langsam einen Brechreiz bekommt, wenn man die Gesichter nur sieht. Anhören kann man die sich schon gar nicht mehr – das Fremdschämpotenzial ist so dermaßen hoch, das ich es unerträglich finde, ihnen auch nur zuzuhören.

Der erste, den ich meine ist – natürlich – Bundespräsident Wulff. Unser Teflonpräsident. Viel ist dazu geschrieben worden. Und bei vielem kann man nur noch den Kopf schütteln ob dieser Dreistigkeit.

Die Causa Wulff hat – auch wieder natürlich – mehrere Seiten. Auf der einen Seite die Bildzeitung, die, um Auflage zu machen mal das gesammelte Kompromat von etlichen Jahren aus dem Keller holt, um ihn medial inszeniert fertigzumachen. Und die Bildzeitung tut das in einer Inszenatorischen Perfektion, dass man die Infamie der Berichterstattung die Verlogenheit der Empörung fast darüber vergessen könnte. Bitte bei Niggemeier für genauere Analysen gucken, Spucknapf nicht vergessen.

Und auf der anderen Seite ein Mann, der seine persönliche Integrität für ein Einfamilienhaus und Urlaube verkauft hat. Und der Bildzeitung somit erst die Waffen in die Hand gegeben hat. Der sich mit dem Feind ins Bett gelegt hat in der Hoffnung, dass er IHN verschonen würde.

Und der seine Stellung bei der Bildzeitng wirklich nachhaltig überschätzt und die Skrupellosigkeit von Döpfner und Diekmann unterschätzt hat.

Um Aufklärung gings die ganze Zeit nicht. Und man könnte fast meinen, dass ich dafür plädiere, den Bundespräsidenten doch in Ruhe zu lassen, wenn, ja, wenn da nicht ein kleiner Schönheitsfehler in der Sache wäre.

Das Amt des Bundespräsidenten selbst.

Es ist natürlich Quatsch, wenn geschrieben wird, dass das Amt des Bundespräsidenten beschädigt wird. Ein Amt kann man nicht beschädigen.

Wohl aber kann die Person, die es innehat, die ihr obliegenden Aufgaben aufgrund verschiedener Problematiken möglicherweise nicht mehr ausführen.

Die Aufgabe des Bundespräsidenten ist eine Representationsaufgabe. Er repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland nach außen, er steht als Symbol für unsere Werte, er ist das Sinnbild unserer Demokratie und unseres Staatsverständnisses.

Und dieser Mann, der dies tun soll, muss von untadeliger Reputation sein. Diese Annahme war bei mehreren Bundespräsidenten in der Vergangenheit schon nicht mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen, da der Bundespräsident aus Parteiengeklüngel gewählt wird, weil die Wahl zu einem Symbol für die Macht der jeweiligen Regierung verkommen ist. Wird der Kandidat gewählt, ist die Regierung mächtig. Wird er nicht gewählt, können wir uns gleich auf Neuwahlen einstellen, weil die Regierung handlungsunfähig ist.

Und keiner kommt auf die Idee, diesen hanebüchenen Unsinn mal zu hinterfragen.

Nur – im Fall Wulff bleibt nur noch der Rücktritt. Dieser Mann kann unsere Werte nicht mehr repräsentieren. Die Werte des Grundgesetzes unseres Landes. Dieser Mann hat alles an Integrität verspielt, was er je besessen hat. Er ist der versammelten Journaillenmeute ins offene Messer gelaufen, die sich darin sonnten, den Königsmörder zu spielen.

Dieser Mann repräsentiert uns nicht mehr. Hat es eigentlich nie.

Er muss gehen.

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Veröffentlicht am 23. Januar 2012, in politisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass der Mann, den Wulff selbst als sein Faktotum bezeichnet, wegen Bestechlichkeit verdächtigt wird, weil er Reisen von Unternehmern bezahlen ließ und Sponsoren warb. Ich erinnere mich, dass Wulff (fast) dasselbe getan hat; hier stellt sich mir jetzt die Frage, wieviel die Staatsanwaltschaft bekommen hat, damit sie nicht auch gegen Wulff ermittelt!

    Im Übrigen reiche man mir Brot und (Gänse-)Wein, damit ich ordentlich abkotzen kann – denn danach ist mir derzeit zumute.

    Ganz abgesehen davon stimme ich dir zu, dass Herr Wulff uns nicht repräsentiert, uns nie repräsentiert hat, ja, uns nie repräsentieren _konnte_.

    Aber ich setze EUR 10,00, dass Wulff am 30.06.2012 noch immer Bundespräsident ist!
    😉

    • .. nur 10 Euro? Feigling!
      oder ist da doch so ein Pfeifen im dunklen Walde zu vernehmen?
      😉

    • Der Glaseker ist eigentlich die ärmste Sau. Du weißt, was beim Schachspielen ein Bauernopfer ist? Und das ist so deraßen offensichtlich, dass da ne alte Frau mit dem Krückstock dran fühlen kann.

      • Der sollte auspacken, hat eh nix zu verlieren. Aber wer weiß, der Arm des Prasidialamts scheint je durchaus bis in die Staatsanwaltschaften zu reichen …

        • Was, wenn er sich freiwillig als Bauernopfer gemeldet hat und dann unter der Hand entsprechend gepudert wird?

          Wär auch ne Möglichkeit – dann wärs aber nicht die ärmste sondern die dümmste Sau. 😉

          • warum dümmste Sau? wenn die Menge des „Puders“ gestimmt hat (oder noch immer stimmt) … 😉
            Euro-Zeichen vor Augen künnen das Gehirn vernebeln und Skrupel ebenso.

            • „Niemand! Niemand nennt mich Feigling!“ (aus: Zurück in die Zukunft)

              Ich erhöhe auf EUR 100,00 (in Worten: einhundert). Hältste gegen? 😉

              Und zwar weil Wulff einen Bauern hat, der sich zum Opfer machen ließ. Abgesehen davon hat er nix von Teflon, es scheint mir eher, dass einfach der Dreck übergepinselt wird.

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