Tod eines Diktators II


Ich weiß ja nicht, was die Zeitungsheinis alle denken, was da in Libyen los war. Allenthalben großes Erstaunen darüber, dass Gaddafi offenbar direkt erschossen wurde, als er gefaßt wurde.

Ich mein, ähem? Da war monatelang Bürgerkrieg. Mindestens 30.000 Tote, die direkt auf das Konto von Gaddafi ging. Davor: Jahrzehntelange Totalüberwachung und Unterdrückung.

Ich schätze mal, dass es unter den Rebellen KEINEN gibt, der nicht ein Familienmitglied verloren hat – entweder unter dem Regime vorher oder aber während des Bürgerkrieges. Dazu kommt, dass das erste Opfer jeden Krieges die Menschlichkeit ist.

Was also bitte erwartet man? Na-tür-lich hat das mit Rechtsstaat nichts zu tun. Das war ein aufgeputschter Mob, der Gaddafi in einer Rattenfalle gefangen hat, rausgezerrt und gemerkt hat: Der Mann ist schwach. Der Mann kann nix mehr. Es ist machtlos.

Natürlich wurde er erschossen. Und zwar umgehend. Alles andere wäre ein pures Wunder gewesen. Also bitte aufhören, so scheinheilig entsetzt zu tun. Was da abgelaufen ist, ist menschlich.

Nicht schön, nicht rechtsstaatlich, es ist brutal und grausam gewesen.

Aber wer unter uns das nicht versteht, möge bitte den ersten Stein werfen. Und dann bitte tief ducken.

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Veröffentlicht am 23. Oktober 2011, in ärgerlich. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Bravo! *stehende Ovationen hinterlassend*

  2. Das war doch forciert. Stell Dir nur mal vor, der wäre verhaftet worden und hätte geplaudert.. So eine Diskreditierung konnte wohl kaum ein Staatsmann riskieren, also haben sie es halt nach wütendem Mob aussehen lassen..*denk*

    • Ne. Wer das glaubt, unterschätzt die Macht des Mobs vor Ort. Die hatten ihr Hassobjekt, dass sie monatelang unter hohem Blutzoll bekämpft hatten, direkt vor Augen. Hilflos.

      Keine Chance – da standen soviel Leute drumrum, alle bewaffnet – irgendeiner HAT da geschossen. Keine Chance die zurückzuhalten.

      • Sagen wir mal so:
        Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Nato dafür gesorgt hatte, dass jemand geschossen hätte wenn niemand geschossen hätte.

        An dem Stoppen der Flucht Gaddafis war die Nato ja auch (entgegen ihrer eigentlichen Einsatzregeln) beteiligt.

        Und, die Festnahme eines lebenden Tyrannen und dessen vor Gericht bringen, hätte zugleich einen ersten, sehr sehr starken Beweis des Reformwillens der neuen Machthabenden bedeutet. In Rumänien ging es mit Ceaușescu 1989 ja auch einigermaßen zivilisiert (Korrektur: es war ein Militärgericht – aber eben immerhin ein Gericht) zu. Was will man aber auch von Leuten erwarten, die die Scharia einführen wollen.

        Ich verstehe die Leute dort, werde es aber nicht gutheißen.

  3. Also mich hätte es überrascht, wenn Gaddafi _nicht_ direkt nach seinem Auftauchen erschossen worden wäre; wenn ich dort gewesen wäre und seiner angesichtig, ich denke, ich hätte auch geschossen. Ich weiß es aber nicht genau, weil ich glücklicherweise nicht in dieser Situation bin, noch nie war und wahrscheinlich nicht kommen werde.

  4. ich bin ja nicht gerade bibelfest und musste zugegebenermassen erst mal einen „Ableger“ der guten alte Tante Wikipedia befragen (wiktionary) nachfragen:
    schon im Alten Testament steht: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ Das vergessen viele dieser Personen, die meinen, ihren Machthunger auf Kosten Anderer (Schwächerer) ausleben zu müssen
    .. und das geht oft schief (q.e.d.).
    übrigens: auch in der moderneren Literatur findet man dazu eine – wenn auch nicht so drastistische Erklärung:
    „Oh, hüte dich vor allem Bösen!
    Es macht Pläsier, wenn man es ist,
    Es macht Verdruß, wenn man’s gewesen!“
    (Wilhelm Busch, die fromme Helene)

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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